25. Juli 2018

Jugendstudie 2018: Große Mehrheit der jungen Leute will mehr über Wirtschaft in der Schule lernen

  • 71 Prozent der jungen Leute in Deutschland haben nach eigener Einschätzung „nicht viel“ bis „so gut wie gar nichts“ über Wirtschaft in der Schule gelernt
  • Wirtschafts- und Finanzwissen der Jugend hat große Lücken
  • Junge Leute gehen sorgloser mit persönlichen Daten im Netz um
  • 85 Prozent kommen mit ihrem Geld aus, jeder Zweite spart regelmäßig
  • Jugend 2018 etwas weniger zufrieden und zuversichtlich als vor drei Jahren

Eine deutliche Mehrheit der Jugendlichen in Deutschland ist unzufrieden mit der schulischen Bildung zu wirtschaftlichen Themen. Das geht aus der heute vorgestellten Jugendstudie 2018 des Bankenverbands hervor. Demnach sagen 71 Prozent der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland, dass sie in der Schule „nicht viel“ bis „so gut wie gar nichts“ über Wirtschaft lernen bzw. gelernt haben. „Die Jugendlichen stellen der Wirtschaftsbildung an deutschen Schulen ein schlechtes Zeugnis aus. Sie wünschen sich eindeutig mehr Informationen über Wirtschaft. Das ist ein klarer Appell an die Politik“, sagte Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes.

Laut Jugendstudie wünschen sich 84 Prozent der jungen Leute mehr Informationen über wirtschaftliche Zusammenhänge in der Schule. Zwei Drittel fordern sogar die Einführung eines eigenen Unterrichtsfachs. „Beim Schulfach Wirtschaft gibt es zwar Fortschritte in einzelnen Bundesländern, ein flächendeckendes, eigenständiges Schulfach gibt es bisher aber noch nicht. Die Politik muss hier ihre Anstrengungen deutlich erhöhen“, so Krautscheid.

Obwohl sich das Wirtschafts- und Finanzwissen der Jugend seit 2015 leicht verbessert hat, zeigt die repräsentative Umfrage noch weiterhin große Lücken auf: 82 Prozent der Befragten wissen nicht, wie hoch zurzeit ungefähr die Inflationsrate in Deutschland ist. 53 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen können nicht erklären, was „Rendite“ bedeutet. 67 Prozent geben an, keine Ahnung davon zu haben, was an der Börse passiert. Krautscheid: „Dies zeigt, dass Wirtschafts- und auch Finanzthemen kein Anhängsel in einem anderen Schulfach sein dürfen. Wirtschaft muss genau wie Mathematik oder Englisch systematisch gelehrt und gelernt werden. Und die Lerninhalte dürfen sich auch nicht auf Verbraucherthemen beschränken, sondern müssen ein breites ökonomisches Grundverständnis vermitteln.“

Größere Sorglosigkeit mit persönlichen Daten im Netz

Die allermeisten jungen Leute (90 Prozent) sehen Datenschutz als wichtig oder sehr wichtig an. In ihrem digitalen Alltag handeln sie aber nicht unbedingt danach: „Die Umfrage zeigt, immer weniger Jugendliche und junge Erwachsene haben Bedenken, persönliche Daten im Netz preiszugeben“, stellte Krautscheid fest. Sicherlich spiele hier ein gewisser Gewöhnungseffekt eine Rolle. „Wir wissen auch aus anderen Umfragen, dass Banken in Bezug auf Datenschutz ein besonderes Vertrauen zukommt. Dieses Vertrauen ist für uns auch eine große Verantwortung, mit den Daten der jungen Kunden sorgsam umzugehen.“

Junge Leute kommen mit ihrem Geld aus und fast die Hälfte spart regelmäßig

Jugendliche und junge Erwachsene kommen nach der Studie mit ihrem Geld aus. Bei 42 Prozent bleibt nach eigenen Angaben regelmäßig etwas übrig. Fast die Hälfte (48 Prozent) der jungen Leute spart regelmäßig. Der durchschnittliche monatliche Sparbetrag liegt bei den 14- bis 17-Jährigen bei 83 Euro, bei den 18- bis 24-Jährigen über 200 Euro.

Überschuldung ist bei den Befragten im Alter von 14- bis 24-Jahren kein häufiges Problem. Lediglich 8 Prozent der Befragten sagen, dass sie überhaupt Schulden haben. Dabei haben sich die meisten bei ihren Eltern, Verwandten oder bei Freunden geringere Geldbeträge geliehen.

Zwei Drittel der jungen Generation hat eine positive Einstellung gegenüber Banken. „Erstmals seit der Finanzkrise gibt es einen leicht positiven Trend beim Bankenimage, zeigte sich Andreas Krautscheid erfreut: „Es bestehen aber auch hohe Erwartungen, so Krautscheit weiter: „Die jungen Menschen legen bei der Wahl ihrer Bank großen Wert auf eine sichere Geld- und Sparanlage, ein günstiges Konto und – inzwischen für zwei Drittel sogar „sehr wichtig“ – auf sicheres Online-Banking.

Die Jugend 2018 ist weniger zufrieden und zuversichtlich

85 Prozent der jungen Generation sieht sich als optimistisch und zufrieden, 2015 waren dies noch mindestens 90 Prozent. „Die Rückgänge bei der Lebenszufriedenheit und Zukunftsoptimismus sind nicht dramatisch, aber der Trend überrascht zunächst. Zumal sich auch die beruflichen Perspektiven der jungen Generation mit der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt verbessert haben“, so Krautscheid. Hier könnte sich eine gewachsene Unsicherheit der jungen Leute widerspiegeln in einer Zeit, die von zahlreichen politischen Umbrüchen geprägt sei.

Die repräsentative Studie zum Wirtschaftsverständnis, zur Finanzkultur und zur Digitalisierung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat die GfK Marktforschung im Auftrag des Bankenverbandes durchgeführt. Im Mai/Juni 2018 wurden dafür 650 deutschsprachige 14- bis 24-Jährige telefonisch befragt.

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