21. März 2019

Frühjahrsprognose: Deutsche Wirtschaft ausgebremst

  • Internationale Handelskonflikte haben deutliche Spuren hinterlassen
  • Hausgemachte Probleme in Europa und Deutschland dämpfen zusätzlich
  • Antizyklischer Kapitalpuffer mit Risiken für weiteren Konjunkturabschwung

Der Bankenverband hat heute seine Frühjahrsprognose 2019 vorgestellt. „Leider hat die Weltwirtschaft weiter an Schwung verloren“, sagte Hauptgeschäftsführer Christian Ossig. Ein Ende der Talfahrt sei derzeit noch nicht absehbar. Da die Wirtschaft in Europa nach wie vor stark von Exporten abhängig sei, würden auch die hausgemachte Probleme tief ins Kontor schlagen. „Diese reichen von den chaotischen Brexit-Verhandlungen, über die Haushaltspolitik in Italien bis zu den massiven Schwierigkeiten im deutschen Automobilsektor. Kein Wunder, dass alles zusammen deutlich auf die Konjunktur durchschlägt, und die international stark vernetzte Wirtschaft in Deutschland besonders trifft.“

So haben die privaten Banken ihre Prognose auch für 2019 mehr als halbiert: „Deutschlands Wirtschaft bleibt leider ohne Rückenwind. Seit Sommer 2018 beobachten wir eine Stagnation, auch wenn es im Jahresdurchschnitt 2018 noch für ein Wachstum von 1,4 Prozent gereicht hat. In diesem Jahr rechnen wir hierzulande jedoch nur noch mit einer Steigerung von 0,7 Prozent“, sagte Ossig. Im Oktober 2018 prognostizierten die Chefvolkswirte der privaten Banken in ihrer Gemeinschaftsprognose noch für 2019 ein Wachstum von 1,8 Prozent. Für 2020 sind sie wieder etwas zuversichtlicher und gehen von einer Steigerung um 1,6 Prozent aus – allerdings überzeichnet durch Sondereffekte.

„Wer in dieser wirtschaftlich fragilen Lage darüber nachdenkt, einen antizyklischen Kapitalpuffer zu aktivieren, sollte die möglichen Nebenwirkungen für die Konjunktur im Auge behalten“, richtete sich Christian Ossig unter anderem an die Deutsche Bundesbank. Für die Aktivierung des antizyklischen Kapitalpuffers, mit dem Banken zusätzliche Kapitalanforderungen auferlegt werden, sollten in erster Linie Risiken für die Finanzstabilität ausschlaggebend sein. Eine Gefährdung der Finanzstabilität sei derzeit jedoch nur schwer erkennbar. „Eine Aktivierung würde aktuell zum falschen Zeitpunkt kommen. Es besteht ein erhebliches Risiko, dass sich hierdurch der Konjunkturabschwung verstärkt“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes. In der aktuellen Situation müsste damit gerechnet werden, dass alle noch zurückhaltender würden. Auf die wirtschaftliche Lage könnte der antizyklische Kapitalpuffer dann sogar prozyklisch wirken und die Schwächephase vertiefen.

Die Konjunkturprognose des Bankenverbands wird halbjährlich durchgeführt und beruht auf einer Umfrage unter den 13 Chefvolkswirten von privaten Banken, die Mitglieder des Ausschusses für Wirtschafts- und Währungspolitik sind. Mitglieder sind:

Stefan Schneider, Chief German Economist, Head of Strategic Research, Deutsche Bank Aktiengesellschaft, Ausschussvorsitzender.

Burkhard Allgeier, Chief Investment Officer, H&A Global Investment Management GmbH.

Dr. Marco Bargel, Chiefinvestmentstratege Postbank, DB Privat- und Firmenkundenbank AG.

Dr. Klaus Bauknecht, Chefvolkswirt, IKB Deutsche Industriebank AG.

Dr. Jan Bottermann, Chefvolkswirt, NATIONAL-BANK AG.

Carsten Brzeski, Chefvolkswirt, ING-DiBa AG.

Dr. Felix Hüfner, Chefvolkswirt Deutschland, UBS Europe SE.

Carsten Klude, Chefvolkswirt, M.M. Warburg & CO (AG & Co.) KGaA.

Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt, Commerzbank Aktiengesellschaft.

Dr. Andreas Rees, Chefvolkswirt Deutschland, UniCredit Bank AG.

Stefan Schilbe, Chefvolkswirt, HSBC Trinkaus & Burkhardt AG.

Dr. Holger Schmieding, Chefvolkswirt, Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG.

Dr. Dirk Schumacher, Senior European Economist and Managing Director, Natixis Zweigniederlassung Deutschland.

Geschäftsführung:

Dr. Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer, Bankenverband.

Markus Becker-Melching, Mitglied der Geschäftsführung, Stab der Hauptgeschäftsführung, Politik, Internationale Beziehungen, Wirtschaft, Bankenverband.

Prognoseübersicht

Deutschland

    Prognose
  2018 2019 2020
 Bruttoinlandsprodukt 1) 1,4 0,7 1,6
kalenderbereinigt 1,5 0,7 1,2
 Konsumausgaben priv. Haushalte 1) 1,0 1,1 1,3
 Konsumausgaben des Staates 1) 1,0 1,9 1,7
 Ausrüstungsinvestitionen 1) 4,2 2,2 2,9
 Bauinvestitionen 1) 2,4 3,0 2,8
 Exporte 1) 2,0 1,8 2,6
 Importe 1) 3,3 3,4 3,5
 Entwicklung der Verbraucherpreise 2) 1,7 1,4 1,7
 Zahl der Arbeitslosen (Millionen) 2,340 2,200 2,110

Euro-Raum

    Prognose
  2018 2019 2020
Bruttoinlandsprodukt 1) 1,8 1,1 1,4
Entwicklung der Verbraucherpreise (HVPI) 2) 1,7 1,4 1,7
Kernrate 1,7 1,2 1,5

Finanzmärkte und Rohstoffe

    Prognose
  20. März 2019 2019 2020
USD/EUR 1,13 1,16 1,25
Rendeite Staatsanleihen Deutschl. (10 J.) 0,08 0,40 0,68
Ölpreis (USD/Barrel) 67,90 65,00 67,00

1) Reale Veränderung in % gegenüber dem Vorjahr.
2) Veränderung in % gegenüber dem Vorjahr im Jahresdurchschnitt

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