Senioren

Zahl der überschuldeten Bürgerinnen und Bürger sinkt erneut

Schulden

16.12.2021

Jährlich veröffentlicht die Wirtschaftsauskunftei Creditreform neue Daten zur privaten Verschuldung in der Bundesrepublik. Die Ergebnisse des diesjährigen „Schuldneratlas Deutschland 2021“ sind auf dem ersten Blick durchaus überraschend: Die Zahl der überschuldeten Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland hat sich im laufenden Jahr im Vergleich zum Vorjahr um rund 700.000 oder gut 10 Prozent auf 6,16 Millionen verringert und damit einen neuen Tiefststand erreicht. Die Überschuldungsquote, also der Anteil überschuldeter Personen im Verhältnis zu allen Erwachsenen in Deutschland, ging entsprechend um mehr als einen Prozentpunkt auf 8,86 Prozent zurück – erstmals seit Beginn der Auswertungen im Jahr 2004 wurde die Neun-Prozent-Marke unterschritten. Trotz der Coronakrise sank die Zahl überschuldeter Bürger damit das dritte Jahr in Folge. Überschuldung liegt dann vor, wenn der Verbraucher mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum seinen Verbindlichkeiten nicht nachkommen kann. 

Problem Altersarmut

Allerdings rechnet Creditreform nicht damit, dass sich die Entwicklung fortsetzt. Die wirtschaftliche Lage werde sich für viele Verbraucherinnen und Verbraucher wohl im nächsten und übernächsten Jahr verschlechtern. Das Problem der Altersarmut sei bereits deutlich zu erkennen. Die Gruppe der 60- bis 69-Jährigen verzeichne sogar einen Anstieg der Überschuldungsfälle von 6 Prozent auf 769.000. Viele Personen der älteren Altersgruppen würden einer Erwerbstätigkeit im Rentenalter nachgehen, um fehlende Mittel zur Sicherung des Lebensunterhalts zu beschaffen. Der Doppeltrend zu Altersarmut und Altersüberschuldung bleibe virulent, warnt Creditreform.

Überschuldungsparadoxon

Angesichts der langanhaltenden Corona-Lage spricht Creditreform von einem Überschuldungsparadoxon. Staatliche Hilfsmaßnahmen wie das Kurzarbeitergeld und Überbrückungshilfen für die Unternehmen hätten die Betriebe massiv gestützt und damit auch die Arbeitsplätze gesichert. Die Folgen der Corona-Pandemie seien bei der Überschuldung daher nicht akut spürbar, sondern würden zeitverzögert und mit Langzeitwirkung auftreten. Zudem haben angesichts der unklaren Lage viele Verbraucherinnen und Verbraucher mit Ausgabenvorsicht und Konsumzurückhaltung reagiert und dadurch mehr als 200 Milliarden Euro zusätzlich seit Anfang 2020 angehäuft.

Die relativ guten Zahlen bei der allgemeinen Verschuldungssituation würden aus diesem Grund keine Entspannung signalisieren. Derzeit seien immer noch 32 Prozent oder rund 13,5 Millionen Haushalte von Einbußen beim Haushaltsnettoeinkommen betroffen, so Creditreform Boniversum und Microm. Der sogenannte finanzielle Stress der Verbraucherinnen und Verbraucher habe zugenommen und sei auf dem höchsten Wert seit Mai 2020. So hatten 13 Prozent der Verbraucher in den vergangenen zwölf Monaten schon einmal das Gefühl, dass ihnen die finanziellen Verbindlichkeiten „über den Kopf wachsen könnten“. Zugleich räumte jeder achte ein, Stundungsmöglichkeiten bei Konsum-, Immobilien- oder KfW-Krediten in Anspruch genommen zu haben.

Flächendeckender Rückgang der Überschuldung

Die positive Überschuldungsentwicklung zeigt sich 2021 übrigens sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland, zuletzt war das in den Jahren 2008/09 der Fall. Dabei verzeichnen ausnahmslos alle 401 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland einen Rückgang der Überschuldungsquote. Insgesamt sind in den westlichen Bundesländern rund 5,17 Millionen, in Ostdeutschland rund 0,99 Millionen Personen überschuldet. Bei elf Bundesländern ist die Abnahme der Überschuldung überdurchschnittlich, wobei Bayern die geringste Verbesserung aufweist (6,43 Prozent; - 0,71 Punkte). Den deutlichsten Rückgang kann Hamburg verzeichnen mit - 1,43 Punkten auf 9,10 Prozent Überschuldung. Die Schlusslichter bleiben wie in den Vorjahren Bremen (12,81 Prozent; - 1,16 Punkte), Sachsen-Anhalt (11,56 Prozent; - 1,06 Punkte) und Berlin (10,81 Prozent; - 1,21 Punkte). 

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