Wie Plastikgeld die Welt erobert hat

Serie: Eine kleine Geschichte des Geldes

Von Muscheln und Steinen zu Banknoten und Kreditkarten: Lesen Sie im letzten Teil unsere Serie „Eine kleine Geschichtes des Geldes“, wie das Plastikgeld erfunden wurde – und was ein vergesslicher Geschäftsmann aus New York damit zu tun hatte.

Früher bezahlten die Menschen mit Muscheln, heute nutzen wir neben Münzen und Scheinen auch immaterielles Geld: sogenanntes Buch- oder Giralgeld. Wie sich daraus Kredit- und andere Karten entwickelt haben – und was ein vergesslicher Geschäftsmann damit zu tun hatte –, das lesen Sie in der letzten Folge unserer Serie „Eine kleine Geschichte des Geldes“.

Weil unseren Ahnen das Zahlen großer Summen mit Münzen zu umständlich wurde, erfanden sie vor rund einem Jahrtausend das Papiergeld – in China. Bis sich Geldscheine in Europa durchsetzten, dauerte es nochmal bis ins späte 15. Jahrhundert. Fast parallel entwickelte sich im 14. Jahrhundert in einigen Handelsstädten wie Amsterdam, Genua oder Hamburg eine weitere Innovation: Buchgeld. 

Immaterielles Geld gab es schon im Mittelalter

Buchgeld beziehungsweise Giralgeld ist die erste Form von immateriellem Geld – also insbesondere Guthaben auf Bankkonten. Bei sogenannten Girobanken konnten Kaufleute Konten eröffnen, um dort Geld einzuzahlen und dieses auch auf andere Konten zu überweisen. Ab dem 19. Jahrhundert setzte sich dieser Trend auch in Deutschland durch: In Berlin wurde 1823 die erste Bank gegründet, die bargeldlose Zahlungen ermöglichte. 

Von der Scheckkarte zur girocard

Zahlen mit Karte ist heute selbstverständlich. In Deutschland ist vor allem die girocard beliebt. Als Zahlungsgarantiekarte zum Scheck wurde ihre Vorgängerin schon im Januar 1968 erstmals eingesetzt. In der Folge entstand das eurocheque-System. Ende der 1970er Jahre kam die Debitfunktion auf die Karte: Wer eine eurocheque-Karte hatte, konnte nun mittels des schwarzen Magnetstreifens am Automaten Geld abheben und ab 1991 mit der „EC-Karte“ auch per Karte und Geheimzahl (PIN) in Supermärkten, Tankstellen und anderen Geschäften bezahlen. Der Magnetstreifen spielt heute dank moderner und sicherer Chiptechnologie in Deutschland keine Rolle mehr. Seit 2017 ist auch die „girocard kontaktlos“ deutschlandweit in Umlauf. Und nun wandert sie ins Smartphone – als digitale Bezahlkarte. 

Der vergessliche Geschäftsmann, der die Kreditkarte erfand

Zurück ins 20. Jahrhundert: Ein weiterer wichtiger Meilenstein für das bargeldlose Bezahlen war die Kreditkarte. Ihre Erfindung ist eine kuriose Geschichte. Dem US-Unternehmer Frank McNamara kam die Idee, als er bei einem Restaurantbesuch merkte, dass er sein Portemonnaie vergessen hatte und darum nicht zahlen konnte. Er schrieb seine Kontaktdaten auf eine Visitenkarte – und siehe da: Das Restaurant gewährte ihm laut eigener Aussage einen Zahlungsaufschub. 

Kurz darauf gründete McNamara in New York eine Kreditkartengesellschaft, die 1950 die erste Karte herausgab. Der Name erinnert an den Ursprung von McNamaras Idee:  „Diners Club“. 

Plastikgeld – das neue internationale Zahlungsmittel

Zunächst konnte die Diners-Club-Karte in gerade mal 27 New Yorker Restaurants eingesetzt werden. Die Kunden mussten ihre Rechnungen nun nicht mehr sofort, sondern nur einmal im Monat begleichen. Bis auch Kaufhäuser, Bars und andere Geschäfte die Kreditkarte akzeptierten, dauerte es ein paar Jahre. 

Letztlich war dieses Konzept so erfolgreich, dass es sich schnell über den ganzen Globus verbreitete. Seit den 60ern können Menschen grenzüberschreitend mit Kreditkarte bezahlen – vor allem für Vielreisende ist sie seither nicht mehr aus der Geldbörse wegzudenken. In ihrem Ursprungsland USA ist die Kreditkarte heute Zahlungsmittel Nummer eins.

In den vergangenen Jahren hat der boomende Onlinehandel die Kreditkarte auch hierzulande begehrt gemacht: Zwischen 2010 und 2016 hat sich die Zahl der Karten allein in Deutschland um fast ein Drittel erhöht – auf rund 34 Millionen.

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