Finanzchat zu Geldanlage und Vermögen

Experte: André Oymanns
Partner: WZ Westdeutsche Zeitung

Peter

Ich lese immer wieder, dass es sich noch immer lohnt, in den Aktienmarkt einzusteigen. Was raten Sie einem absoluten Aktien-Anfänger?

André Oymanns

Guten Tag Peter, tja, grundsätzlich teile ich diese Meinung absolut. Vor einer Investition (egal in welche Anlageklasse) sollte allerdings zunächst mal eine solide Risikoaufklärung stehen, die sich an Ihren bisherigen (noch nicht vorhandenen) Erfahrungen/Kenntnissen und den Zielen die Sie mit einer Investition verfolgen, orientiert. Ich unterstelle mal: Aus Geld, mehr Geld machen. Mittel- bis langfristig hat das bislang immer geklappt, teilweise jedoch unter enormen Schwankungen und auch temporären (Teil-)Verlusten des eingesetzten Kapitals. Hier also der erste, wichtige Hinweis: Wenn Sie in Wertpapiere investieren wollen, sollten Sie a) genügend Zeit mitbringen, d.h. mindestens mal 5 Jahre oder länger auf das Geld verzichten können, um schwache Börsenphasen aussitzen zukönnen und b) sollte es Geld sein, welches Sie nicht zum leben benötigen! In Phasen von positiver Börsenentwicklung wird leider zu oft nur von Gewinnen gesprochen die realisiert werden und nicht von Verlusten, die nun mal entstehen können, oft initiiert durch (geopolitische oder andere) Ereignisse, die sich schwierig bis gar nicht vorhersehen lassen. Zudem sollte Ihnen klar sein, dass wir uns momentan in vielen Börsen auf einem sog. "Allzeithoch" befinden. Bis auf eine kurze "Verschnaufpause" im Jahre 2011 steigen die Kurse an vielen Börsen jetzt seit etwa Februar 2009 an. Das ist historisch schon eine recht lang anhaltende Phase. Fundamental spricht zwar einiges dafür, dass weitere "Luft nach oben" ist, aber eine Korrektur ist (so wie immer) jederzeit möglich. Empfehlung: Bauen Sie langsam ein breit gestreutes Aktien(fonds)portfolio über einen längeren Zeitraum, über verschiedene Produkte, Länder und Branchen auf. Möglichst breit gestreut über kostengünstige Produkte wie z.B. sog. ETF´s. Da Sie Neuling sind ist eine Erstberatung bei Ihrem Ansprechpartner bei der Bank wirklich wichtig. Die Zeit sollten Sie investieren. Good Luck!

klaus

Was empfehlen Sie für Anlageformen bei einem Anlagevolumen von ca 600000 Euro?

André Oymanns

Guten Tag Klaus, ohne weitere Angabe (sprich Risikoeinstellung, Anlagedauer, bisherige Erfahrungen/Kenntnisse) kann die Empfehlung nur lauten: Stellen Sie sich breit auf, d.h. wählen Sie einen gesunden Mix aus den gängigen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffen (untergewichtet), Edelmetallen (untergewichtet), Immobilien und Liquidität. Da wir uns momentan in einer historischen Situation befinden, Zinsniveau so tief wie nie zuvor, Aktienmärkte nahezu alle auf Allzeithoch, würde ich ein solches Portolio sukzessive über einen Zeitraum hinweg aufbauen. Konkret würde ich Aktien(fonds) über- und Anleihe(Fonds) untergewichten und wie bei allen Anlagen neben der Risikoneigung, die sehr individuell ist, immer einen Blick auf die Kosten haben! Das ist die einzige Stellschraube wo sie Einfluss üben können. Die anderen Faktoren, die an der Rendite knabbern, Steuerbelastung und Inflation lassen sich nicht wirklich vermeiden. Im Bereich der Anleihen gibt es durchaus Möglichkeiten von steigender Inflation bzw. Zins zu profitieren, Stichwort: Inflationsindexierte Papiere. Eine Investition in lediglich eine Anlageform ist nicht anzuraten. Je nach sonstigem Vermögenshintergrund könnten Sie bei dieser Summe überlegen, ob ggfs. eine oder zwei Eigentumswohnungen als begleitendes Investment lohnend sind, die Ihnen monatlich einen CashFlow über die Miete generieren. Aber: Immobilien sind leider schon lange nicht mehr wirlich günstig. Auch hier der Rat: Unterhalten Sie sich mit in Bezug auf Ihre konkreten Anlageziele und Ihren persönlichen Risikohintergrund mit dem Berater Ihres Vertrauens.

Karsten

Sehr geehrter Herr Oymanns, ich besitze verschiedene dynamische Kapitallebensversicherungen, die mit 2,75% und höher verzinst (Garantiezins) werden. Die Fälligkeiten liegen zwischen den Jahren 2030 bis 2036. Soll ich unter Berücksichtigung der aktuellen Kapitalmarktzinsen die jährlichen dynamische Erhöhung weiterhin vornehmen lassen oder es bei den aktuellen Prämien belassen? Vielen Dank für Ihre Antwort im Voraus

André Oymanns

Guten Tag Karsten, klare Meinung meinerseits: Wenn Sie die jeweils, jährlichen höheren Beiträge finanziell verkraften können, lassen Sie die Dynamik jährlich durchlaufen. Bei den Garantiezinsen die Sie nennen, könnte es sogar sein, dass die Policen ggfs. noch vor 2005 (?) abgeschlossen wurden? Das hieße Steuerfreiheit der Kapitalerträge unter gewissen Voraussetzungen. Sie finden am Markt momentan nicht ansatzweise solche Renditen bei vergleichsweise geringem bis keinem Risiko. Dennoch, je nach Ausgestaltung ist ein Blick auf die Kosten nie verkehrt, denn durch die Dynamik steigt auch die Leistung im Todesfall. Langfristig sollten Sie mit einem breit angelegten Aktienportfolio mehr verdienen als 2,75% plus ggfs. Überschüssen die Ihnen noch zustehen, gehen aber auch größere Risiken ein. Good Luck.

Karsten

Vielen Dank für Ihre Antwort. Könnten Sie mir den u.g. Passus näher erläutern? "Dennoch, je nach Ausgestaltung ist ein Blick auf die Kosten nie verkehrt, denn durch die Dynamik steigt auch die Leistung im Todesfall." In diesem Fall geht es mir um den Zusammenhang von Kosten und Leistung im Todesfall. Sprechen Sie hier evtl. Erbschaftssteuern an? Danke sehr.

André Oymanns

Hallo Karsten, pardon, die Nachfrage hätte ich fast übersehen. Durch die jährlich höheren Beiträge könnten auch die damit einhergehenden, laufenden Kosten steigen. Da es hier ganz unterschiedliche Ausgestaltungen gibt, je nach Anbieter, sollte das nur ein Hinweis der Vollständigkeit halber sein. Zumal Sie durch die höhen Beiträge den Todesfallschutz über die Zeit ja auch ausweiten, bis zu einer Höhe, die Sie (oder der/die Begünstigte(r)) gar nicht benötigen. Die Erbschaftssteuer ist hier ggfs. nicht relevant, da es je nach Verwandschaftsgrad zum Erben relativ hohe Freibeträge gibt bzw. eine Todesfallleistung sogar ganz steuerfrei sein kann.

Ivonne

Wie kann ich meine Rente (Jahrgang 60´) noch sinnvoll erhöhen? Gespartes liegt auf dem Tagesgeldkonto.

André Oymanns

Guten Tag Yvonne, darf ich davon ausgehen, dass Sie noch etwa 6-8 Jahre arbeiten bevor die Rente bzw. Pensionierung ansteht (ggfs. länger) oder sind Sie bereits im (Vor-)Ruhestand? Einen relevanten Schritt haben Sie bereits getan - Sie haben privat Kapital angesammelt, wenngleich ein Tagesgeldkonto aus aktueller Sicht kaum mehr Verzinsung abwirft. Das war auch mal anders, aber es sieht momentan nicht danach aus, als ob die EZB kurzfristig die Zinsen wieder auf ein einigermaßen attraktives Niveau (zumindest aus Sicht des Sparers) anhebt. Das heißt, Sie erleiden aktuell einen Kaufkraftverlust durch die (wenn auch geringe) Inflation. Eine Aufbesserung der Rente kann durch diverse Produkte erfolgen, z.B. klassische Rentenversicherung, die ab einem gewissen Zeitpunkt ratierlich bis zum Lebensende eine monatliche Summe ausbezahlt. Aber Obacht: Bei einer vergleichsweise kurzen Laufzeit sind immer die Kosten derartiger Produkte von entscheidender Bedeutung! Sie könnten auch überlegen, ob Sie einen Teil Ihres Kapitals in einen dividendenstarken Aktienfonds (ggfs. auch passiven ETF) anlegen, um jährlich die Dividendenrendite ergänzend zu Ihrer Rente zu nutzen. Aber wie immer: Wo mehr Rendite ist, da gibt es auch Risiken, die immer individuell beleuchtet werden müssen. Der Klassiker: Anleihen kaufen, jährliche, sehr risikoarme Verszinsung kassieren, fällig werden lassen und neue Anleihe kaufen ist aus heutiger Sicht leider kaum noch zu empfehlen weil die Rendite quasi durch die Kosten nahezu neutralisiert wird. Ich rate auch hier zu einem Gespräch mit einem Bankberater Ihres Vertrauens. Manchmal kann übrigens ein zweites Gespräch mit gleichem Inhalt bei einer anderen Adresse zusätzliche Erkenntnisgewinne bringen.

MichaelW

Wir haben eine Lebensversicherung geerbt. Das versicherte Risiko ist noch aktuell. Wir würden diese gerne wg. der guten Bedingungen weiterführen. Macht das Sinn? Die Versicherung lässt sich sehr viel Zeit mit den Umschreibungsmodalitäten.

André Oymanns

Guten Tag MichaelW, es hört sich so an, als ob der Versicherungsnehmer verstorben ist, die versicherte Person aber nicht? In diesem Fall kommt es tatsächlich auf die Ausgestaltung der Police an. Sie nennen "gute Bedingungen". Das bedeutet vermutlich, dass der Garantiezins und/oder die Todesfallleistung aus heutiger Sicht recht attraktiv sind? Wenn dem so ist, wird es aus Renditegesichtspunkten klug sein die Versicherung weiterzuführen, insbesondere wenn Sie nicht auf die Summe angewiesen sind und Sie sich mit Ihren möglichen Miterben einig sind. Zudem schreiben Sie, dass das Risiko noch aktuell ist, Sie bei Auflösung des geerbten Vertrages also das Risiko anderweitig neu absichern müssten. Das bringt üblicherweise wieder neue und vermutlich auch mehr Kosten mit sich. Diese beiden Punkte sollten Sie für sich (ggfs. in der Erbengemeinschaft) bewerten. Die Umschreibung kann manchmal etwas dauern, da die korrekten Ansprüche sorgfältig geprüft werden müssen - es spricht aber nie etwas dagegen bei der Versicherung aktiv nachzufragen.

Alexander

Gibt es eine Möglichkeit ca. 40000,- Euro für ca. 5 Jahre als 25 Jahre junger Mann (Student) relativ sicher und ertragbringend anzulegen?

André Oymanns

Hallo Alexander, mit einer Laufzeit von 5 Jahren bewegen Sie sich gerade in dem Bereich der sog. "mittelfristigen Anlage", was bedeutet, Sie könnten mit Ihrem Bankberater über Aktien oder aktienähnliche Investments sprechen. Diese werfen über einen längeren Zeitraum üblicherweise am meisten Rendite ab (so war es trotz diverser Krisen am Markt) in der Vergangenheit. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass sich der Aktienmarkt (zumindest die meisten Börsen) aktuell auf einem sog. "Allzeithoch" befindet. Auch wenn die fundamentalen Daten wie Bewertung auf der Basis von Unternehmensgewinnen bei vielen Titeln stimmen (nicht bei allen!), halten wir doch fest: Die Börse ist keine Einbahnstraße und die hohen Kurse basieren möglicherweise auch auf der seit Jahren andauernden, hohen Zufuhr an Liquidität durch die verschiedenen Notenbanken der Welt. Will sagen: Es weiß niemand, ob nicht in genau 5 Jahren mal wieder eine Korrektur ansteht, wenn Sie Ihr Geld benötigen. Da Ihre Frage danach klingt, als hätten Sie einen festen Ausstiegszeitpunkt könnten Sie überlegen die Summe zu splitten. Den größeren Anteil in Sparprodukten (z.B. Tagesgelder, leider mit kaum Verzinsung aktuell), einen kleineren Anteil in z.B. kostengünstige Aktien-ETF´s vielleicht mit dividendenstarken Titeln, die Ihnen jährlich eine Ausschüttung von 3-4% brutto liefern. Sprechen Sie mir Ihrem Bankberater und lassen sich über die verschiedenen Möglichkeiten aufklären.

Walter

Wie sollten junge Leute Altersvorsorge betreiben? Was halten Sie im Moment vom Kauf von Immobilien?

André Oymanns

Hallo Walter, schönen Dank erstmal für die erste Anfrage über den Chat. Zu Ihren Fragen: 1. Altersvorsorge a) So früh wie irgend möglich mit monatlichen Sparbeträgen anfangen...auch wenn manches AzubiGehalt knapp bemessen ist, sollten EUR 25-50 pro Monat (gerne mehr) "zurück gelegt" bzw. langfristig gespart werden. Warum?! Wer früh anfängt investiert über die Zeit natürlich mehr Geld, das ist klar. Er profitiert aber auch vom sog. Zinseszinseffekt, d.h. die Zinsen die z.B. jährlich zugeschlagen werden, verzinsen sich für das darauffolgende Jahr mit und so weiter. Zugegebenermaßen sieht die Zinssituation aktuell nicht gut aus, da es kaum Zinsen gibt. Kommen wir zu den möglichen Produkten: a) Sparpläne klassisch (leider kaum verzinst aktuell, dafür sehr sicher) b) Fondssparpläne (Anleihen, Aktien, Fonds etc.)- Aus meiner Sicht die beste Wahl für junge Leute. Junge Leute sollten einen recht hohen Anteil an Aktienfonds wählen (bitte auf Kosten des jeweiligen Produktes achten!!! ETF´s (passive, kostengünstige Fonds) sind oft aber nicht immer die bessere Wahl. Aktienfonds sind zwar etwas schwankungsintensiver als Anleihefonds, über die lange Laufzeit bis zum Rentenalter rentieren sie sich aber üblicherweise auch deutlich besser Lassen Sie sich von Ihrer Bank oder Sparkasse diverse Produkte vorstellen und achten immer auf die zwei wichtigsten Themen: Risikoaufklärung und Kosten! 2. Kauf Immobilien Als Anlage ist ein Immobilienkauf immer recht individuell. Üblicherweise schaut man auf den sog. Jahresnettokaltmieten-Faktor um einzuschätzen, ob sich ein Investment lohnt. Beispiel: Kostet die Immobilie TEUR 100 und Sie würden TEUR 10 an Nettokaltmiete p.a. erzielen, liegt der Faktor bei 10. Das wäre aktuell außerordentlich günstig! Das zweite Thema wie immer: Lage, Lage, Lage. Für TopImmobilien ist guten Lagen bezahlt man mittlerweile Faktoren von teils weit jenseits der 25! Für schlechtere Lagen weniger, weshalb sich diese Objekte zunehmender Beliebtheit erfreuen. Fazit: Eine pauschale Antwort ist leider nicht möglich. Grundsätzlich gehören Immobilien zur Gesamtvermögensstrategie, genauso dazu wie Aktien, Anleihen, Liquidität ggfs. Edelmetalle... Also: Einzelfallprüfung

André Oymanns

Hallo Walter, pardon, ich hatte die Antwort auf Ihre Frage offenbar nicht direkt zugeordnet. Kleiner technischer Fehler meinerseits. Ich bitte das zu entschuldigen und bedanke mich für Ihre Fragen.

Experte

André Oymanns

für den Bankenverband 

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