Dr. Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Vorstands, Bundesverband deutscher Banken, Berlin

Statement von Michael Kemmer zu den Herausforderungen für die privaten Banken 2017

9. Januar 2017

Die bevorstehenden Wahlen in Europa, die fortschreitende Regulierung und die anhaltend niedrigen Zinsen werden die privaten Banken im Jahr 2017 vor neue Herausforderungen stellen.

Das Wahljahr 2017 wird politisch wohl ein Schicksalsjahr für Europa: in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland stehen entscheidende Urnengänge an. Rechtspopulisten sind auf dem Vormarsch, der europäische Zusammenhalt droht zu zerreißen. Auch die Banken müssen auf diesem schwierigen Terrain agieren. Voraussichtlich ab März werden Ton und vielleicht auch schon konkrete Richtungen für den Brexit zu erkennen sein. Doch auch wenn es keine Rosinenpickerei für das Vereinigte Königreich geben darf, sollte weiterhin eine enge Zusammenarbeit zwischen der EU und UK angestrebt werden – politisch wie wirtschaftlich. Spannend wird die Frage, ob Deutschland seine Chance nutzen kann, Frankfurt zum Tor von London in die EU27 zu machen.

Parallel dazu steht die Regulierungsmaschinerie nicht still. Der Baseler Ausschuss will III vollenden. Tatsächlich geht es eher um ein neues Rahmenwerk, denn nach jetzigem Stand sind immer noch enorme Auswirkungen auf die Eigenkapitalunterlegung der Banken zu befürchten. Die Sorge ist groß, dass diese Änderungen den europäischen Finanzmarkt benachteiligen könnten – der Ausgang der Verhandlungen bleibt abzuwarten. Parallel dazu hat die EU-Kommission einen Vorschlag zur Überarbeitung wesentlicher bankaufsichtlicher Regelungen auf den Tisch gelegt. Und durch die zweite Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 wird der Zahlungsverkehr im EU-Raum weiter für Nicht-Banken geöffnet. Die privaten Banken stellen sich diesem Wettbewerb - sie investieren in ihre digitale Infrastruktur und entwickeln innovative Lösungen im Sinne ihrer Kunden. Wie sich gezeigt hat, schließt dies fruchtbare Partnerschaften und Kooperationen mit FinTechs nicht aus, im Gegenteil: beide Welten können voneinander lernen und profitieren.

Dämpfend wirkt nach wie vor das Niedrigzinsumfeld, das die Ertragsaussichten für Banken und Anleger trübt und die Sorge um Preisblasen nährt. Anzeichen für einen Kurswechsel der EZB sind leider noch nicht erkennbar.

Dieser Beitrag wurde zuerst publiziert in "Der Bank Blog".

 

Diese Webseite nutzt Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und das Angebot zu verbessern. Indem Sie hier fortfahren, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.