Wirtschaftswachstum in Deutschland: Empfindlicher Dämpfer

Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland hat im dritten Quartal dieses Jahres einen empfindlichen Dämpfer erhalten: Die gesamtwirtschaftliche Leistung ist bereinigt gegenüber dem Vorquartal um 0,2 % gesunken. 

Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland hat im dritten Quartal dieses Jahres einen empfindlichen Dämpfer erhalten. Die 
gesamtwirtschaftliche Leistung ist preis-, saison- und kalenderbereinigt gegenüber dem Vorquartal um 0,2 % gesunken. Das war der erste Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) seit dreieinhalb Jahren und macht eine neuerliche Abwärtsrevision der Wachstumsprognose für das laufende Jahr erforderlich.

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Das Minus bei der gesamtwirtschaftlichen Leistung war vor allem auf einen kräftigen Einbruch der Automobilproduktion zurück-zuführen. Hier machten sich die Probleme der Kfz-Hersteller mit dem neuen Emissions- und Verbrauchstestverfahren (WLTP) bemerkbar. Da nicht alle Fahrzeugmodelle rechtzeitig das neue Prüfverfahren durchlaufen hatten, kam es zu Stockungen bei den Neuzulassungen und zeitweisen Produktionsausfällen. Dies dürfte das BIP um bis zu 0,3 % gedrückt haben.

Ein weiterer Dämpfer für das BIP kam im dritten Quartal 2018 von den Exporten, die 0,9 % unter dem Niveau des Vorquartals lagen. Dazu haben natürlich auch die Probleme im Automobilsektor beigetragen. Doch nicht alleine, denn insgesamt ist vor allem die Nachfrage aus den Schwellenländern nach deutschen Exporten gesunken. Über die globalen Produktionsketten werden hier inzwischen auch die ersten Auswirkungen der von der US-Regierung angeheizten Handelskonflikte erkennbar.

Da die Importe gegenüber der Vorperiode um 1,3 % stiegen, hat der Außenbeitrag – also der Saldo von Ex- und Importen – die gesamtwirtschaftliche Leistung im dritten Quartal 2018 um 1 % gedrückt.

Gemischte Signale kamen in den Monaten Juli bis September 2018 von der Binnennachfrage. Während die Bau- (+0,9 %) und Ausrüstungsinvestitionen (+0,8 %) ebenso wie der Staatsverbrauch (+0,2 %) gegenüber dem Vorquartal zulegten, gingen die Konsumausgaben der privaten Haushalte um 0,3 % zurück. Hier schlug vor allem der deutliche Einbruch beim Kauf von Autos zu Buche. Aber auch der kräftige Anstieg der Öl- und Energiepriese über die Sommermonate sowie die zuletzt auf eine Jahresrate von 2,5 % gestiegene Inflation dürfte den privaten Konsum belastet haben. Die Rahmenbedingungen für die Konsumnachfrage sind nämlich weiterhin günstig: die gute Arbeitsmarktentwicklung – die Beschäftigung steigt von einem historischen Rekord zum nächsten –, die recht ordentlichen Lohnabschlüsse und die weiterhin extrem niedrigen Zinsen.

Trotz der zahlreichen Enttäuschungen, die die Wirtschaftszahlen für das dritte Quartal dieses Jahres geliefert haben, ist der jüngste Rückgang des BIP als „Ausrutscher“ zu bewerten. Bereits im 4. Quartal 2018 sollte die Wirtschaftsleistung in Deutschland wieder steigen. Nicht nur wegen der allmählich wieder anziehenden Automobilproduktion – auch die weiterhin gut gefüllten Auftragsbücher der deutschen Unternehmen und die sich voraussichtlich nicht mehr weiter beschleunigende Inflationsrate sprechen dafür. Hinzu kommt, dass die meisten Stimmungsindikatoren nach einer deutlichen Talfahrt inzwischen einen Boden gefunden haben dürften.

Auf der anderen Seite steht aber auch fest, dass die besonders hohen Wachstumsraten des Jahres 2017 bis auf Weiteres der Vergangenheit angehören. Die Weltwirtschaft wird auch im kommenden Jahr nur mit einer etwas geringeren Schlagzahl vorankommen. Zwar sollte sich die zuletzt abkühlende Konjunktur in den Schwellenländern wieder stabilisieren, dafür dürfte aber die US-Wirtschaft im nächsten Jahr ein Teil des zusätzlichen Schubs durch die Steuersenkungen wieder verlieren. Und auch in Deutschland selbst sind derzeit keine zusätzlichen Wachstumsimpulse zu erkennen. Im Gegenteil: Die Ausrüstungsinvestitionen bleiben weiterhin hinter ihrer Entwicklung in vergleichbaren Konjunkturphasen zurück. 

Im Gesamtjahr 2018 ist in Deutschland inzwischen nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,6 % zu rechnen. Gegenüber der bereits im Spätsommer dieses Jahres gesenkten Prognose wäre das noch einmal ein Rückgang um 0,4 Prozentpunkte. Die deutlich schwächere Konjunkturentwicklung im zweiten Halbjahr 2018 drückt aber auch den statistischen Überhang, der im Prinzip ein Vorschuss auf das Wachstum im Jahresdurchschnitt 2019 ist. Der bislang für das kommende Jahr erwartete BIP-Anstieg von 1,8 % muss daher auf 1,6 % reduziert werden.

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