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Female Finance: Das muss sich ändern!

07.03.2023Artikel
Christian Jung
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Ernüchternde Nachrichten zum Frauentag: In Deutschland sind Frauen noch immer finanziell deutlich schlechter gestellt als Männer. Und das hat konkrete Auswirkungen aufs Sparen, Investieren und die Altersvorsorge, wie die aktuelle Frauenstudie „Female Finance“ des Bankenverbands zeigt. 

Die Befunde der Studie werden eindrücklich durch die aktuell vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten zum "Gender Pension Gap" unterstrichen. Weil Frauen eine höhere Teilzeitquote, durchschnittlich geringer bezahlte Jobs und häufigere Auszeiten etwa zur Kinderbetreuung aufweisen, haben sie im Alter deutlich geringere Einkünfte als Männer. 

Frauen stehen finanziell schlechter da als Männer

Doch das Thema betrifft nicht nur ältere Frauen. Denn die Grundlagen für die Alterseinkommen der künftigen Rentnerinnen werden im Hier und Jetzt gelegt. Und da zeigt sich anhand der von InfasQuo im Auftrag des Bankenverbands erhobenen Studie, dass Frauen ihre wirtschaftliche Situation nicht nur weniger gut beurteilen, sondern mit durchschnittlich 1.000 Euro monatlich tatsächlich auch rund 400 Euro weniger zur freien Verfügung haben als Männer mit 1.400 Euro. 

Finanzielle Absicherung im Alter unzureichend

Vor dem Hintergrund der geringeren finanziellen Mittel ist es verständlich und leider wohl auch realistisch, dass der Blick der befragten Frauen aufs Alterseinkommen pessimistischer ausfällt: Jede zweite Frau sieht sich im Alter nicht gut aufgestellt, und mit Blick auf ihren Lebensstandard befürchten sogar 71 Prozent der Frauen (55 % der Männer), dass sie sich im Rentenalter deutlich einschränken müssen. 

Die Struktur der Vorsorgeinstrumente, aus denen die Befragten später Altersbezüge erhalten, zeigt zudem, dass Frauen im Rentenalter über ein weniger diversifiziertes Alterseinkommen verfügen. So haben Frauen, die über 50 Jahre alt, aber noch nicht in Rente sind, seltener eine private (40 vs. 42 %) oder betriebliche (39 vs. 49 %) Altersvorsorge oder sonstige Einkünfte (17 vs. 29 %) und Vermögen (36 vs. 47 %) als Männer in der gleichen Lebenslage.

Frauen können weniger zurücklegen – und weniger investieren

Infolge des geringeren Einkommens können Frauen auch weniger Geld auf die hohe Kante legen. Etwas mehr als ein Viertel der Frauen spart bis zu 100 Euro monatlich, bei den Männern ist es ein Fünftel. Aber Beträge über 200 Euro können nur 28 Prozent der Frauen zurücklegen, bei den Männern sind es 38 Prozent. Damit haben Frauen aber auch weniger Kapital für die Geldanlage zur Verfügung. Trotzdem – und das ist eine gute Nachricht – investieren Frauen inzwischen deutlich häufiger in Aktien und andere Wertpapiere.

Investment in Aktien, Fonds und andere Wertpapiere gestiegen

Trotz der für sie schlechteren Voraussetzungen haben Frauen beim Investieren in Wertpapiere deutlich zugelegt: Nach 18 Prozent 2019 besitzen mittlerweile 30 Prozent der Frauen Aktien, Fonds oder andere Wertpapiere. Damit liegen sie zwar weiter hinter den Männern (47 %) zurück; dennoch ist der starke Zuwachs beachtlich. Vor allem jüngere Anlegerinnen (63 %) investieren dabei häufig in ETFs. Es könnten noch viel mehr sein, wenn fehlende Finanzkenntnisse viele Frauen nicht noch immer vom Wertpapierkauf abhalten würden. Über die Hälfte der Frauen, die keine Wertpapiere besitzen, geben Unsicherheit und mangelndes Wissen als Grund dafür an. 

Beim Finanzwissen viel Luft nach oben

Tatsächlich steht es mit dem Finanzwissen gerade bei Frauen nicht zum Besten: Ein starkes Interesse an Wirtschafts- und Finanzthemen äußert lediglich ein Viertel der Frauen (Männer: 49 %), weitere 41 Prozent der Frauen immerhin noch „etwas“ Interesse. Dass sie sich in Finanzfragen „gut“ oder „eher gut“ auskennen, meinen 43 Prozent der Frauen, damit allerdings deutlich weniger als Männer, von denen das sehr selbstbewusst fast zwei Drittel behaupten (65 %). 

Nur ein Drittel der Frauen widmet sich tatsächlich auch regelmäßig den eigenen Finanzen (Männer: 46 %), wobei sich die geringere Auseinandersetzung mit Finanzthemen dann auch beim konkreten Wissen bemerkbar macht. So geben Frauen deutlich häufiger als Männer an, dass sie keine Ahnung davon haben, was an der Börse geschieht (41 % vs. 23 %). Sie wissen auch seltener als Männer, was beispielsweise ein Investmentfonds ist (45 % vs. 65 %). Frauen, die den Begriff Investmentfonds kennen, können ihn sehr wohl aber genauso gut erklären.

Kontaktperson

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Christian Jung

Director

Bundesverband deutscher Banken

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