Dr. Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Vorstands, Bundesverband deutscher Banken, Berlin

Grußwort von Michael Kemmer anlässlich der Festveranstaltung „50 Jahre Geld- und Werttransport“

9. November 2016

Money makes the world go around – diese Zeile aus dem Songtext des Musicals Cabaret, geschrieben 1972 für die Filmversion, gilt heute noch genauso wie damals. Damit die Welt allerdings ihren Schwung nicht verliert, muss das Geld auch zirkulieren können. Im bargeldaffinen Deutschland bedeutet dies: Scheine und Münzen müssen ihren Weg zwischen Bundesbank, Kreditinstituten, Konsumenten und Unternehmen störungsfrei finden. Mit gutem Grund gilt die Bargeldversorgung in Deutschland als kritische Infrastruktur. An dieser Stelle nun kommen die Geld- und Wertdienste ins Spiel. Seit 1966 tragen sie entscheidend dazu bei, dass die Bargeldversorgung hierzulande reibungslos funktioniert. Im Namen des Bankenverbandes gratuliere ich allen beteiligten Unternehmen zum 50jährigen Jubiläum der Branche in Deutschland.

Gepanzerte Geldtransportfahrzeuge, die von A nach B fahren und ihre kostbare Ladung sicher ans Ziel bringen – seit 50 Jahren ist dies ein vertrautes Bild in Deutschland. In diesen 50 Jahren hat sich bei den Banken und Sparkassen einiges verändert. Nur zwei Jahre nach dem ersten professionellen Geldtransport wurde 1968 der erste Geldautomat in Deutschland installiert und damit der Grundstein für eine neue Form der Bargeldauszahlung gelegt. Mit über 60.000 Selbstbedienungsterminals verfügt die Bundesrepublik heute über eine flächendeckende Geldautomatenlandschaft; die Anzahl der Automaten übertrifft dabei deutlich die Anzahl der Bankfilialen. Die Zahl der anzusteuernden Orte hat dadurch noch einmal erheblich zugenommen, doch was für die Bargeldversorgung der Bankfilialen gilt, trifft auf auch auf die Belieferung der Geldautomaten zu: Die Transporteure leisten seit fünf Jahrzehnten einen verlässlichen Beitrag. Dabei erschöpft sich die Zusammenarbeit zwischen Banken und Wertdienstleister keineswegs in täglicher Routine. Leistungsfähigkeit und Zusammenspiel beider Branchen wurden in der Vergangenheit immer wieder von neuem auf die Probe gestellt. Die deutsch-deutsche Währungsunion, aber auch die Einführung des Euro sowie die Ausgabe neuer Banknotenserien waren Anlässe, bei denen große Aufgaben in der Bargeldlogistik gemeinsam erfolgreich bewältigt werden konnten.

Die Zeit ist seitdem nicht stehen geblieben: In den vergangenen 50 Jahren haben sich die Angebote der Wertdienstleister von reinen Logistikdienstleistungen über die Geldbearbeitung und Geldkommissionierung stets weiterentwickelt. Kreative Kooperationsmodelle mit der Kreditwirtschaft könnten die Wertschöpfungstiefe bei den Wertdienstleistern noch weiter vergrößern. In bestimmten Bereichen, wie zum Beispiel bei den Geldautomaten, zeichnet sich bereits ein möglicher Weg vom Wertdienstleister zum Full Service Provider ab.

Wo steht die Branche heute? Die gestiegenen Anforderungen an Reaktionsgeschwindigkeit, Flexibilität und Effizienz erfordern einen zunehmenden Kooperationsbedarf und führen zugleich zu einer spürbaren Marktkonsolidierung. Hinzu kommt: Durch neue europäische Regulierungsvorgaben zur Bargeldprüfung und durch veränderte Prozesse bei der Bundesbank ist der Bargeldkreislauf komplexer geworden. Dies macht neue Investitionen in Prozesse und Qualität erforderlich.

Gemeinsam müssen Wertdienstleister, Bundesbank und Banken darauf achten, dass die Prozesse im Bargeldkreislauf nicht unnötig kompliziert und kostenträchtig werden. Nach wie vor wird Bargeld von der Bevölkerung als kostenloses Gut wahrgenommen. Für die Wertdienstleister und die Kreditwirtschaft sollten die Kosten jedoch von den Erträgen gedeckt sein. Eine Entwicklung in die falsche Richtung ist in diesem Zusammenhang der jüngste Preisanstieg bei der Münzgeldversorgung, auf den es durch gemeinsame Anstrengungen aller Parteien im Bargeldkreislauf Antworten zu finden gilt.

Das Bargeld ist in Deutschland noch immer das meist genutzte Zahlungsmittel der Verbraucher. Doch neue Alternativen zur Barzahlung werden intensiv diskutiert, bestehende Angebote zum bargeldlosen Bezahlen weiter ausgebaut. Die Herausforderungen an die Branche dürften also in Zukunft nicht abnehmen. Allerdings ist davon auszugehen, dass der hohe Bargeldanteil in Deutschland nicht so schnell zurückgehen wird, wie dies in der aktuellen Diskussion mitunter prophezeit wird. Für die Kreditwirtschaft steht fest: Sie wird sich weiterhin an den Bedürfnissen ihrer Kunden orientieren und die Dienstleistungen zur Verfügung stellen, die nachgefragt werden. Die gute und stabile Partnerschaft zwischen Wertdienstleistern und Banken wird auch weiterhin der Garant für eine sichere und effektive Bargeldlogistik bleiben.

Quelle: Zeitschrift "DSD - Der Sicherheitsdienst", Ausgabe 04/2016

 

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