Jugendstudie 2018

25. Juli 2018

Der Bankenverband fühlt der Jugend alle drei Jahre den Puls - wie tickt sie bei den Themen Wirtschaft, Finanzen und Geld. Die Ergebnisse der Jugendstudie 2018 finden Sie hier.

Der Anteil der jungen Leute, die mit ihrem Leben zufrieden sind, ist gegenüber der letzten Jugendstudie (2015) von 93 auf 85 Prozent gesunken. Zugleich hat sich der Anteil der eher Unzufriedenen von 6 auf 15 Prozent mehr als verdoppelt. Ein ähnlicher Trend ist beim Zukunftsoptimismus festzustellen: Optimistisch in die Zukunft blicken noch 85 Prozent der jungen Leute, vor drei Jahren waren es noch 90 Prozent. Der Anteil der pessimistisch Gestimmten hat von 9 auf 15 Prozent zugenommen.
Die Rückgänge sind nicht dramatisch, aber der Trend überrascht zunächst. Warum nehmen Zufriedenheit und Zukunftsoptimismus ab in einem Land, das sich wirtschaftlich in den letzten Jahren so positiv entwickelt hat? Zumal sich auch die beruflichen Perspektiven der jungen Generation mit der positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt noch weiter verbessert haben.
Auch ihre persönliche ökonomische Situation beurteilt die junge Generation pessimistischer: Die eigene wirtschaftliche Lage bezeichnen aktuell 47 Prozent als „gut“, vor drei Jahren waren es noch 60 Prozent gewesen. Paradox: Das steht klar im Gegensatz zur positiven Entwicklung ihrer finanziellen Möglichkeiten in den letzten drei Jahren. Denn die Befragten verfügen heute nach eigenen Angaben mit monatlich durchschnittlich 731 Euro über rund 20 Prozent mehr Geld als 2015 (607 Euro).
Tatsächliche materielle Gründe sind als Ursache für die pessimistischere Wahrnehmung daher wohl auszuschließen. Vielmehr dürfte sich hier eine gewachsene Unsicherheit widerspiegeln, angesichts einer zunehmend unüberschaubar gewordenen Welt und einer Zeit, die von zahlreichen politischen Umbrüchen geprägt ist.
Ein erschreckendes Ergebnis für eines der wirtschaftlich am weitesten entwickelten Länder der Welt: 71 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sagen, dass sie an ihrer Schule „nicht so viel“ (45 Prozent), „so gut wie nichts“ (18 Prozent) oder „gar nichts“ (8 Prozent) über Wirtschaft lernen bzw. gelernt haben.
Dabei wollen sie genau das! 84 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Informationen über wirtschaftliche Zusammenhänge in der Seite 4 / 6 Schule, und zwei Drittel (65 Prozent) sprechen sich explizit für ein eigenes Schulfach ‚Wirtschaft‘ aus.
Das ist ein eindrucksvolles Votum, fast schon ein Hilferuf, über den die Politik nicht einfach hinweggehen darf. Das Thema „Wirtschaft in der Schule“ ist in den vergangenen Jahren zwar auf der Agenda der Bildungspolitiker weiter nach oben gerückt und es hat auch Fortschritte gegeben, siehe die Einführung wirtschaftsbezogener Fächer in Baden-Württemberg und demnächst Nordrhein-Westfalen. Trotzdem: Ein flächendeckendes eigenständiges Schulfach Wirtschaft gibt es bislang immer noch nicht.
Wirtschaft muss aber genauso wie Mathematik oder Englisch systematisch gelehrt und gelernt werden. An einem eigenen Schulfach, das von speziell dafür ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet wird, geht daher kein Weg vorbei. Und die Lerninhalte dürfen sich auch nicht auf Verbraucherthemen beschränken, sondern müssen ein breites ökonomisches Grundverständnis vermitteln.
Das Wirtschafts- und Finanzwissen der Befragten hat sich gegenüber 2015 zwar leicht verbessert; der Anteil jener mit (sehr) schlechten Kenntnissen ist von 39 auf 34 Prozent gesunken. Dennoch weist das Wirtschafts- und Finanzwissen der jungen Leute immer noch bedenkliche Lücken auf: - 82 Prozent können nicht sagen, wie hoch zurzeit die Inflationsrate ist. - Vier von zehn wissen nicht, dass die EZB für die Preisstabilität in der Euro-Zone zuständig ist. - Jeder Zweite weiß nicht, was „Rendite‘ bedeutet. - Jeder Fünfte (21 Prozent) weiß nicht, was eine Aktie ist, und jeder Zweite (53 Prozent) nicht, was Rendite bedeutet. - Zwei Drittel (67 Prozent) räumen ein, dass sie keine Ahnung davon haben, was an der Börse geschieht.
Die Sicherheit ihrer persönlichen Daten im Netz ist jungen Menschen zwar wichtig (47 Prozent) oder sehr wichtig (43 Prozent), die Sorglosigkeit im Umgang mit den Daten hat aber deutlich zugenommen. So haben inzwischen weniger Jugendliche ein „ungutes Gefühl“, wenn sie persönliche Daten im Internet angeben müssen. Der entsprechende Anteil ist von 63 Prozent 2015 auf heute 45 Prozent gesunken. Umgekehrt ist der Seite 5 / 6 Anteil, derjenigen, die „kein Problem“ bei der Angabe dieser Daten sieht, von 37 auf 54 Prozent gestiegen!
Sicherlich spielt hier ein gewisser Gewöhnungseffekt im digitalen Alltag der Jugendlichen eine Rolle. Wir wissen, dass den Banken beim Thema Datenschutz besonders vertraut wird, dies zeigen andere Umfragen. Die Banken nehmen dieses Vertrauen auch als große Verantwortung an, sorgfältig mit den Daten der Kunden umzugehen.
Die Zahl der jungen ‚Online-Banker‘ hat in den letzten drei Jahren stark zugenommen: Haben 2015 noch 35 Prozent der jungen Leute Online-Banking betrieben, hat sich der Anteil inzwischen auf 70 Prozent verdoppelt.

Mit dem Geld, das die Jugendlichen und jungen Erwachsenen für sich zur Verfügung haben, kommen die meisten aus. Bei 42 Prozent bleibt nach eigenen Angaben regelmäßig etwas übrig, 43 Prozent kommen gerade so über die Runden, bei 15 Prozent reicht das Geld aber oft nicht aus.

Fast die Hälfte (48 Prozent) der jungen Leute spart regelmäßig, weitere 40 Prozent immerhin ab und zu: Der durchschnittliche monatliche Sparbetrag liegt bei den 14- bis 17-Jährigen bei 83 Euro, bei den 18- bis 24-Jährigen über 200 Euro. Dabei haben die Sparbeträge in den jüngeren Altersgruppen gegenüber 2015 deutlich zugelegt, über alle Altersgruppen hinweg stieg der durchschnittliche monatliche Sparbetrag von 132 auf 179 Euro.

Überschuldung ist bei den Befragten im Alter von 14- bis 24-Jahren zum Glück kein Problem. Lediglich 8 Prozent der Befragten sagen, dass sie überhaupt Schulden haben. Dabei haben sich die meisten bei ihren Eltern, Verwandten oder bei Freunden geringere Geldbeträge geliehen.

Erfreulich: Zwei Drittel (69 Prozent) der jungen Generation haben eine positive Meinung von den Banken, und erstmals seit der Finanzkrise ist auch wieder ein leicht positiver Trend zu beobachten.
Auch die Zufriedenheit mit den Leistungen der eigenen Bank ist mit 84 Prozent sehr hoch, im Vergleich zu 2015 ist sie aber etwas zurückgegangen („sehr zufrieden“ von 36 auf 26 Prozent, „zufrieden“ von Seite 6 / 6 50 auf 58 Prozent gestiegen). Das muss für die Banken Ansporn sein, den hohen Erwartungen ihrer jungen Kunden künftig noch besser gerecht zu werden. Dabei geht es nicht nur darum, dass Bankdienstleistungen heute einfach, schnell und convenient sein müssen. Die jungen Menschen legen auch großen Wert auf eine sichere Geld- und Sparanlage, ein günstiges Girokonto und – inzwischen für zwei Drittel sogar „sehr wichtig“ – sicheres Online-Banking.
Junge Leute interessieren sich sehr für Infos zu Geld und Finanzen – und sie erwarten diese in erster Linie von den Banken.

 

Diese Webseite nutzt Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und das Angebot zu verbessern. Indem Sie hier fortfahren, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.