1. April 2014

Deflationsgefahr: Sparer auf der sicheren Seite?

Die Verbraucherpreise im Euro-Raum lagen im März 2014 nur noch 0,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Das ist die geringste Teuerungsrate seit der tiefen Rezession im Sommer 2009. Manche Ökonomen befürchten inzwischen sogar eine Deflation, also einen anhaltenden Rückgang des Preisniveaus. Doch während viele Deutsche Angst vor Inflation haben, scheint das Stichwort Deflation die Bundesbürger kaum zu erschrecken. Zu recht? Was würde eine Deflation für Sparer und Kreditnehmer bedeuten?

Deflation

Auf den ersten Blick bräuchten Sparer vor Deflation kaum Sorge zu haben: Wegen des Preisrückgangs könnte man für eine gesparte Geldsumme im nächsten Jahr mehr Waren kaufen als heute, der Wert des Geldes und damit auch den Wert von Sparkonten und Co. würde sich allmählich erhöhen. Bei Inflation ist es übrigens genau umgekehrt: Mit beispielsweise 1.000 Euro gibt es aktuell mehr zu kaufen als im nächsten Jahr. Doch dies ist nur ein Teil der Geschichte: Die eigentliche Gefahr eines anhaltenden Preisrückgangs liegt darin, dass Verbraucher und Unternehmen ihre Ausgaben in Erwartung weiter sinkender Preise zurückhalten und die Wirtschaft so in eine tiefe Rezession rutschen kann. Das Ergebnis einer Deflation wäre also steigende Arbeitslosigkeit und hohe Defizite in den öffentlichen Haushalten. Dies würde über indirekte Effekte auch die Sparer treffen.

Noch schwieriger wird es für Kreditnehmer bei einer Deflation. Denn während ein Kredit in seiner Höhe unverändert bleibt, sinken die Preise der dafür erworbenen Sachwerte wie zum Beispiel Immobilien. Während Inflation den Schuldner grundsätzlich entlastet, weil der Wert der Schulden durch die allgemeine Geldentwertung sinkt, drückt bei Deflation die Schuldenlast umso stärker.

Doch wie groß ist die Gefahr von Deflation in Deutschland? Aktuell sind keine Anzeichen für einen anhaltenden allgemeinen Preisrückgang zu beobachten. Mancher Bürger stellt eher das Gegenteil fest: Für Immobilien beispielsweise ziehen in vielen Regionen Deutschlands die Preise merklich an. Auch die Mieten steigen. Die jüngste Verlangsamung der Inflationsrate ist zum überwiegenden Teil auf sinkende Preise für Energie und Nahrungsmittel zurückzuführen. Auch der milde Winter macht sich preisdämpfend bemerkbar (z. B. starke Preissenkungen bei saisonalen Waren).

Von einer Situation, in der Verbraucher und Unternehmen mit längerfristig sinkenden Preisen rechnen – und erst dies ist eine gefährliche Deflation – sind wir nicht nur in Deutschland weit entfernt. Eine niedrige Inflationsrate ist noch lange keine Deflation.

Pressekontakt:
Julia Topar
Pressesprecherin
Bundesverband deutscher Banken
Telefon: +49 30 1663-1240

bankenverband.de/presse

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