Volkswirtschaftliche Folgen

Nach der großen Weltwirtschaftskrise 2008/09 haben die großen Zentralbanken weltweit die Leitzinsen gesenkt. Das Ziel: mit niedrigen Zinsen die Weltwirtschaft wieder anzukurbeln. Die Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank ist also kein europäischer Sonderweg. Im Gegenteil: Die Leitzinssätze der amerikanischen Notenbank FED und der Zentralbanken von Japan und Großbritannien waren viel früher Richtung Null-Prozent-Marke gesenkt worden als die der EZB.

Während sich inzwischen mancherorts die Zeichen Richtung Zinswende mehren (die Fed hat ihren Leitzins inzwischen wieder angehoben und dürfte im Jahr 2018 weitere Zinserhöhungen folgen lassen), bleibt die EZB derzeit noch klar auf Niedrigzins-Kurs. Sie begründet ihre geldpolitischen Maßnahmen vor allem mit der anhaltenden wirtschaftlichen Instabilität in der Eurozone: Die europäische Wirtschaft leide in Summe immer noch an den Auswirkungen der Staatsschuldenkrise. Höhere Zinsen würden vor allem die südeuropäischen Länder treffen, wo die Stagnation noch nicht überwunden sei.

Die „Medizin Niedrigzins“ verursacht allerdings Nebenwirkungen, die genau zu beobachten sind. Eine Niedrigzinsphase birgt – je länger sie andauert – Gefahren für das Entstehen neuer spekulativer Blasen.

Nur nationale Wirtschaftsreformen können helfen

Eine geldpolitische Kurswende zum jetzigen Zeitpunkt käme allerdings zu früh. Entscheidend ist nun, dass die Euro-Staaten die Zeit, die ihnen die EZB durch die Nullzins-Politik eingeräumt hat, nutzen, um die notwendigen Reformen umzusetzen und ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu verbessern.  

Konjunkturprognose 2017 des BdB