Wohlstand braucht offene Finanzmärkte und starke Banken!

Für Wirtschaft und Gesellschaft bedeuten Globalisierung und technischer Fortschritt einen permanenten Wandel. Damit Unternehmen hierbei ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten und alle Bürger am Wohlstand teilhaben können, muss die Wirtschaftspolitik den richtigen Rahmen setzen. Nicht zuletzt ist zu inklusivem Wachstum auch ein innovativer und profitabler Finanzsektor erforderlich.

13.11.2018

von inter/esse-Redaktion

Kaum ein Wirtschaftszweig ist so global ausgerichtet wie die Finanzbranche. Internationaler Handel und finanzwirtschaftliche Offenheit liegen daher in ihrem ureigenen Interesse. Aber nicht nur in ihrem! Die Globalisierung ist und bleibt Basis für den Wohlstand nahezu aller Gesellschaftsschichten – in Deutschland und weltweit. So hat sich in den vergangenen dreißig Jahren das Pro-Kopf-Einkommen in Deutschland fast verdoppelt, in Indien stieg es um das Sechsfache und in China gar um mehr als das Sechzehnfache. Die Globalisierung hat die Armut in der Welt deutlich verringert.

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Für Wirtschaft und Gesellschaft bedeuten Globalisierung und technischer Fortschritt allerdings einen permanenten Wandel. Er bringt den Menschen oft große Erleichterungen, sei es im Alltag oder im Beruf, mit ihm gehen aber auch Anpassungskosten und finanzielle Risiken einher. Nicht wenige fühlen sich durch das Tempo der Veränderungen überfordert, kritisieren eine ungleiche Verteilung von Wohlstandsgewinnen oder glauben, dass die negativen Effekte der Offenheit deren Vorteile überwiegen.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht immer einfach zu vermitteln, dass ein fortwährender Modernisierungsprozess nichts Schlechtes ist. Deutschland muss bei Innovationen und Investitionen sogar noch dynamischer werden, wenn es seine Position im internationalen Wettbewerb, sprich: sein Wohlstandsniveau, auch nur halten will. Allzu oft auch gerät in Vergessenheit, dass jeder vierte Arbeitsplatz hierzulande direkt oder indirekt vom Export abhängig ist. Eine Abkehr von der Globalisierung wäre da keine gute Alternative.

Allerdings müssen berechtigte Sorgen ernst genommen werden. Es demotiviert Menschen, wenn sie das Gefühl haben, es gehe ungerecht zu, wenn sie selbst nicht ausreichend Vermögen bilden oder für sich keine Aufstiegsperspektive sehen. Die politischen Folgen zeigen sich dann zunehmend in einem gesellschaftlichen Hang zu Populismus und in der Neigung der Wähler, „entrückten Eliten“ ihr Vertrauen zu entziehen. 

Mehr Chancengerechtigkeit durch höhere soziale Mobilität

Fehlende Chancengerechtigkeit schadet auch wirtschaftlich. Sie beeinträchtigt die Produktivitätsentwicklung, das Wirtschaftswachstum und die Innovationstätigkeit der Unternehmen. Aufgabe der Politik ist es daher, eine möglichst durchlässige und chancengerechte Gesellschaft zu ermöglichen. Dabei spielt der Faktor Bildung eine Schlüsselrolle. Leider ist Deutschland trotz jüngster Verbesserungen von einer echten Chancengerechtigkeit im Bildungssektor noch weit entfernt. Zu sehr hängen Bildungskarrieren noch immer von der (akademischen) Herkunft der Eltern ab. 

Um sozialer Selektivität entgegenzuwirken, sollte die öffentliche Finanzierung stärker in die frühen Stufen des Bildungssystems und nicht so sehr in die marktnäheren späteren Stufen gelenkt werden. Frühkindliche Bildung nützt nicht nur dem Individuum, sondern auch der Gesellschaft, indem sie die soziale Mobilität verbessert. Damit wären positive Auswirkungen auf das Berufsleben, den Arbeitsmarkt und die sozialen Sicherungssysteme verbunden. 

Unternehmens- und wachstumsfreundliches Umfeld notwendig

Chancengerechtigkeit ist eine wichtige Voraussetzung für inklusives Wachstum, aber nicht die einzige. Es bedarf darüber hinaus auch einer Wirtschaftspolitik, die für ein insgesamt unternehmensfreundliches Umfeld sorgt. Nur dann können die Unternehmen ausreichende Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen und einen hohen Beitrag zu Qualifikation, Wissenstransfer und Technologieverbreitung leisten.

Insbesondere sollten die Unternehmen in der Lage sein, mehr Investitionen zu tätigen. Bei unverändert niedriger Investitionsquote droht das Wachstumspotenzial der deutschen Wirtschaft in den kommenden Jahren international zurückzufallen. Dies umso mehr, als auch die Produktivitätsrate durch die demografische Entwicklung belastet wird. Der erwartete Rückgang der Erwerbsbevölkerung muss durch eine Arbeitsmarktpolitik abgemildert werden, die auf qualitative Zuwanderungspolitik, eine stärkere Ausnutzung des verfügbaren Arbeitskräftepotenzials und auf eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit entsprechend der höheren Lebenserwartung der Menschen in Deutschland setzt. 

Finanzsektor muss seinen Beitrag leisten (können)

Auch der Finanzsektor – bestehend aus Banken und Kapitalmarkt – muss seinen Beitrag leisten. Er stellt im Wesentlichen die finanziellen und organisatorischen Ressourcen bereit, um potenzielle Investitionschancen einzuschätzen und umzusetzen. Seine Funktionen reichen damit vom Risikomanagement über die Mobilisierung von Ersparnissen bis hin zur Gewährleistung ausreichender Liquidität.

Um zur Weiterentwicklung der Wirtschaft und dadurch mittelbar zu inklusivem Wachstum beizutragen, ist ein innovativer und profitabler Finanzsektor unabdingbar. Leider sind diese Voraussetzungen in Deutschland gegenwärtig nur eingeschränkt gegeben. Gemessen an der Profitabilität können die Banken in Deutschland seit geraumer Zeit nicht mehr mit den Banken in anderen Ländern Schritt halten. 

Dafür lassen sich drei wesentliche Ursachen ausmachen: 

  • Zum einen, die lange Phase expansiver Geldpolitik mit niedrigem Zinsniveau. Zwar hat die Geldpolitik in der akuten Phase der Finanzkrise durch die Bereitstellung fast unbegrenzter Liquidität entscheidend zur Stabilisierung der Finanzmärkte beigetragen. Die lange Fortführung des ultraexpansiven Kurses auch über die Zeit der eigentlichen Bedrohung hinaus, beeinträchtigte jedoch die Profitabilität der Banken deutlich. Im Zuge der niedrigen Zinsen sanken Zinsmargen und mit ihnen die Zinsüberschüsse, die eine wesentliche Ertragskomponente heimischer Banken sind. Banken, deren Erträge – wie in den USA, Großbritannien oder Frankreich – stärker vom Provisionsüberschuss und dem Handelsergebnis abhängen, konnten die Auswirkungen der Geldpolitik besser verkraften.
     
  • Zum anderen haben die zahlreichen Regulierungsmaßnahmen als Reaktion auf die Finanzkrise zu einer Flut an neuen Regulierungsvorschriften geführt, die das Kostenniveau der Banken erhöht haben. In vielen Fällen beeinflusste die Regulierung auch die Geschäftsmodelle der Banken durch Verbote oder höhere Kapitalanforderungen.
     
  • Schließlich spielen auch strukturelle Probleme des deutschen Bankensektors eine Rolle. Der Wettbewerb zwischen den in Deutschland tätigen Banken ist erheblich intensiver als in vielen anderen Ländern, weil zahlreiche Banken in diesen Kernmarkt der Europäischen Union drängen. Gleichzeitig tragen die in Deutschland für Europa einmaligen Eigentumsverhältnisse zur besonderen Wettbewerbssituation bei. Die mit den verschiedenen Banksektoren gegebenen Unterschiede in der Rechtsform behindern eine notwendige, auch säulenübergreifende Konsolidierung im deutschen Bankenmarkt. 

Europa braucht starke, wettbewerbsfähige Banken

Die nach der Finanzkrise konzipierten und in Europa umgesetzten Reformen, wie die erhöhten Eigenkapitalanforderungen oder die Konzepte zur Restrukturierung und Abwicklung von Banken, erfüllen ihren Zweck. Allerdings sollte die Finanzmarktregulierung der letzten Jahre nun anhand ihrer gesamtwirtschaftlichen Effekte überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Denn die Maßnahmen müssen für Finanzstabilität sorgen, dürfen dabei aber Banken und Finanzmärkte nicht über Gebühr bei der Erfüllung ihrer gesamtwirtschaftlichen Aufgaben behindern.

Europa braucht wettbewerbsfähige und profitable pan-europäische Banken, die sich für die europäische Wirtschaft einsetzen, langfristige Kundenbeziehungen aufbauen und ihre Kunden deswegen kompetent beraten können, weil sie deren Märkte kennen und gemeinsame Wertvorstellungen (z. B. in Sachen Datenschutz) teilen. Um das zu erreichen, bedarf es eines großen Heimatmarktes, den einheitlichen europäischen Finanzbinnenmarkt. Er ermöglicht den Banken Kosteneinsparungen durch die Ausnutzung von Skaleneffekten. Gleichzeitig könnte das Angebot an Finanzdienstleistungen für die Kunden ausgeweitet und verbessert werden.

Damit Banken ihre Dienstleistungen grenzüberschreitend anbieten können, muss auch das aufsichtsrechtliche Regelwerk im Rahmen einer Bankenunion vereinheitlicht werden. Hierzu sollte der europäische Gesetzgeber mehr auf Verordnungen anstatt auf Richtlinien setzen. Nationale Sonderregelungen behindern nach wie vor grenzüberschreitende Angebote von Finanzdienstleistungen. 

Europa braucht den einheitlichen Markt, der international wettbewerbsfähige Unternehmen hervorbringt, um im digitalen Standortwettbewerb von den USA und China nicht abgehängt zu werden. Der hohe Datenschutz in der EU ist ein echter Standortvorteil. Um ihn aber vollends zur Geltung zu bringen, müssen bestehende Regelungen konsequent harmonisiert und neue Regeln von Anfang an auf europäischer Ebene entwickelt werden. Auch auf diesem Feld brauchen wir nicht weniger, sondern mehr Europa.

Zur Broschüre "Starke Banken für eine starke Wirtschaft in Deutschland"

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