7. September 2017

EZB tritt auf der Stelle

„Die Euro-Wächter haben vor der notwendigen Entscheidung, das Aufkaufprogramm im kommenden Jahr schrittweise zu beenden, heute einen weiteren Seitwärtsschritt eingelegt“, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes. Hintergrund sei offenbar die starke Aufwertung des Euro, die den Preisauftrieb im gemeinsamen Währungsraum vorübergehend etwas dämpft. „Die EZB sollte die jüngste Wechselkursentwicklung nicht überbewerten“, so Kemmer. „Der Euro war zuvor deutlich unterbewertet. So gesehen passt die Euro-Entwicklung zu einem allmählichen Normalisierungsprozess, dem sich auch die europäische Notenbank mit ihrer Geldpolitik in den kommenden Monaten anschließen sollte.“

Kemmer weist darauf hin, dass in diesem Normalisierungsprozess auch ein rasches Ende der Negativzinsen wünschenswert wäre. Die EZB habe jedoch mehrfach betont, dass sie die Leitzinsen erst ändern werde, wenn das Aufkaufprogramm beendet sei. Diese würde bedeuten, dass trotz anhaltend guter Konjunktur und einer Inflations­rate, die nicht mehr weit vom mittelfristigen Ziel der EZB entfernt ist, die Geschäfts­banken im Euro-Raum wohl bis ins Jahr 2019 hinein mit einer „Strafsteuer“ für die Über­schussliquidität belastet werden. Geld, das die Banken dringlicher für die Stärkung ihrer Bilanzen oder die Herausforderungen der Digitalisierung benötigen. „Als kurzfristigen Entlastungsschritt sollte die EZB daher einen Freibetrag für die Überschussliquidität einführen – eine Maßnahme, die die Notenbanken in der Schweiz und in Japan schon seit längerem nutzen“, fordert Kemmer.

Pressekontakt:

Thomas Schlüter
Pressesprecher
Leiter der Abteilung Presse
Telefon: +49 30 1663-1230
thomas.schlueter@bdb.de

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