6. Juli 2015

Auch nach Referendum: Keine einfachen Lösungen für Griechenland – Ansteckungsgefahr gering

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, zum Ausgang des Referendums in Griechenland: „Mit dem Referendum hat sich die griechische Bevölkerung leider für die vermeintlich einfachen Lösungen entschieden. Die griechische Regierung sieht sich nun in ihrem kompromisslosen Weg bestätigt. Doch für das Land führt kein Weg daran vorbei, die wirtschaftlichen Realitäten endlich anzuerkennen: Gesunden kann die griechische Wirtschaft nur mit tiefgreifenden Strukturreformen.

Griechenland braucht mehr denn je international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für Unternehmen und private Investitionen, eine funktionsfähigere Finanzverwaltung und einen effizienteren Staatsapparat. Das liegt ebenso im ureigenen Interesse des Landes wie eine Regierung, auf die sich die Partner verlassen können. Weitere Verhandlungen zwischen dem Euro-Mitglied Griechenland und den übrigen Euro-Staaten sind daher dringend nötig. Ob es sie geben wird und ob sie zu einem Ergebnis führen, ist leider höchst ungewiss.

Ungeachtet des Ausgangs des Referendums rechnen wir nicht mit einer erhöhten Ansteckungsgefahr für andere Euro-Länder. Als Brandmauern wirken zahlreiche institutionelle Verbesserungen wie etwa der Europäische Stabilitätsmechanismus als finanzieller Risikopuffer. Aber auch die Europäische Zentralbank kann handeln, sollte sie die Währungsunion systemisch gefährdet sehen. Außerdem haben die übrigen Euro-Staaten, die finanzielle Hilfen erhalten haben, überzeugende Wirtschaftsreformen umgesetzt und stehen weit stabiler da als noch vor drei oder vier Jahren.

Auch dürften die unmittelbaren Folgen eines griechischen Zahlungsausfalls für den Bankensektor in den übrigen Euro-Staaten überschaubar sein. So sind die deutschen Banken in Griechenland nur noch sehr gering engagiert. Ein Großteil ihrer Forderungen haben sie in den letzten Jahren abgeschrieben und sich frühzeitig auf einen möglichen Zahlungsausfall Griechenlands vorbereitet.“

Pressekontakt:
Dr. Kerstin Altendorf
Pressesprecherin
Telefon: +49 30 1663-1250
kerstin.altendorf@bdb.de

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