Ossig: EZB darf Ausstieg aus Negativzinsen nicht länger hinauszögern

10. März 2022

„Auch wenn die Europäische Zentralbank ihre Anleihekäufe schneller zurückfährt, als noch vor kurzem geplant: Sie darf auch bei den Leitzinsen nicht mehr länger zögern. Sie muss noch in diesem Jahr die Negativzinspolitik beenden,“ sagte Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, mit Blick auf die heutige EZB-Sitzung.

„Der Krieg in der Ukraine führt zu einem Preisschock bei den Rohstoffen. Das wird über kurz oder lang die Wirtschaft mit Wucht treffen. Die ohnehin zu hohe Inflation zieht weiter an, die Unsicherheiten wachsen. Es droht sogar Stagflation. Darunter leiden Wirtschaft und Verbraucher. Der negative Leitzins passt nicht mehr zur fundamental veränderten Lage. Er hilft auch nicht dabei, Finanzmärkte und Kreditvergabe zu stabilisieren. Um Blockaden an den Finanzmärkten zu vermeiden, stehen der EZB wirkungsvollere Instrumente zur Verfügung: Sie könnte ein zeitlich befristetes Notfallprogramm auflegen, um Wertpapiere aufzukaufen. Dieses Programm müsste kurzfristig vorbereitet und bei Bedarf aktiviert werden. Als wirksames Instrument gegen eine drohende Kreditklemme haben sich in der Pandemie zudem Sonderkonditionen für gezielte Langfristtender erwiesen.“

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