Finanzchat zu Geldanlage und Vermögen

Experte: Ralf Schönfeld
Partner: Schweriner Volkszeitung
Chat-Zeitraum: Dienstag, 22. März von 10:00 bis 12:00 Uhr

Bitte beachten Sie, dass Ihre hier gestellten Fragen öffentlich einsehbar sind. Sollten Sie konkrete Summen nennen, empfehlen wir, ein Pseudonym als Nutzernamen zu verwenden.

Tobi

Ich bin sehr beunruhigt wegen der hohen Inflation, die wohl auch noch weiter steigen wird. Was meinen Sie, ist da in absehbarer Zeit Besserung - vielleicht auch in Form von einem Zinsanstieg - zu erwarten? Danke

Ralf Schönfeld

Hallo Tobi, wir sehen international, auch in gefestigten und etablierten Märkten bereits Zinsanstiege. Für Deutschland und Euroland sehen wir dieses aktuell noch nicht. Darüber hinaus kommt durch die statische Zinspolitik der EZB und die erwähnte derzeit hohe Inflationsrate ein sehr negativer Realzins zustande. Nach unserer Ansicht lohnt es sich derzeit noch nicht, jahrelang auf höhere Zinsen zu warten, die gegenwärtig wirklich nicht absehbar sind. Vielmehr sollten alle Überlegungen auf eine sehr differenzierte Anlagestrategie gerichtet werden, in der teils inflationsgeschützte Sachwerte eine prominente Stellung und Berücksichtigung erfahren. Ausgewählte Aktien oder Aktienfonds, Immobilienfonds und international ausgerichtete Mischfonds und Renten sollten hierbei Beachtung erfahren. Lassen Sie sich über die Möglichkeiten, die wir Banken für diese anspruchsvolle Phase der Märkte bereit halten, dezidiert und umfänglich beraten! Viel Erfolg und Zuversicht dabei!

Adrian

Hallo Herr Schönfeld, wie ist Ihre Meinung zu NFTs? Hype oder nachhaltige Investitionschance? Danke und LG

Ralf Schönfeld

Moin Adrian, diese Möglichkeit der Anlage von Geldern spielt aus diversen Gründen für die Beratung unserer Kunden derzeit keine Rolle. Nach Maßgabe der aufsichtsrechtlichen Beschränkungen können unsere Mitgliedsbanken derzeit keine Empfehlungen zu diesen Krypto-Assets aussprechen. Dennoch viel Erfolg beim Beobachten und Agieren an den Märkten und deren mannigfaltigen Möglichkeiten!!!!

Anna L.

Hallo, lohnt es sich aktuell in Gold zu investieren? Oder doch lieber in Immobilien? Liebe Grüße

Ralf Schönfeld

Aloha Anna, im Rahmen einer ausgewogenen Anlagestrategie sollte man individuelle Schwerpunkte setzen auf Anlageformen, für die man ein Faible besitzt. Vor allem dann, wenn der Markt einem eine diesbezügliche Opportunität anbietet. Daher nehme ich diese Frage sehr gern auf, muss aber bei Immobilien stark differenzieren. Seit je her galt, dass man bei Immobilien auf die Lage achten muss. Doch nach der langen Periode der äußerst niedrigen Darlehenszinsen sind die Preise für Immobilien an vielen lukrativen Standorten schon sehr weit angestiegen. Im Rahmen der Bankempfehlungen für die Anlageklasse Immobilien gehen wir daher von gewerblich genutzten Immobilien aus, die den Vorteil haben, dass auch Mietzahlungen weit überwiegend an den Lebenshaltungskostenindex gebunden sind, so dass neben der angelegten Werte auch die Ausschüttungen einen gewissen Inflationsschutz bieten. Auch wenn die Renditen bei den Immobilienfonds in den letzten gut zwei Jahren etwas gesunken sind, betrachten wir diese erwähnten Immobilienfonds als Kernbestandteil einer konservativen und sachwerteorientierten Geldanlage mit einem maximalen Anteil von 25 Prozent am investierten Vermögen. Schauen Sie sich bei den Angeboten um, es gibt Fonds, die 2022 schon 50 Jahre erfolgreich am Markt bestehen und Anlegern viel Freude bereitet haben. Gut beraten ist man mit der Berücksichtigung solcher Beimischung weit überwiegend. Vor allem, wenn man bei den Ausgabekosten ein gutes Verhandlungsergebnis mit den Beratern oder Beraterinnen erzielt. Bleiben Sie hier selbstbewusst und konsequent - Der Kunde ist König! Vor dem Hintergrund der aktuellen Inflationsprognosen spielt natürlich Gold und andere Edelmetalle, wie Silber und Platin eine gewisse Rolle bei der Etablierung einer ausgewogenen Anlagestruktur mit persönlichen Schwerpunkten. Gegenwärtig empfehlen wir eine Beimischung von 5-10 Prozent zu erwägen. Schauen Sie sich aber die Kursverläufe gut an. Nicht jeder Tag muss ein guter Tag sein und überlegen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Berater in welche Segmente der Metalle Sie einsteigen möchten und bei entsprechendem Vermögenshintergrund gehen Sie vielleicht gar zeitlich gestaffelt in die Märkte und nicht an einem einzigen Tag. Betten Sie das ganze in Ihr zu ermittelndes Anlegerprofil ein, so dass Sie nur die mittel- bis langfristig verfügbaren Anlagen in diese Sachwertekategorien implementieren. Viel Erfolg und ein glänzendes Anlageergebnis!

blue

Lohnt es sich aktuell mit dem Investieren in Aktien und ETFs zu starten? Ich habe etwas Bedenken, da die Börsenkurse so stark schwanken.

Ralf Schönfeld

Hey hi blue, Ihre Bedenken sind absolut nachvollziehbar, daher empfiehlt es sich Ihr individuelles Risikobudget immer auch an die jeweilige Marktlage anzupassen. Wie Sie vielleicht gesehen haben, sind gerade seit dem 22.2.22 die Aktien sehr volatil. Dabei kann man beobachten, dass manche Aktien sehr stark gestiegen sind und andere deutlich sichtbare Einbußen haben hinnehmen müssen. Daher ist es sinnvoll, sich bei Entscheidungen zu Einzelwerten genau anzuschauen, welche eventuellen Übertreibungen im Kursrutsch gegenwärtig auszunutzen sinnvoll sein kann, aber auch nicht bei haussierenden Aktien (Rüstung, Rohstoffe) hinterher zu eilen und sehr teuer nachzukaufen. Achten Sie auf Qualität, nachhaltige Geschäftsmodelle und Preisführerschaft in der jeweiligen Branche. Die ETFs, die seit über zwei Jahrzehnten regelrecht boomten, werden spätesten seit Q1/2020 deutlich kritischer gesehen. Da hier kein operatives Management stattfindet, können diese Fond auf die o.a. geschilderten Opportunitäten nicht oder nur schwer eingehen. In der momentanen Situation sehen wir bewährte und gut gemanagte Aktienfonds eindeutig im Vorteil. Die für das Management fällige höhere laufende Verwaltungsvergütung für die Fondsgesellschaften rechnen sich überwiegend bei den von den Banken empfohlenen Fonds. Sollten Sie die Einzelaktienauswahl nach Beratung nicht präferieren, dann gilt wie auch in den anderen Threads erwähnt: Nutzen Sie schwankende Märkte zur Generierung des Durchschnittskosteneffektes oder englisch cost-average-effects und richten Sie regelmäßige Sparpläne im Bereich der Aktienfonds ein. Hier können Sie dann auch wieder ETFs auswählen, die bei der Einmalanlage aktuell zweitrangig zu betrachten sein sollten. Nutzen Sie die zeitliche Diversifizierung mittels der Aktienfondssparpläne, wenn Sie von den Kursschwankungen profitieren möchten. Die Kursschwankungen, vor denen viele Anleger, die mit großen Beträgen in der Anlageklasse Aktien statisch investiert sind, Bedenken haben, sind im Gegenzug der Treibstoff für die Renditequelle des Durchschnittskosteneffektes bei regelmäßiger monatlicher Anlage. Aber zunächst gilt immer: Ermitteln Sie gemeinsam mit Ihrem Experten der Bank Ihre persönliche Risikoneigung und Ihr zu ermittelndes Anlegerprofil auf Basis Ihres Vermögenshintergrundes und Ihrer Risikotragfähigkeit...!

D.T.

Hallo, wir möchten gerne 70t€ sinnvoll anlegen... Variante 1: kurrzfristger Zugriff soll möglich sein Varinate 2: festes Anlegen für 1-5 Jahre Welche Möglichkeiten gibt es und welche empfehlen Sie? MfG. D.

Ralf Schönfeld

Hallo D.T., zur Variante 1 ist es schon seit Jahren enorm schwer, eine befriedigende Empfehlung zu geben. Eine fundierte Anlageberatung schließt immer auch die Betrachtung des schlimmsten angenommenen Falls im Verlauf der Zeit ein, der in der gewünschten Anlageperiode eintreten kann und aufgrund der zeitlichen Beschränkung nicht wieder aufgeholt werden kann. Daher kann Ihnen ein erfahrener Berater oder Anlagemanager nur bei sehr hoher Risikobereitschaft Ihrerseits Empfehlungen aussprechen. Hierzu ist das im vorherigen Thread erwähnte zu ermittelnde Anlegerprofil die entscheidende gesetzliche und sinnvolle Grundlage. Bei vorhandenem offensiven Anlegerprofil wären hier geldmarktorientierte Rentenfonds in Fremdwährung denkbar, die bei entsprechendem Vermögenshintergrund mit Klimafonds (sogenannten Impactfunds) kombiniert werden könnten. Auch ein ursprünglich zum Vermögensaufbau gedachter regelmäßiger Dauersparauftrag in einen Aktienfonds mit überschaubarem Volumen kann als Beimischung sinnvoll sein. Hierbei immer auf die Kosten achten, gerade bei kürzeren Anlagezeiträumen, in denen die Amortisierung schwerer erreichbar ist. Zur Variante 2: Wir empfehlen ausdrücklich für die Etablierung einer ausgewogenen diversifizierten Anlagestrategie einen Anlagehorizont von wenigstens vier Jahren. Lassen Sie sich hier nicht von schönen Prognosen oder Versprechungen leiten sondern bleiben Sie ein nüchterner und überlegter Anleger. Im Rahmen des bereits erwähnten zu erstellenden Anlegerprofils ermittelt die Beraterin oder der Berater dann auch Ihre Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit. Diese fließen dann zusammen mit Ihrer abgefragten Anlegermentalität in die Chancen- und Risikostufe ein. Es gibt dabei vier Möglichkeiten. Maximal 10/40/70 oder gar 100 Prozent Anteil an offensiven Sachwerten, je nach Ihrer individuellen Festlegung, die auf den Befragungen zum Anlegerprofil basiert. Hier sollten dann Aktien, Rohstoffe, internationale Rentenanlagen und Immobilien- sowie Klimafonds beleuchtet werden, die in der Zusammenstellung ein gefestigtes Netz knüpfen können, das auch schwere See an den Märkten, trotz zwischenzeitlich möglicher Einbußen an den Börsen überstehen dürfte. Gerade auch wenn Sie in Zukunft schwankende Märkte erahnen, dann gilt auch bei Variante 2 - Nutzen Sie die regelmäßige Anlage in Aktienfonds. Hier halten die Banken immer wieder in der Beratung als auch online für Direktentscheider hervorragende Angebote bereit, die über mehrere Jahre aber auch dauerhaft zu sehr günstigen Konditionen offeriert werden. Stichwort ist hierbei der Durchschnittskosteneffekt!

Suzy

Guten Tag Herr Schönfeld, ich bin Mitte 40 und frage mich, wie ich etwa 15.000 Euro sinnvoll anlegen kann. Zeitrahmen sicher 5 Jahre, eigentlich auch länger, aber man weiß ja nie so recht. Gibt es Möglichkeiten, Geld rentabel anzulegen, wo man im Notfall aber trotzdem drankommt? Vielen Dank für Ihre Antwort.

Ralf Schönfeld

Moin Suzy, als junge etablierte Anlegerin mit einem derartigen Anlagehorizont gibt es auch gegenwärtig immer noch zahlreiche Möglichkeiten der rentablen Geldanlage. Zumindest kann durch eine anlegergerechte individuelle Ausgestaltung einer diversifizierten Anlagestrategie die Auswirkung der Inflationsrate deutlich abgemildert werden. Zunächst muss jedoch aufgrund der regulatorischen Anforderungen der Europäischen Union ein Anlegerprofil von Ihnen erstellt werden. Dazu ermitteln in der Wertpapierberatung erfahrene Kollegen unserer Banken Ihre Risikobereitschaft und -tragfähigkeit. Diese Anlegermentalität fließt zusammen mit Ihren genannten Rahmenbedingungen in eine Empfehlung ein. Da Sie eine Verfügbarkeit auch während der Laufzeit nicht ausschließen, sehe ich eher eine konservative Anlagestrategie als Fundament für die Erfüllung Ihrer Anlagewünsche als wahrscheinlich an. Dabei ist dann der Schwerpunkt Ihrer Anlage eher im defensiven Sachwertebereich und in international ausgerichteten konservativen Mischfonds angesiedelt. Lassen Sie sich bitte hierzu beraten und über die Kosten und Erträge und die Chancen und Risiken detailliert aufklären. Gerade in diesem Jahr bieten einige Banken wieder speziell auf die von Ihnen genannten Bedürfnisse abgestimmte, transparente und sehr kostengünstige Anlageformen ohne Ausgabegebühren an. Es lohnt sich also, sich bei unseren Mitgliedsinstituten umzuschauen - Viel Erfolg!

Eike M.

Ist absehbar, ob in näherer Zukunft die Zeit der Niedrig- bzw. Negativzinsen endlich vorbei ist?

Ralf Schönfeld

Hallo und guten Morgen! Bei uns in Europa, also speziell in Euroland, wurden kurz vor Ausbruch der Invasion in die Ukraine erste zaghafte Signale empfangen, dass die EZB auf Basis der Inflationsprognose noch in 2022 minimal an den Leitzinsen schrauben wollte. Dieses scheint auch aufgrund der noch unabsehbaren Folgen der Invasion in die Ukraine erst einmal in den Hintergrund getreten zu sein. Ganz unabhängig davon, ob sich die EZB (Europäische Zentralbank in Frankfurt) noch in diesem Jahr aufgrund der sehr fühlbaren Preissteigerungen gehalten sieht, hier etwas zu unternehmen, ist die Lage für die Einleger nicht rosiger geworden. Entscheidend ist doch der zu vereinnahmende Realzins, der sich aus den dürftigen (Minus-) zinsen und der Inflationsrate zusammensetzt. Insofern ist die Rentabilität für Sparer, die lediglich als Gläubiger fungieren und nicht als Anleger an den Wertpapiermärkten in Sachwerten auftreten bei weitem geringer geworden. Aktuell sprechen wir von einem jährlichen negativen Realzins von über 4,5 Prozent pro Jahr. Daher gilt auch für die kommende absehbare Zeit: Es gibt keine Alternative zu Immobilienfonds, Klimafonds, Aktien und sehr ausgewählten Rohstoff- und Metallanlagen.

Experte

Ralf Schönfeld

für den Bankenverband 

Hinweise zum Finanzchat

Der Bankenverband erbringt im Rahmen dieser Aktion keine Anlageberatung. Er äußert sich daher auch in keiner Weise zu einzelnen Finanzinstrumenten. Bitte sprechen Sie hierfür die Anlageberater Ihrer Hausbank an. Außerdem möchten wir Sie auf die rechtlichen Bedingungen zu unserem Finanzchat hinweisen. Damit der Austausch sachlich und angenehm bleibt, bitten wir Sie zudem, die Spielregeln des Bankenverbands zu beachten.

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