Die Rolle der Banken für die europäische Wirtschaft

Europa Flagge

Banken stellen die finanziellen Ressourcen bereit, um Investitionschancen zu finanzieren, Risiken zu übernehmen, die Liquidität zu verbessern und Ersparnisse einfacher zu mobilisieren. Als Vermittler verschaffen sie Unternehmen den Zugang zum Kapitalmarkt. Den kausalen Zusammenhang zwischen einem entwickelten Finanzsektor und einem hohen Wirtschaftswachstum belegen zahlreiche empirische Untersuchungen. Ein prosperierender, wettbewerbsfähiger Finanzsektor stärkt insofern den Wachstumsprozess und trägt entscheidend dazu bei, den Wohlstand in Europa zu mehren.

Es ist jedoch nicht selbstverständlich, dass Banken ihren Beitrag für mehr Wohlstand in Europa auch tatsächlich leisten können. Entscheidende Voraussetzung hierfür ist, dass die Institute profitabel wirtschaften. In Zeiten von Null- und Minuszinsen, weiter steigender Regulierungskosten und offensiv agierender neuer Marktteilnehmer ist dies alles andere als ein leichtes Unterfangen.

Gerade in Europa fällt auf, dass der Anteil des Finanzsektors an der Wertschöpfung seit Jahren rückläufig ist – anders als beispielsweise in den USA. Eine Marginalisierung des euro- päischen Bankensektors kann allerdings nicht im Interesse Europas sein. Europäische Banken, die im internationalen Wettbewerb bestehen können und nicht unter „ferner liefen“ rangieren, bleiben aus mehreren Gründen wichtig für die europäische Wirtschaft. Die europäischen Banken kennen die Bedürfnisse der europäischen Kunden; sie sind in der Lage, Risiken adäquat zu bewerten und kompetent zu beraten. In Jahren und Jahrzehnten sind stabile Kunde- Bank-Beziehungen entstanden, die nicht nur auf schnelle Abschlüsse von Verträgen, sondern auf eine langfristige Partnerschaft ausgerichtet sind.

Hinzu kommt, dass ein gemeinsames Wertegefüge Banken und Unternehmenskunden miteinander verbindet. Beispiel Datenschutz: Der Umgang mit Daten in der EU ist ein gänzlich anderer als in Asien oder in den USA. Umso wichtiger ist es, dass die europäischen Banken ihren Kunden auch weiterhin anforderungsgerechte Lösungen anbieten können.

Damit europäische Banken im internationalen Wettbewerb bestehen und profitabel arbeiten können, benötigen sie einen einheitlichen Markt, der groß genug ist, um Skaleneffekte nutzen zu können. Auf einem größeren Markt könnten die Banken nicht nur die derzeit fehlende Profitabilität wiedergewinnen, sondern auch als Motor für  den europäischen Binnenmarkt fungieren.

Gerade im Vergleich mit den USA fehlt es der EU an einem einheitlichen, wettbewerbsfähigen Finanzbinnenmarkt: Noch immer ist der europäische Markt in viele kleinere nationale Märkte fragmentiert, so dass Banken ihre Finanzdienstleistungen nicht ohne weiteres grenzüberschreitend anbieten und organisieren können.

Ein echter Binnenmarkt für die Finanzbranche könnte die erheblichen Ineffizienzen der vielen kleinen nationalen Märkte beseitigen. Durch die dadurch möglichen Kosten- senkungen würden die Banken an Wettbewerbsfähigkeit hinzugewinnen. Zudem würde ein einheitlicher Finanzbinnenmarkt das Angebot für die europäischen Bürgerinnen und Bürger verbessern, da attraktive Finanzprodukte in allen Mitgliedstaaten zur Verfügung stünden.

Auch unter Stabilitätsgesichtspunkten ist die Weiter- entwicklung eines echten Finanzbinnenmarktes sinnvoll. So würden Banken und Finanzmärkte in die Lage versetzt, Risiken europaweit konsistent zu bewerten und möglichst weitflächig – d. h. grenzüberschreitend – abzusichern.
 
Durch einen einheitlichen Markt können Risiken und regionale Ungleichgewichte besser moderiert und somit Ansteckungseffekte verhindert werden. Ein Risikotransfer durch Marktintegration funktioniert dabei auch für die Wirtschafts- und Währungsunion deutlich besser als jeder öffentliche Mechanismus.

Klar ist: Europa braucht einen eigenen, wettbewerbsfähigen Finanzmarkt mit starken Banken, der der wirtschaftlichen Bedeutung Europas gerecht wird und mit anderen Märkten auf Augenhöhe ist. Wettbewerbsfähig nach außen kann der Finanzbinnenmarkt jedoch nur bleiben, wenn die EU bei der Schaffung internationaler Regelungen, wie beispielsweise auf Baseler Ebene, mit einer Stimme spricht. Dabei wird es bedeutend leichter, mit einer Stimme zu sprechen, wenn die EU einen Binnenmarkt mit einheitlichen Regeln hat. Ebenso wichtig ist, dass der europäische Regelsetzer den internationalen Wettbewerb im Auge behält. Alleingänge, wie beispielsweise eine immer wieder diskutierte Finanztransaktionssteuer, würden der europäischen Wettbewerbsfähigkeit schaden. 

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