20. Juli 2016

Stresstest: Weder Allzweckwaffe noch Placebo

„Jeder Bankenstresstest kann nur eine Diagnose liefern, Therapie und Heilungsprozess müssen andere übernehmen“, betont Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, mit Blick auf die Ende des Monats erwarteten Stresstestergebnisse der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA. Damit begegnet der Bankenverband im Rahmen eines Pressegesprächs in Frankfurt am Main auch aufkommender Kritik, Stresstests seien sinnlos geworden. Kemmer: „Als Diagnoseinstrument waren gerade die Ergebnisse 2014 durchaus erfolgreich.“

Daher sei es sinnvoll und wichtig, dass die EBA auch in Zukunft Stresstests durchführe, denn nach Gefahren für die Finanzmarktstabilität müsse regelmäßig gesucht werden. Zugleich bekräftigt der Chef des Bankenverbandes: „Wenn Politik und Aufsicht nicht die notwendige Therapie angehen, ist das nicht den Diagnostikern vorzuwerfen.“

So habe die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer extrem expansiven Geldpolitik den europäischen Regierungen Zeit gekauft, diese müsse nun aber endlich auch genutzt werden. Kemmer: „Null- bzw. Negativzinsen dürfen kein Dauerzustand bleiben.“ Dringend notwendige Wirtschaftsreformen sowie die Sanierung von Bankbilanzen dürften nicht verschleppt werden.

Berechtigte Kritik an einzelnen Annahmen der Stresstests mache die Tests im Ganzen nicht wertlos. Die EBA habe daraus in der Vergangenheit gelernt und sie als Ansatzpunkte genutzt, um die Methodik weiterzuentwickeln – etwa bei der Frage, wie Staatsanleihen zu behandeln seien, oder bei den „Conduct Risks“, insbesondere Rechtsrisiken.

Kemmer: „Diese Weiterentwicklung ist eine Daueraufgabe und ein Prozess, der immer wieder auch hinterfragt werden muss.“ Daher kritisieren die privaten Banken, dass die EBA beim aktuellen Stresstest weder die derzeit negativen Zinsen der EZB, noch die daraus resultierenden Belastungen für die Kreditinstitute berücksichtigt habe.

 

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Pressesprecherin
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