28. November 2014

Unternehmensfinanzierung: Herausforderung Niedrigzinsumfeld

"Die deutsche Wachstumslokomotive stottert und ruckelt. Auch vor diesem Hintergrund bleibt die Nachfrage nach Krediten weiterhin verhalten", erklärt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, mit Blick auf die aktuellen Zahlen zur Unternehmensfinanzierung. Kemmer: „Wir Banken stehen bereit und könnten wesentlich mehr Kredite vergeben, doch die Zahlen sprechen für sich.“ So blieb das Gesamtvolumen der Kredite an inländische Unternehmen und wirtschaftlich Selbstständige im 3. Quartal 2014 nahezu unverändert. Zugleich hat sich das außergewöhnliche Niedrigzinsumfeld im 3. Quartal 2014 weiter verfestigt.

Unternehmensfinanzierung

„Das stellt Banken vor große Herausforderungen“, betont Kemmer. Die Europäische Zentralbank verfolge mit den extrem niedrigen bzw. negativen Zinsen das Ziel, die Kreditvergabe im Euroraum anzukurbeln und damit die Konjunktur zu beleben. Doch der Effekt verpuffe vielfach ohne Wirkung. Gerade in Deutschland würden viele Unternehmen ihre ohnehin gegenwärtig recht geringen Investitionen zu großen Teilen ohne einen Kredit finanzieren. Es zeige sich immer wieder, dass die aktuelle Zinspolitik die in vielen Eurostaaten dringend notwendigen wirtschaftspolitischen Strukturanpassungen nicht ersetzen könne.

„Derzeit ist es sogar eher so, dass Kreditinstituten im Euroraum, die einen Liquiditätsüberschuss aufweisen, oftmals gar keine andere Wahl bleibt, als diesen bei der EZB anzulegen. Selbst wenn sie Kredite vergeben wollen – sie finden keine Abnehmer“, sagt Kemmer. So könne man auch nicht ausschließen, dass noch weitere Banken für größere Einlagen von Firmenkunden oder institutionellen Anlegern negative Zinsen berechnen würden. Schließlich müssten die Banken selbst, wenn sie das Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) einlegen, einen Strafzins bezahlen. Kemmer: „Wir erwarten aber nicht, dass auch Privatkunden Entgelte für Einlagen bezahlen müssen.“
 

Pressekontakt:
Dr. Kerstin Altendorf
Pressesprecherin
Telefon: +49 30 1663-1250

bankenverband.de/presse

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