Dr. Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Vorstands, Bundesverband deutscher Banken, Berlin

Bargeld – Kerngeschäft des Bankensektors?

Rede auf dem Bargeldsymposium der Deutschen Bundesbank am 13. Juni 2016

In der weiten Welt der Banken und Finanzen hat es in den vergangenen Jahren an Aufregerthemen nicht gefehlt: Bankenrettung, Boni, Anlageberatung, Finanztransaktionssteuer, Dispo-Zinsen, Trennbanken, Eigenkapitalrendite – die Liste ließe sich noch fortsetzen. In vielen Fällen war oder ist die Aufregung nachvollziehbar und gut begründet – der Komplexität der Materie allerdings wird sie häufig nicht gerecht. Die emotionale Anteilnahme lässt deswegen auch meistens nach, wenn praktikable Lösungen gefunden werden müssen und wenn es um die Details von Regulierung oder Gesetzgebung geht.

Seit einiger Zeit haben wir nun ein neues Aufregerthema – das Bargeld. Die emotionale Anteilnahme wird hier sicherlich nicht so schnell abflauen. Muss uns das überraschen? Dass die Deutschen ein besonderes Verhältnis zum Bargeld haben, ist keine Neuigkeit. Dass die Diskussion über das Thema Bargeld diese Wellen schlägt, schon eher.

Plötzlich taugt Bargeld als Talkshow-Titel, findet sich in Parteitagsbeschlüssen, dient als Symbol für ein Freiheitsrecht, das der Staat zu untergraben droht. Im Unterschied zu den anderen Aufregern geht es hier nicht um die Aufarbeitung der Finanzkrise, nicht um technische Regelungen, mit denen Banken stabiler gemacht werden sollen. Es geht um etwas sehr Lebensnahes. Um etwas, das uns täglich begleitet. Und um etwas, dass gerade in Zeiten der Niedrigzinsen einen Nerv berührt.

Bargeld und Banken

Wie aber halten es eigentlich die Banken mit dem Bargeld? Gehört das Bargeld zu unserem Kerngeschäft, wie es im Titel dieser Rede als Frage formuliert wurde? Und nicht zuletzt: Wie sehen wir die Zukunft und die Diskussion um die Zukunft des Bargeldes?

Wenn man so manchen Beiträgen und Kommentaren der vergangenen Wochen Glauben schenkt, dann sind die Antworten auf diese Fragen ganz einfach. Banken stehen demnach in einer unheilvollen Allianz mit Politik, EZB, Kreditkartenunternehmen und Verfechtern des digitalen Fortschritts, die allesamt das Bargeld abschaffen wollen. Banken würden auf diese Weise erheblich an Kosten sparen und könnten obendrein zu Nutznießern einer Negativzinspolitik der Zentralbank werden.

So einfach könnte es sein – aber so einfach ist es natürlich nicht! Die privaten Banken in Deutschland ticken doch ein bisschen anders. Wir gehören nicht zu denjenigen, die das Bargeld abschaffen wollen. Wir haben uns deswegen auch keiner Allianz angeschlossen oder irgendwelche Bündnisse geschmiedet. Übrigens sehe ich auch in der deutschen Politik oder bei der EZB niemanden von Gewicht, der das Bargeld loswerden möchte.

Dies schließt nicht aus, dass es in der Kreditwirtschaft unterschiedliche Positionen und Prognosen zu diesem Thema gibt. Die Welt der privaten Banken in Deutschland ist vielfältig – von der kleinen Privatbank über die mittelständischen Banken und die Direktbanken bis hin zu international agierenden Großbanken reicht das Spektrum. Infolgedessen haben wir sehr unterschiedliche Serviceangebote rund um das Thema Bargeld. Es gibt aber weder den reinen „War on cash“, noch das „Cash is king“.

Man kann es auch nüchterner formulieren: Für die Banken ist das Thema „Bargeld“ kein Aufregerthema. Es ist allerdings ein Thema, das wir schon deswegen ernst nehmen, weil es für die Kunden ein zentrales Thema ist.

Eine Lektion, mindestens eine Lektion, haben wir nämlich aus der Finanzmarktkrise gelernt: Der Kunde steht im Mittelpunkt, er ist das Maß aller Dinge! Und die Kunden möchten Bargeld. In der Vorstellung vieler Kunden lassen sich die Begriffe „Bargeld“ und „Bank“ kaum voneinander trennen. Die deutsche Kreditwirtschaft kann und will daher gar nicht anders, als weiterhin ihren Beitrag für einen reibungslos funktionierenden Bargeldkreislauf zu leisten.

Bargeldangebot der Banken

Gehört das Bargeld damit zum Kerngeschäft des Bankensektors? Die Antwort hierauf fällt nicht ganz leicht. Einerseits ist es für jeden offenkundig, dass eine Bank im 21. Jahrhundert das Bargeld nicht zu ihrem eigentlichen Kerngeschäft zählen kann. Profitabel wird ein Institut dadurch nicht. Im Gegenteil: Bargeld ist teuer.

Andererseits sind Bargeldversorgung und Kontoführung für viele Banken eben der Garant für eine erfolgreiche und vertrauensvolle Kundenbeziehung. Die mit der Bargeldversorgung verbundenen Dienstleistungen und die notwendige Infrastruktur werden deshalb auch zukünftig – ich betone das noch einmal – zum unverzichtbaren Angebot zumindest eines Teils des Bankensektors gehören.

Dieses Angebot lässt sich sehen: Vom klassischen Bankschalter, den rund 60.000 deutschen Geldausgabeautomaten bis hin zu den von Banken betriebenen Kassenterminals einzelner Tankstellen bringen Banken und Sparkassen das Bargeld in den Umlauf und damit unter das Volk. Sie bieten ihren Kunden bis heute eine in aller Regel kostenfreie und über die Verbünde beinahe flächendeckende Bargeldversorgung in ihren Filialen und mit ihren Geldautomaten an.

Kosten des Bargeldes

Nun ist es allerdings kein Geheimnis, dass diese Serviceleistungen für die Banken einen nicht unerheblichen Kostenfaktor ausmachen. Das war schon in der Vergangenheit so. Für die Gegenwart und Zukunft gilt das erst recht.

Nehmen wir alleine das Thema Falschgeld. Die Anfang 2015 erfolgte Umsetzung der europäischen Vorgaben zur Echtheitsprüfung von Münzen ist ein gutes Beispiel dafür, wie neue Regulierungsbeschlüsse das Bargeld für die Banken noch einmal teurer machen.

In diesem Fall kommt erschwerend hinzu, dass der hohe Umsetzungsaufwand in keinem Verhältnis zur Wirtschaftlichkeit dieser Präventivmaßnahme steht. So gab es 2015 in Deutschland ungefähr 35.000 gefälschte Münzen in einem Wert von circa 60.000 Euro – mit sinkender Tendenz. Allein bei einer einzigen großen Bank fallen weitaus höhere Umsetzungskosten als diese 60.000 Euro an.

Banknoten sind in dieser Hinsicht nicht weniger kostspielig: Die Einführung neuer Sicherheitsmerkmale bei den Scheinen der zweiten Europaserie haben umfangreiche Anpassungen im gesamten Geldbearbeitungsprozess erforderlich gemacht. Nur die Einführung dieser neuen Noten schlagen für die Kreditwirtschaft mit Mehrkosten in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrages zu Buche. Auch der gezielte Einzug oder der Ersatz bestimmter Banknoten ist mit neuen Kosten verbunden, wie dies aktuelle Kostenschätzungen zum Wegfall der 500-Euro-Note belegen.

Nicht genug damit: Die von der Bundesbank neu eingeführte Zertifizierungspflicht für die Falschgelderkennung durch Bargeldakteure stellt die Kreditwirtschaft vor neue Herausforderungen. Circa 100.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreditinstitute haben bislang schon den neuen Online-Prozess durchlaufen müssen, der zudem alle zwei Jahre zu wiederholen ist.

Übrigens ist der Handel von der Zertifizierungspflicht nicht betroffen, obwohl auch er inzwischen eine wichtige Bargeldsammelstelle und Bargelddrehscheibe ist. Ein „Level playing field“ mit gleichen Rechten und Pflichten wäre an dieser Stelle notwendig.

Doch es geht nicht allein um Falschgelderkennung. Insgesamt ist die Bargeldversorgung mit Kosten verbunden. Dabei ist sie in Deutschland höchst effizient organisiert. Die Geldautomaten wurden permanent weiterentwickelt, so dass das Rationalisierungspotenzial voll ausgereift ist. Für den sicheren Betrieb der Geldautomaten sind die Herausforderungen gerade heutzutage besonders groß, denn die starke Zunahme von gewaltsamen Angriffen stellt die Kreditwirtschaft und die Polizei vor große Herausforderungen.

Bargeld kommt nicht nur aus dem Automaten oder vom Bankschalter – über eine Vielzahl von Dienstleistungen der Kreditinstitute werden auch die Wechselgeldkassen des Handels ausreichend und effizient mit Scheinen und Münzen versorgt. Zugleich entsorgt der Handel seine Bargeldbestände ebenfalls über die Banken und Sparkassen, die das so erhaltene Bargeld in unbares Buchgeld umwandeln. Nicht benötigte Bargeldbestände werden zurück zur Bundesbank transportiert.

Im Bereich der Bargeldlogistik beobachten wir im Übrigen schon seit einiger Zeit eine Marktkonzentration, die auf Kosten der kleinen und mittleren Wertdienstleister geht. Diese Entwicklung ist nicht unproblematisch, denn eine verringerte Anbieteranzahl vergrößert die Anfälligkeit gegenüber externen Einflüssen. In der Vergangenheit haben wir schon negative Erfahrungen mit Tarifstreiks machen müssen.

Ich führe dies alles nicht deswegen aus, um von Ihnen Mut zugesprochen zu bekommen. Sondern um auf das bestehende Spannungsverhältnis hinzuweisen. Einerseits ist das Bargeld eine Art emotionaler Kitt, der die Kunden an die Banken bindet. Andererseits verursacht das Bargeld Kosten, die zu einem großen Teil bei den Banken hängen bleiben.

Klar ist: Die Institute bieten die Serviceleistung „Bargeld“ in einem zunehmend schwieriger werdenden Umfeld an. Gestiegene Anforderungen und eine perspektivisch abnehmende Nachfrage verlangen von den Banken die Anpassung bestehender Strukturen, innovative Geschäftsmodelle und neue Kooperationen, um auch weiterhin zur Bargeldversorgung beitragen zu können.

Erfolgreiche Kooperationen gibt es bereits heute: Verbraucher können sich beim Bezahlen mit der girocard an der Kasse einiger Supermärkte über Cashback zusätzlich Bargeld auszahlen lassen. Hier allerdings ist noch Raum für deutlich mehr Teilnehmer.

Bargeld auf dem Rückzug

Meine Damen und Herren, welche Zukunft das Bargeld hat, wissen wir heute nicht. Die Befürchtung, mit der Abschaffung der 500-Euro-Note und der geplanten Begrenzung von Bargeld-Zahlungen auf einen Maximalbetrag von 5.000 Euro, werde das Ende des Bargeldes eingeläutet, ist – vorsichtig gesagt –  arg übertrieben. Allein schon deshalb, weil die Bevölkerung hier eine so klare Position vertritt wie in kaum einer anderen Frage. Zahlen einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Bankenverbandes zeigen, dass über 90 % der Deutschen nichts von der Abschaffung des Bargeldes halten.

Und doch ist uns allen bekannt: Es gibt einen unübersehbaren Trend hin zum bargeldlosen Bezahlen. Die technologische Entwicklung ist unaufhaltsam. Das Zahlungsverhalten der Konsumenten wird sich weiter verändern. Ist es nicht also doch sinnvoll, sich auf ein Ende des Bargeldes einzustellen? Gibt es nicht genügend stichhaltige Gründe, die für eine bargeldlose Welt sprechen?

Auch in Deutschland sind Bargeldzahlungen schon seit längerem rückläufig – wesentlicher Treiber hierfür waren bislang die Kartenzahlungen und hier ganz besonders die girocard. Mit über 100 Millionen Exemplaren nimmt sie den Spitzenplatz bei den hierzulande ausgegebenen Karten ein. Gut die Hälfte der insgesamt 44 Prozent  kartenbasierten Zahlungen im Handel werden mit ihr getätigt.
Durch europäische Vorgaben sind die Zahlungen mit Debit- und Kreditkarten für den Handel inzwischen deutlich günstiger geworden. Hinzu kommt, dass die notwendige Technik für unbare Bezahlverfahren immer preiswerter wird und dass kontaktlose Kartenzahlungen auch bei Kleinbetragszahlungen Effizienzsteigerungen zulassen.

Weitere elektronische Bezahlverfahren wie etwa das Mobile Payment, hinter dem übrigens meistens auch eine Kartenzahlung steckt, spielen an der Kasse zwar bislang kaum eine Rolle. Das Potenzial ist hier allerdings noch lange nicht ausgeschöpft!

Alternativen zum Bargeld

Mit Echtzeitzahlungen kommt bald eine weitere Alternative zum Bargeld ins Spiel. Geldtransfers wären innerhalb von Sekunden möglich, der Empfänger könnte sofort über das Geld verfügen – und zwar rund um die Uhr und an allen Tagen die Woche. In einigen Ländern gibt es bereits erste Lösungen. Auf europäischer Ebene erwarten wir ein entsprechendes Regelwerk für Echtzeitüberweisungen Ende dieses Jahres. Auch wenn die Umsetzung der von der Politik geforderten Echtzeitzahlungen sicher bis zum Ende des Jahrzehnts dauern wird, werden die Karten im Zahlungsverkehrsmarkt neu gemischt.

Es wäre verwunderlich, über die Zukunft des Bargelds zu sprechen, ohne das Wort „Bitcoins“ oder „Blockchaintechnologie“ wenigstens einmal erwähnt zu haben. Können auch die Bitcoins zu einer wirklichen Alternative zum Bargeld werden?
Bei Bitcoins handelt es sich bekanntermaßen um Werteinheiten, die ohne zwischengeschaltete Banken über ein dezentrales Netz direkt zwischen Personen über das Internet verschlüsselt ausgetauscht werden. Trotz einiger technischer Restriktionen konnte Bitcoin zeigen, dass digitale Werteinheiten auch ohne Zahlungssysteme der Zentralbanken transferiert werden können. Inzwischen gibt es hunderte ähnlicher Kryptowährungen.

Umso wichtiger ist es, mögliche Risiken der virtuellen Währungen von Anfang an im Blick zu haben. Daten- und Verbraucherschutz müssen bei den Transaktionen gewährleistet sein; die Systeme sind gegen Cyberangriffe zu schützen. Insbesondere muss der Missbrauch virtueller Währungen zur Geldwäsche, Terrorismus-finanzierung und sonstigen strafbaren Handlungen wirksam unterbunden werden – um nur die wichtigsten Anforderungen an eine echte Währung zu nennen. Gerade Bitcoin hat hier in der jüngsten Vergangenheit negative Schlagzeilen geschrieben.

Solange eine Regulierung und Standardisierung auf internationaler Ebene fehlt, können virtuelle Währungen nicht ernsthaft als Alternative in Betracht gezogen werden. Dies ändert nichts daran – aber das ist ein anderes Thema –, dass der Blockchain-Technologie erhebliches Potenzial zur Kostenreduktion und Effizienzsteigerung vorausgesagt wird. Viele Banken beschäftigen sich aktuell mit einer praktischen Nutzung.

Banken und Digitalisierung

Wie stark sich der Trend in Richtung bargeldlosem Zahlen fortsetzt, hängt von der Akzeptanz technischer Innovationen, dem Konsumentenverhalten und der Preispolitik der Anbieter ab.

Die Banken und Sparkassen in Deutschland werden alles daran setzen, auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Der Wettbewerb mit den FinTechs um neue technische Lösungen ist in vollem Gange. Oftmals ist es aber gar kein Wettbewerb, denn tatsächlich gibt es viele Kooperationsmöglichkeiten mit den neuen Anbietern aus dem digitalen Bereich. Diese werden schon heute genutzt und führen zu besseren Serviceangeboten für die Kunden, nicht zuletzt bei digitalen Zahlverfahren.

Auch die „Deutsche Kreditwirtschaft“ als ganze ist nicht untätig geblieben. Immer mehr Konsumenten beziehen ihre Waren inzwischen im Internet und nutzen dabei Online-Bezahlverfahren. Mit der Markteinführung von paydirekt Ende 2015 haben deutsche Banken und Sparkassen nun auch in diesem Segment eine neue Bezahlmöglichkeit geschaffen. Paydirekt greift den Wunsch vieler Kunden auf, bei Einkäufen im Internet direkt über ihre eigene Bank zu bezahlen. Weitere Kundenwünsche, wie zum Beispiel das Bezahlen mit dem Mobiltelefon, haben die deutschen Banken und Sparkassen mit paydirekt auch auf der Agenda.

Bargeld und Freiheit

Bargeldlose Bezahlverfahren sind auf dem Vormarsch, aber was heißt das nun für die Zukunft des Bargeldes? Ist Bargeld bereits deshalb veraltet und überholt, weil der Supermarktkunde, der an der Kasse in seinem Kleingeld kramt, nicht mehr zeitgemäß ist?

Dagegen spricht schon, dass das Barbezahlen weiterhin als effizient, schnell und unkompliziert gilt. Bei der Diskussion pro und contra Bargeld geht es aber um viel mehr als nur darum, ob bargeldlose Bezahlverfahren angenehmer, günstiger und moderner sind. Viele Menschen wollen auf das Bargeld deshalb nicht verzichten, weil es Anonymität garantiert, weil es sicher ist, weil es ermöglicht, die eigenen Ausgaben besser zu kontrollieren.

Und mehr als nur das: Bargeld ist von der technischen Infrastruktur weitgehend unabhängig und kann als gesetzlich anerkanntes Zahlungsmittel immer und überall effizient eingesetzt werden. Im Krisenfall, wenn Grundbedürfnisse wie Nahrung und Energie gedeckt werden müssen, spielt Bargeld auf psychologischer Ebene eine überragende Rolle. Bargeld – so die landläufige Einschätzung – verkörpert Freiheit!
Hierzu zählt im Übrigen auch die Freiheit, Geld vom Konto abzuheben, wenn ansonsten Negativzinsen gezahlt werden müssten. Negativzinsen für Bankkunden in Deutschland, um das klar zu sagen, erwarte ich für die kommende Zeit nicht. Dafür ist der Wettbewerb hierzulande zu stark.

Negativzinsen in Kombination mit einem bargeldlosen Geldsystem werden aber von einigen Ökonomen als probates Mittel gesehen, eine Deflation abzuwenden. Könnten da nicht auch die Banken von profitieren, fragt sich so mancher? Negativzinsen sind nicht einfach nur die Fortschreibung der Zinsskala nach unten. Durch negative Zinsen – wenn sie länger anhalten – sind strukturelle Änderungen zu befürchten. Es stellt sich dann die Frage, inwiefern die herkömmlichen Transmissionsmechanismen der Geldpolitik überhaupt noch greifen können.

In jedem Falle dürften negative Zinsen von den Bürgern kaum als „normaler“ Zustand hingenommen werden. Die Ausweitung des zinspolitischen Instrumentariums in den negativen Bereich hinein würde daher in der Bevölkerung und in der Wirtschaft – ob mit oder ohne Bargeld – auf erhebliche Akzeptanzprobleme stoßen.

Der Forderung, aus geldpolitischen Überlegungen das Bargeld abzuschaffen, liegt eine nicht unproblematische Machbarkeits- bzw. Steuerbarkeitsillusion der Geldpolitik zugrunde. Dabei sollte uns allen klar sein: Die Geldpolitik kann zwar kurzfristig Zeit kaufen. Hartnäckige Strukturprobleme kann sie aber nicht lösen. Eine bargeldlose Welt sollte also nicht deshalb realisiert werden, damit geldpolitische Blütenträume Wirklichkeit werden können. Die Freiheit des Bankkunden darf nicht beschnitten werden.

Was ist die Quintessenz des Ganzen? Aller neuen Bezahlmethoden zum Trotz werden Barzahlungen noch über Jahre einen signifikanten Anteil am Zahlungsmix in Deutschland ausmachen. Eine Langfristprognose abzugeben ist vor dem Hintergrund immer kürzer werdender Innovationszyklen und sich ändernder politischer Rahmenbedingungen natürlich nicht unproblematisch.

Und doch bin ich überzeugt davon: Bargeld wird es auch in 50 Jahren noch geben! Und genauso, wie es Bargeld geben wird, wird es Banken geben, die ihren Kunden auch weiterhin Dienstleistungen rund um das Thema Bargeld anbieten.

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