Carsten Klude, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bankenverbandes und Chefvolkswirt von M.M. Warburg

Klude: Wachstum könnte von neuer Regierung profitieren

Steuerentlastungen und mehr Staatsausgaben im Programm - ,,Transferunion in Europa hilft niemandem‘‘

27. September 2017

Interview mit Carsten Klude in der Börsen-Zeitung

Die Chefvolkswirte des privaten Bankgewerbes stellen in ihrem Ausschuss für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bankenverbandes
regelmäßig Konjunkturprognosen. Zudem empfehlen sie der Politik, auf welchen Wegen das Wachstum zu stabilisieren ist. Ihr Vorsitzender, Carsten Klude, Chefvolkswirt des Privatbankhauses M. M. Warburg in Hamburg, antwortete auf Fragen der Börsen-Zeitung.

Herr Klude, müssen Sie die Wachstumsprognosen wegen des Ausgangs der Bundestagswahl ändern? Sind die Aussichten jetzt
positiver, negativer, oder ist es egal, wer in Berlin regiert?

An der guten Konjunktur ändert der Wahlausgang zunächst nichts. Im Gegenteil: Kommt es tatsächlich zu einer Koalition aus Union, FDP und Grünen, könnte das Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahren hiervon sogar profitieren, denn diese Parteien haben in ihren Wahlprogrammen Steuerentlastungen und zusätzliche Staatsausgaben vorgeschlagen. Mittel- und längerfristig ist es für unsere Wirtschaft alles andere als egal, wer in Berlin regiert. Dies haben wir mit den Reformen nach der Jahrtausendwende eindrucksvoll erleben können.

Frühindikatoren und Realindikatoren gehen immer weiter auseinander: Wie verlässlich sind eigentlich die Konjunkturumfragen noch?

Die Frühindikatoren sind weiterhin aussagekräftig. Sie unterstreichen, dass die deutsche Wirtschaft das vierte Jahr in Folge stärker wächst als im langfristigen Trend. Wir befinden uns also in einem konjunkturellen Boom. Auch die Weltwirtschaft erlebt erstmals seit der Finanzkrise einen synchronen Aufschwung, von dem Industrie- und Schwellenländer gleichermaßen profitieren. Dies wirkt sich sehr positiv auf Deutschland aus.

Trotz der enormen Digitalisierung kommt die Produktivität nicht recht vom Fleck. Woran liegt das?

Für die sehr schwache Produktivitätsentwicklung gibt es viele Erklärungsversuche. So spielt der strukturelle Wandel hin zum Dienstleistungssektor, in dem die Produktivitätsfortschritte grundsätzlich niedriger sind als in der Industrie, eine wichtige Rolle. Ferner gibt es viele Beispiele für einen faszinierenden technischen Fortschritt, der jedoch mehr oder weniger frei zugänglich ist. Dies bedeutet, dass man zwar die Annehmlichkeiten dieses Fortschritts gerne nutzt, aber eben nicht bereit ist, dafür zu zahlen. Wenn dem so ist, kann sich dieser technische Fortschritt auch in keiner Statistik niederschlagen.

Das vollständige Interview finden Sie im beigefügten PDF.

Das Interview führten Stephan Lorz und Angela Wefers.

 

 

Diese Webseite nutzt Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und das Angebot zu verbessern. Indem Sie hier fortfahren, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.