Wirtschaftswachstum in Deutschland: Tempomat steht bei 2 %

Wirtschaftswachstum in Deutschland: Tempomat steht bei 2 %

Konjunktur

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland hat sich seit dem Frühjahr 2017 bei vierteljährlichen Raten von rund 0,5 % eingependelt. Das entspricht einer Jahresrate von etwa 2 %, was trotz tendenziell rückläufigen Stimmungsindikatoren leicht positiv überraschend ist. Gleichwohl sind die Risiken für das Wirtschaftswachstum in den letzten Monaten gleich an mehreren Stellen wieder gestiegen: Handelskonflikte, konjunkturelle Abschwächung in einigen Schwellenländern und die Gefahr eines „harten“ Brexits.

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland hat sich seit dem Frühjahr 2017 bei vierteljährlichen Raten von rund 0,5 % eingependelt. Das entspricht einer Jahresrate von etwa 2 %. Die Ergebnisse für das 2. Quartal 2018 reihen sich nahtlos in diesen Trend ein. So stieg die gesamtwirtschaftliche Leistung in Deutschland von April bis Juni 2018 preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,5 % gegenüber dem Vorquartal.

Gemessen an den seit Anfang des Jahres tendenziell rückläufigen Stimmungsindikatoren war das Wachstumsergebnis für das 2. Quartal 2018 eine leicht positive Überraschung. Getragen wurde es ausschließlich von der Binnennachfrage. Der private Verbrauch stieg von April bis Juni 2018 um 0,3 %, der Staatskonsum sogar um 0,6 % (jeweils preis-, saison- und kalenderbereinigt gegenüber der Vorperiode). Das Plus beim privaten Konsum war unter anderem auf die weiterhin gute Arbeitsmarktentwicklung sowie die ordentlichen Lohnabschlüsse zurückzuführen; beim Staatsverbrauch hat sich bemerkbar gemacht, dass öffentliche Gelder nach dem positiven Abschluss der langwierigen Koalitionsverhandlungen im März 2018 freigegeben wurden. Im 1. Quartal 2018 ist der Staatskonsum sogar um 0,3 % gesunken. Positiv zum Wirtschaftswachstum haben auch die Ausrüstungs- und Bauinvestitionen beigetragen, auch wenn beide Komponenten den starken und bei den Bauinvestitionen auch durch den milden Winter begünstigten Zuwachs aus dem 1. Quartal 2018 (+2,3 % bzw. + 1,6 %) nicht halten konnten. Ein dämpfender Effekt für die BIP-Entwicklung kam hingegen vom Außenhandel.

So stiegen die Importe zuletzt mit einem Plus von 1,7 % deutlich stärker als die Exporte (+0,7 %). Die gesamtwirtschaftliche Wachstumsrate wurde dadurch im 2. Quartal 2018 um 0,4 Prozentpunkte gedrückt.

Aus heutiger Sicht ist davon auszugehen, dass die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland das eingeschlagene Tempo auch im zweiten Halbjahr dieses Jahres halten kann. Die Prognose für das Wirtschaftswachstum im Jahresdurchschnitt 2018 bleibt daher unverändert bei rund 2 %. Gleichwohl sind die Risiken für das Wirtschaftswachstum in den letzten Monaten gleich an mehreren Stellen wieder gestiegen.

  • Allen voran sind in diesem Zusammenhang die potenziellen Belastungen durch die sich sukzessive aufbauenden Handelskonflikte zu erwähnen. Selbst bilaterale Handelskonflikte, wie beispielsweise die gegenseitigen Zollmaßnahmen in den USA und in China, strahlen dabei über globale Produktions- und Absatzketten unmittelbar auf die gesamte Weltwirtschaft aus und belasten die stark in die internationalen Handelsströme und Fertigungsketten eingebundene deutsche Wirtschaft.
  • Einen weiteren Risikofaktor stellt die mögliche konjunkturelle Abschwächung in zahlreichen Schwellenländern dar, die vor allem durch den Abzug von Kapital aus diesen Ländern sowie durch Abwertungsspiralen ausgelöst werden können.
  • In Europa kommt zudem das gestiegene Risiko eines „harten“ Brexits hinzu. Aber auch das bisherige Versäumnis, überzeugende politische Reformen im Rahmenwerk der EU und der Europäischen Währungsunion in Angriff zu nehmen, droht allmählich zu einem Unsicherheitsfaktor zu werden. Erst recht, wenn nationale Regierungen einseitig und bewusst gemeinsam vereinbarte Stabilitätsvorgaben aussetzen sollten.

Vor diesem Hintergrund sind aktuell die wirtschaftspolitischen Herausforderungen weltweit besonders groß. Hauptszenario für die deutsche Wirtschaft ist jedoch, dass sich die binnenwirtschaftlichen Kräfte in Deutschland und im Euro-Raum weiter stärken und die Weltwirtschaft insgesamt ein Wachstumstempo von knapp 4 % halten kann. Bei der gesamtwirtschaftlichen Leistung wäre hierzulande dann auch 2019 ein Zuwachs von knapp unter 2 % möglich.

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