Peters: Wir brauchen einen Regulierungs-Check

Impulsvortrag zum Bankengipfel 2018 des Handelsblatts

29. August 2018

Es gilt das gesprochene Wort!

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

eine wichtige Volkswirtschaft wie Deutschland mit innovativen und international angesehenen Unternehmen braucht starke Banken. Banken sind dann gut aufgestellt, wenn sie profitabel sind, denn nur dann können sie investieren, ihren Kunden zur Seite stehen und letztlich das Wachstum der deutschen Wirtschaft finanzieren.

Also die zentrale Botschaft: Wir brauchen profitable Banken, so wie wir sie in den USA und Frankreich sehen.
Was steht dem entgegen und was muss verbessert werden, damit die Rahmenbedingungen gegeben sind? Über den negativen Zins wurde ausreichend gesprochen, gehen wir deshalb auf drei andere Thesen für die Zukunft ein:

I. Regulierungscheck

These I: Wir brauchen einen Regulierungscheck! Die Institute müssen heute eine Unmenge an Zeit und Ressourcen in eine Flut an kleinteiligen Regulierungsanforderungen stecken – das ist ein untragbarer Zustand.

Dieser Prozess dauert jetzt schon Jahre. Nehmen wir MiFID II – 20.000 Seiten umfasst das Konvolut. Nach einer repräsentativen Umfrage des Bankenverbandes sind jedoch schon heute 86% der Kunden, die Wertpapiergeschäfte tätigen, mit ihrem Vermögensberater zufrieden bis sehr zufrieden. In dieses gute Verhältnis wird durch MiFID II massiv eingegriffen. Jedes Telefonat mit den Kunden, das zu einem Wertpapiergeschäft führt, muss aufgezeichnet werden. Der Kunde kann nicht darauf verzichten, er wurde entmündigt. Oder auch: Die Kosten müssen ihm im Vorhinein übermittelt werden,  sonst darf kein Geschäft abgeschlossen werden. Der Kunde hat auch hier keinerlei Verzichtsmöglichkeiten.

Es ist in Brüssel thematisiert und es muss eine Überarbeitung stattfinden. Die Prognose allerdings: Es wird wahrscheinlich drei Jahre dauern, bis sich etwas zum Besseren verändert hat. Bis dahin haben wir einen deutlichen Einbruch bei den Provisionen und insgesamt im Geschäft.

II. Europäischer Bankenmarkt

These II: Die Chancen der deutschen Banken liegen in einem größeren europäischen Bankenmarkt! Es lohnt sich, sich ein Datum in Erinnerung zu rufen: Am 1. Januar 1993 ist der europäische Binnenmarkt in Kraft getreten. Auf dem Wege zu einem wirklich einheitlichen Markt sind in den 25 Jahren, die seitdem verstrichen sind, noch viele weitere Hürden gefallen. Einen funktionierenden europäischen Finanzbinnenmarkt aber, den gibt es bis heute nicht. Und das ist ein großes Dilemma.

Wo liegen die Defizite – und was ist zu tun? Lassen Sie es mich so zusammenfassen:

  • Aus einem rechtlichen und regulatorischen Flickenteppich, den wir gegenwärtig im Finanzbereich noch haben, muss ein einheitlicher europäischer Rechtsrahmen werden
  • von einer nur sicherheitsorientierten müssen wir zu einer sicherheits- und wachstumsorientierten Bankenunion kommen
    und aus national fragmentierten Märkten muss sich ein großer europäischer Heimatmarkt herausbilden.
  • Ein einheitlicher Finanzbinnenmarkt, würde mit ineffizienten nationalen Märkten Schluss machen. Er würde den europäischen Banken neue Chancen eröffnen und ein offenkundiges Manko gegenüber den US-Instituten beheben, die nicht nur höhere Zinsmargen, sondern auch ihren großen Heimatmarkt als Trumpfkarte haben.

Ein einheitlicher europäischer Finanzbinnenmarkt würde obendrein Banken und Finanzmärkte in die Lage versetzen, Risiken europaweit sinnvoll zu bewerten und grenzüberschreitend abzusichern. Er wäre also auch ein Beitrag für mehr Stabilität. Und gerade für die Kunden wäre viel gewonnen, wenn der freie Verkehr von Kapital und Liquidität in Europa vorangetrieben würde. Sie könnten unter sehr viel mehr Angeboten auswählen als heute. Was wir jetzt brauchen, ist europäischer Gestaltungswille: Die Potenziale, die hier schlummern, sind größer, als wir bisher so auf Anhieb erkennen.

III. Digitalisierung

These III: Die größten Heimatmärkte werden uns wenig nützen, wenn wir die Digitalisierung nicht mit auf den Weg nehmen. Der digitale Wandel bleibt die große Kraft, die alles vor sich hertreibt. Auch hier sprechen wir von Chancen.

Die Digitalisierung ist für uns Banken deswegen eine große Chance, weil wir die Voraussetzungen mitbringen, sie zu meistern und zu gestalten. Bei allen Schwierigkeiten, bei aller neuen Konkurrenz, bei allen Kosten, die auf uns zukommen: Im Grunde genommen ist der digitale Wandel wie ein roter Teppich, der vor uns ausgerollt ist.

In der digitalen Finanzwelt von heute und morgen hat derjenige einen Vorteil, der die Kunden und die Kundenwünsche kennt, der aus den unzähligen Daten, die schnellsten und besten Schlüsse ziehen kann – und außerdem verantwortungsvoll mit diesen Daten umgeht.

Das Zweite haben die Banken in Deutschland längst bewiesen. Beim Ersten benötigen wir an der einen oder anderen Stelle noch mehr Mut und noch mehr Bereitschaft zu technologischem Wandel, um Geschäftsfelder zu verteidigen und neue Potenziale erschließen zu können. Vieles aber ist bereits auf dem richtigen Weg.

Transformationsprozesse sind nie leicht. Unbestritten aber ist: Digitale Innovationen sind mitentscheidend dafür, in der Zukunft mehr Erträge zu erzielen.
Das waren die drei Punkte, die aus meiner Sicht notwendig sind, um den Umbruch in eine erfolgreiche Zukunft umzusetzen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.  

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