Konjunkturprognose: Wachsende Unsicherheit mit Blick auf die weltwirtschaftliche Lage – deutsche Wirtschaft ordentlich

30. September 2015

„Die Perspektiven für die Weltwirtschaft sind in den letzten Wochen vor allem mit Blick auf die Schwellenländer  spürbar unsicherer geworden“, erklärt Hans-Joachim Massenberg, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bankenverbandes, bei der Vorstellung der Konjunkturprognose 2015/2016 der privaten Banken in Berlin. Allerdings hielten die Chefvolkswirte der privaten Banken Sorgen vor einer neuen globalen Wirtschaftskrise für überzogen. Fest stehe jedoch, so Massenberg: „Was wir bislang als ‚Normalmaß‘ für das weltweite Wirtschaftswachstum angesehen haben, müssen wir etwas nach unten revidieren. Wachstumsraten von über 4 Prozent sind auf längere Zeit für die Weltwirtschaft offenbar nicht mehr realistisch.“

Auch die Aussichten für die deutsche Konjunktur seien wenig spektakulär. Die deutsche Wirtschaft werde sich in dem schwieriger gewordenen globalen Umfeld zwar ordentlich halten – trotz der aktuellen Abschwächung in vielen Schwellenländern. „Doch generell kann auch in Deutschland der schwache Wachstumstrend nicht zufrieden stellen, der auf etwa 1 Prozent geschätzt wird“, sagt Massenberg. Ein steilerer Wachstumspfad lasse sich aber weder durch eine extrem expansive Geldpolitik noch durch staatliche Ausgabenprogramme erkaufen.

Massenberg bekräftigt: „Viel erfolgversprechender ist es, sowohl global als auch im Inland die Wachstumsschwäche durch Strukturreformen auf der Angebotsseite zu bekämpfen.“ Alles andere werde die Nachfrage nur künstlich und als Strohfeuer stimulieren – wenn überhaupt. „Gerade auf der Angebotsseite sehen wir noch viel Potenzial, um mehr Wirtschaftswachstum zu erzielen: etwa die Erwerbstätigkeit von Frauen zu fördern, günstigere Rahmenbedingungen für Investitionen zu schaffen oder eine Bildungs- und Ausbildungsoffensive zu forcieren.“

Hier sei auch und gerade Europa gefordert, das ohnehin seine Währungsunion nochmal einem kritischen Blick unterziehen sollte. Massenberg: „Wir sollten hier nicht auf eine tiefere Integration durch Umverteilung zielen, das kann unter den gegebenen Rahmenbedingungen nur zu Fehlanreizen führen. Viel wichtiger ist es, strukturelle wirtschaftliche Unterschiede zwischen den Euro-Staaten abzubauen“, so Massenberg.

Die aktuelle Herbst-Konjunkturprognose 2015/2016 ist online abrufbar unter: www.bankenverband.de. Sie wird alle sechs Monate durchgeführt und beruht auf einer Umfrage unter den 13 Chefvolkswirten von privaten Banken, die Mitglieder des Ausschusses für Wirtschafts- und Währungspolitik sind. 

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