Gerda Müller: „Ich setze mich für einen fairen Interessenausgleich ein“

„Ich setze mich für einen fairen Interessenausgleich ein“

Interview mit Dr. Gerda Müller

Dr. Gerda Müller ist seit 1. August 2009 Ombudsfrau. Sie arbeitete als Richterin beim Amts- und Land­gericht in Mannheim, am Oberlandesgericht Hamm sowie als Vorsitzende Rich­terin am Bundesgerichtshof, zu dessen Vizepräsidentin sie 2005 ernannt wurde.

 

Die Beschwerdezahlen sind im Vergleich von 2017 zu 2018 um 24 Prozent gesunken. Wie erklären Sie sich das?

Nach meinem Eindruck - der sich weniger  auf  belastbare Zahlen als auf  den Gegenstand der eingehenden Schlichtungsanträge stützt – helfen die Banken häufiger  als früher den Beanstandungen der Kunden schon im Vorfeld ab, weil die Mitarbeiter inzwischen  wohl besser geschult werden und folglich auch zunehmend  die von der Rechtsprechung und den Ombudsleuten entwickelten Grundsätze beachten. Deshalb  sehe ich im  Rückgang der Schlichtungsanträge ein positives Zeichen für die Verbesserung der Streitkultur im Verhältnis zwischen den  Banken und  ihren Kunden.

Wie kam es, dass Sie Ombudsfrau wurden?

Ich wurde von einem Kollegen angesprochen, der ebenfalls Vorsitzender Richter am Bundes­gerichtshof war und nach seiner Pensionierung Ombudsmann der privaten Banken wurde. Diese Kollege fragte mich, ob ich auch an der Tätigkeit Interesse hätte. Und da ich im Alter von 65 Jahren nicht sofort in den Ruhestand gehen wollte, war ich sehr glücklich darüber, dass mir eine so qualifizierte und vielseitige juristische Tätigkeit angeboten wurde – ich habe sofort zugesagt. 

Welche Fähigkeiten braucht ein guter Ombudsmann bzw. eine Ombudsfrau?

Vor allem Einfühlungsvermögen in die speziel­len Fragestellungen, die sich aus dem Verhältnis zwischen Bankkunden und ihrer Bank ergeben. Und selbstverständlich auch weitgehende fachliche Kenntnisse allgemeiner juristischer Art, insbesondere aber im Bankrecht. 

Was motiviert Sie im täglichen Arbeiten zu Ihrer Tätigkeit?

Mein Ziel ist es vor allem, die Schlichtungsan­träge im Sinne einer einvernehmlichen Lösung zügig zu erledigen und dabei einen fairen Interessenausgleich zwischen beiden Parteien zu gestalten. 

Gibt es besonders häufig auftretende Beschwerden?

Insgesamt sind die Themen vielfältig. Häufig sind Anfragen wegen fehlerhafter Anlagebera­tung oder auch Bankentgelten und Gebühren. 

Wie lassen sich Ihrer Ansicht nach Differen­zen zwischen Banken und Verbrauchern im Vorfeld vermeiden?

Die Banken könnten manchmal ihr Vorgehen besser erklären. Ich sehe häufig, dass Kunden das Agieren der Banken nicht direkt nachvoll­ziehen können. Das ist vor allem der Fall, wenn Dritte involviert sind wie beispielsweise eine weitere Bank, die einen bestehenden Darlehensvertrag ablöst. Doch auch die Kunden können noch mehr tun: Es lohnt sich immer, die Unterlagen der Bank sorgfältig zu lesen. Eine kritische Haltung und sorgfältige Prüfung schadet niemals – so wie eigentlich immer im Leben (lacht).

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