Schelte für die EZB

Interview mit dem Präsident des Bankenverbandes, Dr. Hans-Walter Peters, in der Super Illu vom 17. April 2019

17. April 2019

Die Atmosphäre ist entspannt. Obwohl im Gespräch mit Bankenpräsident Hans-Walter Peters in Hamburg auch schnell klar wird, dass die Lage der deutschen Kreditinstitute alles andere als rosig ist. Bürokratie, Negativzinsen auf Einlagen und die Sorgen um die Konjunktur machen der Finanzbranche zu schaffen. Peters, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter der Privatbank Berenberg, scheut deshalb auch keine klaren Worte - und fordert die Europäische Zentralbank (EZB) zu einer Kurskorrektur auf.

Herr Peters, inzwischen sieht alles so aus, als ob ein harter Brexit doch noch abgewendet werden könnte. Ist das nun gut oder schlecht für den Bankenstandort Deutschland?

Wenn wir aus den vergangenen Monaten etwas gelernt haben, dann, dass die Lage in Großbritannien und die politischen Verhältnisse im Unterhaus schwer einschätzbar sind. Die Nation ist tief gespalten. Und das spiegelt sich im Parlament wider. Prognosen sind daher schwierig. Mit der Verschiebung des Austrittstermins auf Ende Oktober haben die europäischen Staats- und Regierungschefs in dieser schwierigen Situation umsichtig gehandelt. Denn eines ist klar – ein harter Brexit ist schlecht für die Konjunktur…,

…aber für die Stärkung des Finanzplatzes Frankfurt ein Vorteil. Oder?

Der Finanzplatz Frankfurt wird, genauso wie Paris und Dublin, vom Brexit profitieren und das kommt dem Wirtschaftsstandort Deutschland zugute. London wird aber auch nach dem EU-Austritt Großbritanniens eine wichtige Rolle für die europäischen Finanzmärkte spielen. Welche, hängt davon ab, inwieweit der Austritt Großbritanniens geregelt sein wird. Unsicherheit ist jedenfalls Gift für die Wirtschaft.

Könnte der Finanzplatz Frankfurt zur alten Stärke zurückfinden? Zurzeit glänzen die US-Banken mit Gewinnen, während die europäischen Institute ein Schatten ihrer selbst sind.

Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. US-Banken haben einen viel größeren Heimatmarkt als europäische Institute. Zudem wurden sie nach der Finanzkrise üppig vom Staat mit Eigenkapital versorgt. Auch schafft die Politik dort Erleichterungen bei der Regulierung. Das zahlt sich aus.

Das spräche für eine Fusion der Commerzbank und der Deutschen Bank. Finanzminister Scholz will ja eine starke deutsche Bank schmieden…

Grundsätzlich sind für die deutschen - und europäischen - Banken gleiche Wettbewerbsbedingungen wichtig, um mit der Konkurrenz aus Übersee mithalten zu können. Ein Beispiel: Die Europäische Zentralbank erhebt für Einlagen einen Negativzins. Die US Notenbank Fed zahlt den Instituten für Geld, das sie dort parken, einen Zins: Während US-Institute dafür in diesem Jahr also über 40 Mrd. Euro Zinsen erhalten, müssen die europäischen Banken für ihr bei der Notenbank geparktes Geld 7,5 Mrd. Euro Strafzinsen zahlen. Dass sich dies in den Bilanzen niederschlägt, ist doch logisch.

Kann aber EZB-Präsident Draghi angesichts der schleppenden Konjunktur überhaupt noch eine Zinswende einleiten?

Der Zeitpunkt wurde leider verpasst. In den vergangenen Jahren hätte es mit Blick auf die gute Konjunktur und die Entwicklung der Inflation genügend Spielräume zum Verlassen des Krisenmodus gegeben. So wie es übrigens auch die amerikanische Zentralbank Fed in den USA getan hat. Hier hat die EZB es versäumt, ihre Spielräume zu nutzen.

Heißt das, dass die europäischen Banken weiter mit dem Negativzins leben müssen?

Auf absehbare Zeit wird die EZB nicht aus der Niedrigzinspolitik aussteigen. Deshalb sollte sie darüber nachdenken, für die Banken einen Freibetrag wie etwa in der Schweiz einzuführen. Das würde den Banken in Europa helfen.

Die BaFin hat davor gewarnt, dass Banken zu leichtfertig Kredite vergeben. Zu Recht?

Ziel der Niedrigzinspolitik ist es ja, die Kreditvergabe anzukurbeln. In Deutschland hatten wir allerdings damit nie Probleme. Wenn die Konjunktur nun nachlässt, besteht die Gefahr von Kreditausfällen. Daher werden die Banken – und dies bestätigt die Bundesbank - bei der Kreditvergabe etwas vorsichtiger.

Die Fragen stellte Thilo Boss.

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