13. Oktober 2018

Jahrestagung von IWF und Weltbank: Bankenpräsident Peters fordert Stärkung des europäischen Finanzplatzes

  • Europäischer Finanzbinnenmarkt immer noch unvollendet
  • Komplexe Regulierung belastet Bankensektor zusätzlich
  • Brexit erfordert Übergangsphase bis Ende 2020

Der europäische Finanzmarkt spielt weltweit nicht die Rolle, die ihm aufgrund seiner Wirtschaftskraft zukommt. Bankenpräsident Hans-Walter Peters forderte deshalb anlässlich der Jahrestagung von IWF und Weltbank mehr Initiativen für einen starken und wettbewerbsfähigen europäischen Finanzmarkt. Zwei Themen stünden für die Banken dabei im Vordergrund:

  1. Die Schaffung eines einheitlichen europäischen Finanzbinnenmarktes. Während US-Banken einen großen Heimatmarkt bedienen könnten, würden in Europa tätige Institute durch national fragmentierte Einzelmärkte ausgebremst. „Auch Ende 2018 ist die Europäische Union weit von einem einheitlichen Finanzbinnenmarkt entfernt“, sagte Peters. Die Weiterentwicklung von Kapitalmarkt- und Bankenunion hätte deshalb höchste Priorität.
  2. Ein Regulierungs-Check auf europäischer Ebene: Die im Zuge der Finanzmarktkrise auf den Weg gebrachte Regulierung müsse auf den Prüfstand gestellt werden. „Wir brauchen einen Regulierungs-Check, um das Zusammenwirken der vielen einzelnen Elemente zu analysieren“, forderte Peters. Ausreichende Regulierung sei alternativlos, sie habe aber in Europa einen höheren Komplexitätsgrad erreicht als anderswo.

„Die europäische Wirtschaft braucht eine Vielfalt an Wettbewerbern – profitable pan-europäische Banken sind ein wichtiger Teil dieser Vielfalt“, betonte Peters. Für ein stabiles Wachstum in Europa seien leistungsfähige Banken von unschätzbarem Wert.

Auch bei dem bevorstehenden Brexit bräuchte Europas Wirtschaft baldmöglichst Lösungen. Klar sei, so Peters, dass der EU-Austritt kein „Wünsch-Dir-was“-Spiel sein dürfe. Das Vereinigte Königreich könne nicht auf einen „EU-Austritt de luxe“ hoffen. Umgekehrt gelte aber auch, dass Kompromisslosigkeit keine der beiden Seiten voranbringe. Eine Übergangsphase bis Ende 2020 werde von der Wirtschaft dringend benötigt. Dafür sei eine schnelle Einigung nötig.

Auf mittlere Sicht forderte der Bankenpräsident ein umfassendes Wirtschaftsabkommen zwischen der EU und UK, das einen möglichst weitgehenden, gegenseitigen Marktzugang ermögliche. Finanzdienstleistungen müssten ein integraler Bestandteil dieses Freihandelsabkommens sein.

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