Wirtschaftswachstum in Deutschland: Ohne Schwung ins neue Jahr

Für das gesamte Jahr 2018 ergibt sich in Deutschland ein Wirtschaftswachstum von 1,4 % – ein Wert, der um gut einen Prozentpunkt hinter den noch zum Jahresbeginn 2018 gehegten Erwartungen zurückgeblieben ist. Ausschlaggebend für das relativ schwache zweite Halbjahr 2018 sind v.a. Sondereffekte bei der Produktion im Automobilsektor. Aber auch die schwelenden internationalen Handelskonflikte haben die wirtschaftliche Entwicklung gebremst.

Die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland zeigt für das vergangene Jahr eine deutliche Zweiteilung. Während in den ersten sechs Monaten des zurückliegenden Jahres noch ein auf das Jahr hochgerechneter BIP-Anstieg von rund 2 % erzielt werden konnte, kam das Wirtschaftswachstum im zweiten Halbjahr 2018 abrupt zum Erliegen. Im dritten Quartal 2018 ist die gesamtwirtschaftliche Leistung gegenüber dem Vorquartal sogar um 0,2 % geschrumpft (saisonbereinigt). Das vierte Quartal sorgte dann für eine Stagnation (saisonbereinigt gegenüber der Vorperiode). Für das gesamte Jahr 2018 ergibt sich daraus ein Wirtschaftswachstum von 1,4 % – ein Wert, der um gut einen Prozentpunkt hinter den noch zum Jahresbeginn 2018 gehegten Erwartungen zurückgeblieben ist.

Ausschlaggebend für den scharfen Einbruch der Wirtschaftsdynamik im Sommer des vergangenen Jahres war die Produktion im deutschen Automobilsektor. Sie wurde wegen der äußerst holprigen Einführung eines neuen Emissionstests (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure, WLTP) empfindlich gebremst. Für das dritte Quartal 2018 wird dieser Effekt auf etwa 0,3 Prozentpunkte der BIP-Entwicklung veranschlagt. Ohne die Schwierigkeiten im Automobilsektor wäre die gesamtwirtschaftliche Leistung im Sommerquartal 2018 somit leicht gestiegen.

Über die WLTP-Probleme hinaus haben im zweiten Halbjahr 2018 aber auch die schwelenden internationalen Handelskonflikte, eine abflauende Weltwirtschaft sowie die wachsenden Sorgen um einen harten Brexit die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland gebremst. Das machte sich unter anderem in einer zurückhaltenderen Investitionsplanung der Unternehmen bemerkbar. Außerdem lag der mit einem gleitenden Durchschnitt von starken monatlichen Schwankungen geglättete Auftragseingang der deutschen Industrie im gesamten zweiten Halbjahr unter dem Vorjahresniveau.

Als vergleichsweise robust hat sich bislang hingegen die Binnennachfrage gezeigt. So haben sich die inländischen Industrieaufträge nach einem Dämpfer zu Beginn des vergangenen Jahres im weiteren Jahresverlauf wieder stabilisiert. Die zeitweise auf deutlich über 2 % anziehende Inflationsrate hat zwar die Entwicklung des privaten Konsums etwas gedrückt, mit dem deutlichen Rückgang der Rohölpreise im Herbst letzten Jahres ist die jährliche Teuerungsrate in Deutschland inzwischen aber schon wieder unter die 2-Prozent-Marke gefallen.

Die wirtschaftliche Stagnation in Deutschland im zweiten Halbjahr 2018 hat einen unmittelbaren Einfluss auf das Startniveau des BIP im Jahr 2019. Ökonomen sprechen in diesem Zusammenhang vom „statistischen Überhang“, der letztlich eine Art „Rückenwind“ für die BIP-Entwicklung im neuen Jahr bedeutet. Während dieser „Rückenwind“ Anfang 2018 bei 0,8 % lag – dieser Wert bedeutet, dass das BIP im Jahresdurchschnitt 2018 um 0,8 % gewachsen wäre, selbst wenn das BIP im gesamten Jahresverlauf stagniert hätte –, liegt er Anfang dieses Jahres bei null. Allein aus diesem Grund mussten die Prognosen für die BIP-Entwicklung in diesem Jahr deutlich reduziert werden.

Wie geht‘s weiter?

Bei den Stimmungsindikatoren für die deutsche Wirtschaft ist zum Jahresbeginn noch keine verlässliche Stabilisierung zu erkennen. Lediglich die stark von der Entwicklung an den Finanzmärkten geprägten Konjunkturerwartungen des ZEW zeigen mittlerweile eine Bodenbildung. Dies deckt sich mit den seit Jahresbeginn etwas gestiegenen Aktienkursen in Deutschland, dem Euroraum und den USA. Hintergrund dafür ist wiederum, dass die Zinserhöhungserwartungen sowohl für die US-Notenbank als auch für die EZB zuletzt deutlich zurückgeschraubt wurden.

Von der weltwirtschaftlichen Seite werden in diesem Jahr zunächst noch dämpfende Effekte auf die deutsche Wirtschaft ausgehen. So schwächt sich das Wirtschaftswachstum in den USA ab, nachdem die Sondereffekte durch die Steuerreform im vergangen Jahr allmählich auslaufen. Außerdem ist die US-amerikanische Handelspolitik nach wie vor eine spürbare Belastung für die globale Konjunktur. In China ist zudem das Wirtschaftswachstum in den letzten beiden Quartalen unter die von der Regierung festgelegte Orientierungsgröße von 6,7 % gesunken. Es bleibt abzuwarten, ob es der chinesischen Wirtschaftspolitik gelingt, mit den angestrebten Stützungsmaßnahmen das Wachstum in diesem Jahr deutlich über der 6-Prozent-Marke zu halten.

Gemischte Signale kommen von der deutschen Binnenkonjunktur: Während sich die gute Beschäftigungsentwicklung grundsätzlich fortsetzen wird und zusammen mit den ordentlichen Lohnabschlüssen die Hauptstütze für den privaten Konsum bleibt, dürften die Ausrüstungsinvestitionen merklich an Fahrt verlieren. Verantwortlich hierfür sind vor allem die fortbestehenden Unsicherheiten durch die US-Handelspolitik. Aber auch die anhaltenden Wirren über den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU belasten die Investitionsperspektiven.

Nimmt man alles zusammen, dann wird es in diesem Jahr in Deutschland schwer werden, ein Wirtschaftswachstum von über 1 % zu erzielen. Wegen des schwunglosen Starts in das laufende Jahr wäre dafür jedes Quartal ein BIP-Wachstum von knapp 0,4 % gegenüber der Vorperiode erforderlich. Der Bankenverband wird zusammen mit den im Ausschuss für Wirtschafts- und Währungspolitik vertreten Chefvolkswirten der privaten Banken am 21. März 2019 eine aktualisierte Wachstumsprognose vorlegen.

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