Wirtschaftswachstum in Deutschland: Es bleibt wackelig

Wirtschaftswachstum in Deutschland: Es bleibt wackelig

Guter Jahresstart …

Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland hat zum Jahresbeginn 2019 positiv überrascht. Nach den sehr schwachen dritten und vierten Quartalen 2018 (preis-, saison- und kalenderbereinigt –0,2 % bzw. Stagnation gegenüber dem Vorquartal) konnte das Bruttoinlandspro­dukt (BIP) in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 0,4 % zulegen.

Das Wachstum stand im ersten Vierteljahr auf einer breiten Basis. Am deutlichsten konnten die Bau- und Ausrüstungsinvestitionen (+1,9 % bzw. +1,2 % ggü. Vor­quartal) sowie der Konsum der privaten Haushalte (+1,2 %) zulegen. Auch vom Außen­beitrag, also dem Saldo von Exporten und Importen, kam ein Wachstumsimpuls, der immerhin 0,2 Prozentpunkte zum BIP-Anstieg beigesteuert hat. Einen negativen Effekt hatte hingegen der Staatsverbrauch (-0,3 % ggü. Vorquartal).

Die Binnennachfrage in Deutschland zeigt sich somit weiterhin unbeeindruckt von den Reibungsverlusten in der Weltwirtschaft und der deutlich gedrückten Stimmung in der heimischen Industrie. So legten die Konsumausgaben der privaten Haushalte zum Jahresanfang 2019 sogar so stark zu wie zuletzt vor acht Jahren – und dies, obwohl auch die Sparquote der privaten Haushalte mit 14,2 % auf den höchsten Wert seit 1995 gestiegen ist.

Getragen wird der private Konsum weiter­hin von der sehr guten Arbeitsmarktent­wicklung und sehr ordentlichen Lohnab­schlüssen. Legt man einheitliche euro­päische Maßstäbe zugrunde, dann liegt die Arbeitslosenquote in Deutschland nur noch bei 3,2 % (harmonisierte Arbeitslosen­quote). Vor 14 Jahren belief sich diese Quote noch auf gut 11 %.

… wird sich im 2. Quartal nicht fort­setzen

Für eine weiterhin robuste Konjunktur spricht auch die jüngste Beschleunigung bei den Bau- und Ausrüstungsinvestitionen. Die Bauinvestitionen wurden allerdings stark vom milden Winter begünstig, sodass die besonders hohe Dynamik im zweiten Quartal 2019 kaum zu halten ist. Bei den Aus­rüstungsinvestitionen sollte die bis zuletzt weiter gesunkene Kapazitätsauslastung nicht ignoriert werden. Zwar werden die Produktionskapazitäten in der deutschen Industrie immer noch überdurchschnittlich genutzt, der weiterhin recht schwache Auf­tragseingang dürfte aber die Notwendigkeit von zusätzlichen Produktionskapazitäten spürbar reduzieren.

Nimmt man zudem die deutlich gedrückten Stimmungsindikatoren für die Industrie mit in den Blick, dann ist im zweiten Vierteljahr dieses Jahres allenfalls mit einem schwachen BIP-Wachs­tum von 0,1 oder 0,2 % gegenüber dem Vorquartal zu rechnen.

Der darüber hinausgehende Ausblick wird ganz entscheidend von der weiteren welt­wirtschaftlichen Entwicklung abhängen. Die deutsche Wirtschaft ist besonders eng in internationale Produktionsketten und den grenzüberschreitenden Güteraustausch eingebunden. Die globale Nachfrage­schwäche, besonders aber die wachsende Unsicherheit über die Handelspolitik, schlagen hier überdurchschnittlich stark zu Buche.

BIP-Prognose bleibt unverändert

In einer Phase, in der die Weltwirtschaft mit einer möglichen Stabilisierung der chinesischen Konjunktur offenbar einen Boden findet, haben die jüngsten Eskalationsstufen im Handelsstreit zwischen den USA und China sowie die weiterhin drohenden US-Zölle auf europäische Autos die Konjunktur­risiken wieder erhöht. Hinzu kommt das zuletzt (angekündigter Rücktritt von Theresa May, Ergebnis der EU-Wahlen in UK) deutlich gestiegene Risiko eines „No-Deal-Brexits“.

Vor diesem Hintergrund bleibt die wirt­schaftliche Wachstumsprognose für Deutschland für das laufende Jahr – auch nach dem guten Jahresstart – unverändert bei rund einem Dreiviertel Prozent. Eine Prognose, die im zweiten Semester übrigens vierteljährliche Wachstumsraten von jeweils 0,3 % (ggü. dem Vorquartal) voraussetzt.

Unter der Annahme, dass das globale Wirtschaftswachstum in diesem Jahr mit einer Rate von 3,5 % einen Boden findet und im kommenden Jahr wieder leicht anzieht, könnte die deutsche Wirtschaft 2020 dann wieder auf einen Wachstums­pfad von rund 1,5 % zurückfinden. Spitz gerechnet bleibt die nicht arbeitstäglich bereinigte Prognose daher bei 1,6 %. Da in Deutschland in diesem Jahr durch die Kalenderkonstellation mehr Arbeitstage zur Verfü­gung stehen als im vergangen Jahr, wäre dies ein kalenderbereinigter BIP-Anstieg von 1,2 %.

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