7. März 2018

Frühjahrsprognose: Deutsche Wirtschaft bleibt in der Komfortzone

  • Globaler Aufschwung bleibt in der Spur, Inflationssorgen überzogen
  • Geldpolitische Sondermaßnahmen der EZB nicht mehr erforderlich

Der Bankenverband hat seine neue Konjunkturprognose vorgestellt. „Die Weltwirtschaft hält Kurs, der Aufschwung in den Industrie- und den Schwellenländern setzt sich fort. Daran ändert auch die Sorge um steigende Kapitalmarktzinsen nichts“, sagte Hauptgeschäftsführer Christian Ossig. Trotz der anhaltend guten wirtschaftlichen Lage erwarten die privaten Banken keine übermäßig anziehenden Preise.

Ossig weiter: „Digitalisierung, erhöhte Preistransparenz und der scharfe internationale Wettbewerb sorgen auch weiterhin dafür, dass die Inflation moderat bleibt.“ Für die Notenbanken bedeute dies weltweit, dass sie „lediglich“ den geldpolitischen Normalisierungsprozess schrittweise fortsetzen müssten, ein geldpolitisches Bremsmanöver sei nicht zu befürchten. „Mit dem Ausstieg aus den geldpolitischen Sondermaßnahmen hinkt die Europäische Zentralbank (EZB) allerdings ein wenig hinterher. Sie sollte die Nettokäufe im Rahmen ihres Aufkaufprogramms im September beenden. Für eine wachsende Zahl an Eurostaaten ist ihre Geldpolitik viel zu expansiv.“

Für Deutschland prognostizieren die privaten Banken in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent. 2019 wird das Niveau wohl etwas geringer ausfallen, aber immer noch bei 1,9 Prozent liegen. Ossig: „Damit würde die deutsche Wirtschaft auch im nächsten Jahr in der konjunkturellen Komfortzone bleiben.“

Wirtschaftspolitisch sei es nun umso wichtiger, es sich dort nicht bequem zu machen, sondern zum Beispiel in Zeiten von Brexit und wachsenden protektionistischen Tendenzen entschieden eine Lanze für den internationalen Handel und die wirtschaftliche Kooperation zu brechen. „Sonst muss auch die – aus unserer Sicht überfällige –  Zinswende der EZB, die wir für das Frühjahr beziehungsweise den Frühsommer 2019 prognostizieren, weiter verschoben werden. Denn: Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass die Folgen des Brexits für den europäischen Kontinent überschaubar bleiben.“

Die Konjunkturprognose des Bankenverbandes wird halbjährlich erstellt und beruht auf einer Umfrage unter den 14 Chefvolkswirten von privaten Banken, die Mitglied im Ausschuss für Wirtschafts- und Währungspolitik sind.

Dr. Elga Bartsch, Chefvolkswirtin Europa, Morgan Stanley UK Group, Ausschussvorsitzende.
Burkhard Allgeier, Chefvolkswirt & Leiter Anlagestrategie, Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG.
Dr. Marco Bargel, Chefvolkswirt, Deutsche Postbank AG.
Dr. Klaus Bauknecht, Chefvolkswirt, IKB Deutsche Industriebank AG.
Dr. Jan Bottermann, Chefvolkswirt, NATIONAL-BANK AG.
Carsten Brzeski, Chefvolkswirt, ING-DiBa AG.
Dr. Felix Hüfner, Chefvolkswirt Deutschland, UBS Europe SE.
Carsten Klude, Chefvolkswirt, M.M. Warburg & CO KGaA.
Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt, Commerzbank AG.
Dr. Martin Moryson, Chefvolkwirt, Sal. Oppenheim jr. & Cie, AG & Co., KGaA.
Dr. Andreas Rees, Chefvolkswirt Deutschland, UniCredit Bank AG.
Stefan Schilbe, Chefvolkswirt, HSBC Trinkaus & Burkhardt AG.
Dr. Holger Schmieding, Chefvolkswirt, Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG.
Stefan Schneider, Chief German Economist, Head of Strategic Research, Deutsche Bank AG.

Geschäftsführung:
Dr. Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer, Bankenverband.
Markus Becker-Melching, Mitglied der Geschäftsführung, Stab der Hauptgeschäftsführung, Politik, Internationale Beziehungen, Wirtschaft, Bankenverband.

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