Bargeld – in Zukunft ohne?

Der 500-Euro-Schein wird abgeschafft: Anfang Mai 2016 hat die EZB beschlossen, die Ausgabe der wertmäßig größten Banknote in der Währungsgemeinschaft um das Jahresende 2018 herum zu stoppen. Mit der Abschaffung des 500-Euro-Scheins wollen die Währungshüter dafür sorgen, dass Terrorfinanzierung und Geldwäsche künftig besser bekämpft werden können. Auf Drängen der skeptischen Bundesbank muss die 500-Euro-Note aber über 2018 hinaus als Zahlungsmittel anerkannt werden.

Auch über eine Obergrenze für Bargeldzahlungen, die es in einer Reihe von Eurostaaten bereits gibt, in Deutschland allerdings nicht, wurde in den letzten Monaten verstärkt diskutiert. Gegenwärtig ist eine europaweit einheitliche 5.000-Euro-Obergrenze im Gespräch. Dieses Vorhaben wird ebenfalls damit begründet, Geldwäsche und Terrorfinanzierung so wirkungsvoller bekämpfen zu können. Nicht wenige Experten weisen allerdings darauf hin, dass es keinen statistisch nachweisbaren Zusammenhang zwischen Kriminalität und Bargeldnutzung gebe.

Argumente gegen das Bargeld

Ist die allmähliche Abschaffung der 500-Euro-Note nur die Ouvertüre für den allmählichen Umstieg in ein bargeldloses Zahlungssystem? Kritiker des Bargeldes nennen die Verwendung von Scheinen und Münzen ineffizient, weil sie hohe Kosten verursache – der Händler muss Wechselgeld vorhalten und die Bargeldeinnahmen zur Bank transportieren. Einige Ökonomen verweisen auf Milliarden-Transaktionskosten, die bei durchgängig elektronischer Zahlung verringert werden könnten. Nicht wenige Ökonomen sprechen sich auch deswegen gegen das Bargeld aus, weil es den Notenbanken den Weg in den negativen Zinsbereich versperre. Hintergrund: Solange es Bargeld gibt, können Bankkunden bei Negativzinsen Geld von ihrem Konto abheben. In einer Welt ohne Bargeld können sie das nicht; wollen sie die Negativzinsen umgehen, müssten sie ihr Guthaben in andere Anlageformen investieren oder in den Konsum stecken – was im Sinne der Befürworter einer Negativzinspolitik wäre, mit der schließlich die allgemeine Nachfrage gesteigert werden soll.

Bargeld weiterhin gefragt

Dessen ungeachtet ist allerdings weder die Abschaffung der 500-Euro-Note noch die Diskussion über Bargeldobergrenzen ein Indiz dafür, dass die Politik das Bargeld zur Disposition stellen will. Im Gegenteil: Politik und Notenbanken haben in jüngster Zeit mehrfach unterstrichen, dass eine Abschaffung des Bargeldes außerhalb der Diskussion steht. Hierfür gibt es auch gute Argumente: Bargeld ist eine Versicherung gegen Wirtschaftskrisen, Hyperinflation (soweit Zugang zu stabilen ausländischen Währungen besteht) oder das Versagen der Computersysteme und der Stromnetze. Es ist nicht erwiesen, wie robust elektronische Zahlungssysteme in Abwesenheit von Bargeld sein würden; die Kosten für Bargeld können daher auch als Versicherungsprämie angesehen werden. Bargeld verleiht den Bürgern darüber hinaus die Freiheit, eine Zahlung zu tätigen, ohne dass staatliche Behörden oder Finanzinstitute diese zurückverfolgen können.

Gerade in Deutschland würde eine Abschaffung des Bargeldes zudem auf wenig Gegenliebe stoßen, ist Bargeld hierzulande doch immer noch sehr beliebt. 78 Prozent aller Transaktionen an Kassen oder Automaten werden bar bezahlt, vom Umsatz sind es noch etwas mehr als 50 Prozent. Dieses Ausgabeverhalten spiegelt sich in den Präferenzen der Bürger wider: Nach einer repräsentativen Umfrage der GfK im Auftrag des Bankenverbandes zahlt rund die Hälfte der Deutschen (47 Prozent) beim alltäglichen Einkauf in einem Geschäft am liebsten bar.