Ossig: Beim Klimaschutz kommt es auf die Finanzierung an

Klimaschutz: Auf die Finanzierung kommt es an

Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 28. September 2019 von Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken; es handelt sich hier um eine gekürzte Version.

Welche Szenarien wir auch immer zugrunde legen – die Eindämmung des Klimawandels wird nicht nur Mäßigung und Verzicht, sondern Investitionen in gigantischer Höhe erforderlich machen. Hier in erster Linie auf den Staat und seine Ausgabebereitschaft zu schauen, greift allerdings zu kurz. Denn ob die „Schwarze Null“ nun sakrosankt bleibt oder nicht – die Hunderte Milliarden Euro, die in den nächsten Jahren für Investitionen in ressourcenschonende Technologien benötigt werden, müssen zu einem erheblichen Teil privat finanziert werden.

Schon heute ist das Interesse an nachhaltigen Investitionen spürbar gestiegen. Auch die Bundesregierung ist auf den Zug aufgesprungen: Anfang des Jahres hat sie beschlossen, Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort zu machen. Im Juni wurde ein Beirat eingesetzt, der sie bei der Ausarbeitung und Umsetzung ihrer Sustainable-Finance-Strategie beraten soll. Das übergeordnete Ziel ist klar: Finanzströme müssen in jene Bereiche und Technologien fließen, die den Übergang in eine kohlenstofffreie Wirtschaft möglich machen. Anleger müssen daher die Möglichkeit haben, ihr Geld gezielt in Projekte und Unternehmen zu investieren, die einen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten. Diese Überlegungen sind auch in die Arbeiten einer Expertengruppe auf EU-Ebene eingeflossen, die detaillierte Vorschläge für ein grünes Klassifikationssystem, im Expertenjargon Taxonomie genannt, vorgelegt hat.

Das alles ist wichtig und notwendig – doch treffen wir mit dem, was wir unter Sustainable Finance diskutieren, tatsächlich den Kern dessen, worauf es hierzulande ankommt? Eher nicht, denn ein wichtiges „Detail“ wird leider häufig übersehen: In Deutschland finanzieren sich die Unternehmen überwiegend über Banken, nicht über den Kapitalmarkt. Wenn wir also die Finanzierung von Innovationen im Bereich Klimaschutz stemmen wollen, dann dürfen wir nicht nur auf die Taxonomie von Wertpapieren, sondern müssen vor allem auch auf das Kreditgeschäft der Institute schauen.

Dies scheint nicht jedem klar zu sein, auch der Bundesregierung nicht. Jedenfalls spricht die zahlenmäßig eher schwache Berücksichtigung von Bankenvertretern im Sustainable-Finance-Beirat nicht unbedingt dafür, dass der Fokus richtig gelegt wird. Auch die Tatsache, dass Kapitalanforderungen an die Banken in der jüngeren Vergangenheit beständig nach oben geschraubt wurden, lässt die Interpretation zu, dass die Rolle der Banken als Finanzier der Klimawende noch nicht verinnerlicht worden ist. Es verwundert daher wenig, dass die Finanzierung der Klimaschutzinvestitionen durch Banken außerhalb der üblichen Förderprogramme in den „Eckpunkten für das Klimaschutzprogamm 2030“ kaum vertieft wird. Was folgt aus alldem? Schon heute vergeben Banken Kredite für grüne Investitionen. Doch das Volumen ist vergleichsweise gering, was zwar nicht an den Instituten liegt, dennoch unbefriedigend ist. Wir müssen daher Antworten auf zwei Fragen finden. Erstens: Wie können wir die Nachfrage nach Krediten für klimaschonende Investitionen deutlich ausweiten? Und zweitens: Wie können die Banken in die Lage versetzt werden, ihre Kreditvergabefähigkeit in diesem Segment zu vergrößern? Frage 1 hat viel mit Anreizen für die Realwirtschaft zu tun, zum Beispiel mit der richtigen Bepreisung von Kohlendioxid-Emissionen; hier hat die Bundesregierung erste, wenngleich nicht durchweg überzeugende Antworten gefunden. Die Diskussion zur Beantwortung der zweiten Frage muss hingegen überhaupt erst in Fahrt kommen.

Dabei gilt es eines zu beachten: Banken werden das zusätzliche Investitionsvolumen nur stemmen können, wenn sie hierfür genügend Eigenkapital haben. Nicht nur durch die Umsetzung von Basel III aber droht diese Ressource knapper zu werden. Schon heute müssen Banken Klimarisiken einpreisen, also mehr Eigenkapital für entsprechende Kredite vorhalten – Tendenz steigend. Sind dann nicht im Umkehrschluss auch Eigenkapitalerleichterungen bei nachhaltigen Investitionen sinnvoll – zumal wenn das Geld ganz konkret in für den Klimaschutz unverzichtbare Projekte fließen könnte?

Bei Krediten bzw. Investitionen im Mittelstand und in die Infrastruktur gibt es Kapitalerleichterungen schon heute; diese dürfen daher für nachhaltige Finanzierungen kein Tabu sein, sondern verdienen – mindestens das – eine sorgfältige Prüfung. Überhaupt: Je größer die Summen werden, die im Kampf gegen den Klimawandel mobilisiert werden müssen, desto größer muss die Vorstellungskraft ausfallen, wie wir dies bewerkstelligen wollen. So wäre es beispielsweise denkbar, dass der Bankensektor feste Finanzierungsvolumina zur Verfügung stellt, sofern der Staat Anreize schafft, durch die Kapital für grüne Investitionen freigesetzt wird.

Das Spektrum an möglichst rasch zu beschließenden Maßnahmen ist groß, die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen muss heute und darf nicht erst morgen erfolgen. Es sind nicht die Banken, die darüber entscheiden, ob und wie die notwendige ökologische Transformation unserer Volkswirtschaft erfolgreich gelingen wird. Aber es sind die Banken, die – wenn die Rahmenbedingungen stimmen – dem Klimaschutz einen großen Schub verleihen könnten.

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