Was die Niedrigzinsen für Ihr Portemonnaie bedeuten

„Eine schleichende Enteignung der Sparer" sei die aktuelle Niedrigzinsphase, sagt BdB- Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer - zumindest, wenn sie sich auf die scheinbar sicheren, kurzfristigen Anlagen verließen. Risikofreudigere Anleger hingegen und Kreditnehmer haben eher Grund zur Freude. Unsere Übersicht zeigt Gewinner und Verlierer:

Die „schleichende Enteignung“ trifft vor allem auf Sicherheit bedachte Sparer, da der Zins vieler kurzfristiger Anlagen im vergangenen Jahr sehr gering war und auch 2016 weiterhin sehr niedrig bleiben wird. Die Zinsen für Sparbriefe, Termin- und Sparanlagen lagen im abgelaufenen Jahr in der Regel bei deutlich weniger als einem Prozent (siehe Grafik). Selbst zehnjährige Bundesanleihen liefern zurzeit nur noch magere Renditen von 0,2 Prozent.

Die Anleger realisieren das durchaus: Wie die Ergebnisse einer Umfrage zur Geldanlage im Auftrag des Bankenverbandes von Dezember 2015 zeigen, ist die Bereitschaft Geld anzulegen bei den Deutschen gesunken. Der Umfrage zufolge spart mittlerweile ein gutes Fünftel weniger, weil es sich aus ihrer Sicht angesichts der Niedrigzinsphase nicht mehr lohne, so das Ergebnis der Studie. Entsprechend hat auch die Zahl derer abgenommen, die regelmäßig einen Teil ihres Vermögens zurücklegen: Lag ihr Anteil 2014 noch bei 59 Prozent, so legen nun nur noch 53 Prozent der Befragten regelmäßig ihr frei verfügbares Geld zur Seite. Die Niedrigzinsen rufen bei vielen mittlerweile sogar negative Emotionen hervor: Mehr als die Hälfte der Deutschen (55%) gibt an, dass sie sich über die geringen Sparzinsen regelrecht ärgerten, ein Drittel der Befragten sogar „sehr“.

In naher Zukunft dürfte sich an der Unzufriedenheit nichts ändern,

  • da ein Ende der Niedrigzinsen nicht absehbar ist und
  • das Sicherheitsbedürfnis größer ist als die Unzufriedenheit: Neun von zehn Deutschen können sich nicht vorstellen, für höhere Renditechancen mehr Anlagerisiken einzugehen.

Letzteres verdeutlicht unsere aktuelle Umfrage: Das klassische Sparkonto hat auch im vergangenen Jahr alle Alternativen als beliebteste Anlage abgehängt. Aktien, einer der Top-Renditebringer 2015, rangierten nur auf Rang 6 der Liste.


Links:

» Die aktuelle BdB-Umfrage „Sparverhalten bei Niedrigzinsen“ im Detail
» inter|esse-Beitrag zu „Niedrigzinsen und Sparverhalten“ 
» BdB-Umfrage zur „Geldanlage 2015/2016“ im Detail 
» „Umfrage zur Geldanlage 2015: Anleger zufriedener“  
» Was war die beste Geldanlage 2015?
» Interview mit Michael Kemmer zum Niedrigzins
» Aktuelle Inflationszahlen für Deutschland vom Stat. Bundesamt
» Tipp: Zinsen bis Ende Februar abheben 

Die Aktienkultur ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern weiterhin stark unterentwickelt. Im Jahr 2015 waren Aktien nur für jeden sechsten Deutschen die beliebteste Geldanlage. Der Hauptgrund: Verlustangst. Dabei ist das Risiko, mit einem breit gestreuten Aktiendepot langfristig Miese zu machen, eher gering. Die historische Erfahrung mit deutschen Standardaktien zum Beispiel zeigt: Wer in einen repräsentativen Querschnitt von DAX-Aktien investierte, machte nach 15 Jahren selbst im ungünstigsten Fall keinen Verlust, erzielte aber meistens eine jährliche Durchschnittsrendite von wenigstens fünf Prozent, im günstigsten deutlich mehr als zehn Prozent Rendite.

Börse

Viele Anleger vergessen, dass es bei Aktien nicht nur auf Kursgewinne ankommt: Unter den 30 DAX-Unternehmen hat 2015 immerhin etwa jedes sechste eine Dividende von mehr als drei Prozent im Jahr ausgeschüttet.

Eine sinnvolle Alternative zu Einzelaktien sind Fonds: Wer in den vorangegangenen 35 Jahren 40 Euro im Monat in Aktienfonds mit Schwerpunkt Deutschland investiert hat, hätte bis 2015 im Schnitt etwa 100.000 Euro erzielt - allen Kursschwankungen zum Trotz.

Übersicht Investmentfonds

Gerade mit Blick auf die private Altersvorsorge werden Fonds und Aktien immer wichtiger, denn klassische Kapitallebensversicherungen verlieren mehr und mehr an Attraktivität. Aktuell liegt der Garantiezins nur noch bei 1,25 Prozent und ist damit gegenüber dem Vorjahr um 0,5 Prozent gesunken.

Altersarmut


Links:

» Welche Wertpapiere sind am beliebtesten? 
» Zehn Tipps zum Sparen mit Investmentfonds 
» Mit Aktien ein Vermögen aufbauen - so trotzen Sie den Niedrigzinsen 
» Mit Aktien und Fonds ein Polster für den Ruhestand aufbauen 
» Audio: Erfolgreiche Altersvorsorge trotz Niedrigzinsen
» Zehn Tipps für Sparer und Anleger

Wer neue Kredite aufnimmt und bestehende umschulden kann, profitiert von der Niedrigzinsphase. Mussten Bauherren vor neun Jahren noch Effektivzinsen von über fünf Prozent bei Hypothekendarlehen mit 10-jähriger Zinsbildung zahlen, so liegen die Effektivzinsen aktuell bei nur etwa 1,4 Prozent. Unsere Grafik zeigt die Entwicklung. So niedrig waren Hypothekenzinsen in Deutschland noch nie.

Diagramm Baukredite

Was viele nicht wissen: Die günstigen Zinsen können auch Immobilienbesitzer nutzen, die ihr ursprüngliches Darlehen bereits getilgt haben. Man sollte deshalb die Grundschuld nicht vorschnell löschen lassen, da die Verwendung einer Hypothek nicht ans Eigenheim gebunden ist.


Links:

» Bauen boomt - Kreditzinsen nach wie vor günstig 
» Tipps zur Baufinanzierung - Worauf Verbraucher achten sollten 
» Warum die Deutschen immer mehr auf die eigenen vier Wände bauen 
» Mehr Infos zu Finanzierung und Krediten in unserem Finanz-Wiki
» Tipp für Baufinanzierung: Tilgung hochsetzen