Sustainable Finance – Klimawandel geht alle an

Sustainable Finance

Die Marktdynamik im Bereich Sustainable Finance ist schon heute hoch. Damit diese positive Entwicklung weiter anhält, bedarf es sorgfältig abgestimmter europäischer Rahmenbedingungen, die die vielfältigen und komplexen Wechselwirkungen mit anderen Regulierungsbereichen im Blick behalten und mögliche Risiken nicht außer Acht lassen.

Transformation der  Wirtschaft unterstützen

Banken spielen bei der Finanzierung einer an Nachhaltigkeitsgrundsätzen orientierten Wirtschaft eine Schlüsselrolle. Dieser Verantwortung werden die privaten Banken und ihre Tochtergesellschaften gerecht, indem sie sich bereits seit vielen Jahren intensiv in einer Vielzahl von Sustainable- Finance-Segmenten engagieren. Mit dem Aktionsplan „Financing Sustainable Growth“ und der Vorlage der ersten Legislativvorschläge durch die Europäische Kommission hat die Debatte über eine nachhaltige Ausgestaltung des Finanzsystems enorm an Tempo zugelegt. Bereits im Vorfeld haben die Empfehlungen der „Task Force on Climate-related Financial Disclosures“ des Financial Stability Board, der Abschlussbericht der „High-Level Expert Group“ sowie der Initiativbericht des Europäischen Parlaments wichtige Diskussionsbeiträge geliefert. Alle genannten Empfehlungen weisen dem Finanzsektor eine zentrale Rolle zu – vor allem als wichtiger Impulsgeber. Die privaten Banken begrüßen diese Entwicklung ausdrücklich, insbesondere mit Blick auf die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens, und unter- stützen die politische Absicht, mehr Finanzmittel für eine nachhaltige Ökonomie zu mobilisieren und den Übergang in eine Low-Carbon-Economy voranzutreiben.

Es ist wichtig, dass die Europäische Kommission die zahlreichen internationalen Initiativen im Blick behält und diese in ihre weiteren Überlegungen mit einbezieht, so dass hier langfristig keine Diskrepanzen zwischen europäischer und globaler Ebene auftreten. Dies gilt insbesondere in Bezug auf die Sustainable Development Goals der UN-Agenda 2030 und hinsichtlich der angekündigten Aktivitäten der Vereinten Nationen zum Thema Sustainable Finance.

EU-Aktionsplan zeitlich sehr ambitioniert

Die Kommission hat mit dem Aktionsplan zu Sustainable Finance eine zeitlich und inhaltlich sehr ambitionierte Agenda aufgestellt. Bereits bis Mitte 2019 sollen die wichtigsten Vorhaben beschlossen werden. Bei aller Aufbruchsstimmung dürfen aber die vielfältigen und komplexen Wechselwirkungen mit anderen Regulierungsbereichen nicht unterschätzt werden.

Wichtig ist daher vor allem, die einzelnen Maßnahmen in der richtigen Schrittfolge umzusetzen. Als Erstes brauchen wir eine Klärung der Begrifflichkeiten, d. h. den Klassifikationsrahmen mit seinen Taxonomien. Ist dies erfolgt, sollte eine Bestandsaufnahme vorgenommen werden. Und erst dann – als dritten Schritt – gilt es, die richtigen regulatorischen Rückschlüsse zu ziehen. Dabei müssen die Grundsätze der Finanzmarktstabilität auch für den Sustainable-Finance-Ansatz gelten. Mögliche Risiken von nachhaltigen Finanzierungen dürfen nicht ausgeblendet werden. Daher ist der Vorschlag des Europäischen Parlaments im Rahmen der Beratungen zum Risikoreduzierungspaket zu begrüßen, dass die Europäische Bankenaufsichtsbehörde bezüglich möglicher Kapitalerleichterungen für nachhaltige Finanzierungen zunächst Untersuchungen vornehmen soll.

Die Sustainable-Finance-Agenda kann nur erfolgreich umgesetzt werden, wenn öffentliche Hand und private Wirtschaft an einem Strang ziehen. Hierfür sind eine enge Kooperation und ein intensiver Fachaustausch unbedingt notwendig. Bei der Entwicklung der Rahmenbedingungen und beim Aufbau der administrativen Strukturen sollte dies stets beachtet werden und auf eine für alle Stakeholder transparente Governance geachtet und gegebenenfalls eine Verzahnung mit bereits bestehenden EU-Programmen/ Initiativen angestrebt werden.

Grünes Klassifikationssystem mit Augenmaß implementieren

Erster und wichtigster Baustein der Sustainable-Finance- Agenda ist die Festlegung von Definitionen und Begrifflichkeiten. In diesem Zusammenhang kommt insbesondere dem Verordnungsvorschlag über die Einrichtung eines Rahmens zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen (Taxonomie-Verordnung) eine wichtige Rolle zu, in dem die Grundlagen für ein grünes Klassifikationssystem und einzelne Taxonomien festgelegt werden sollen.

Der technisch und organisatorisch sehr anspruchsvolle Ausarbeitungsprozess bedarf einer umfassenden Beteiligung aller Stakeholder auf europäischer Ebene.

Die vorliegenden Vorschläge stellen zunächst auf bestimmte Kapitalmarktakteure sowie deren Produkte ab. Angesichts der von der Kommission vorgelegten Sustainable-Finance-Folgenabschätzung, in der auf die fehlenden Anreize zur Berücksichtigung von Environmental-Social-Governance-Kriterien (ESG) durch institutionelle Anleger, Vermögensverwalter, Anlageberater und Versicherungsvermittler hingewiesen wurde, ist dies konsequent und richtig.

Es ist jedoch wichtig, dass auch die Banken in die inhaltliche Ausgestaltung der Taxonomien – insbesondere mit Blick auf die geplante Stakeholder-Plattform – verstärkt eingebunden werden. Ferner sollte auch über die bereits berufene technische Expertengruppe zur Ausarbeitung der Klimaschutztaxonomie eine Einbindung und aktive Mitarbeit der Kreditwirtschaft sichergestellt werden. Ebenso sollte frühzeitig ein enger Erfahrungs- und Meinungsaustausch zwischen den im Verordnungsvorschlag adressierten ESAs und der Kreditwirtschaft starten, um sicherzustellen, dass die Taxonomien langfristig auch für Banken einen praktischen Nutzen entfalten können.

Effizientes Handeln sicherstellen

Im Sustainable-Finance-Aktionsplan kündigt die Europäische Kommission ausdrücklich einen Stufenplan an, der ein schrittweises Vorgehen mit Blick auf die einzelnen ESG-Kriterien vorsieht. Allein für die Ausarbeitung der Taxonomien im Umweltbereich (Environment-Kriterium) ist laut Taxonomie-Vorschlag ein Zeitraum bis Ende 2022 vorgesehen. Für die Kriterien Social und Governance ist noch nicht einmal ein genauer Zeitpunkt hinsichtlich der Ausarbeitung entsprechender Taxonomien benannt. Dieser Ansatz korrespondiert nicht mit dem zum Teil in den anderen Sustainable-Finance-Legislativvorschlägen verfolgten Vorgehen, bereits auf alle – bisher noch gar nicht einheitlich definierten – ESG-Kriterien abzustellen.
 
Für die Marktteilnehmer besteht aktuell das größte Problem hinsichtlich der Konzeption bzw. des Vertriebs von nachhaltigen Anlagen darin, dass es keine klaren Kriterien gibt, was unter einer nachhaltigen Anlage zu verstehen ist. Der Stufenansatz muss daher zwingend auch bei allen Legislativvorschlägen zum Thema „Sustainable Finance“ Berücksichtigung finden, d. h., die Anwendung von ESG-Kriterien muss schrittweise eingeführt werden, soweit stabile und belastbare Teiltaxonomien für die jeweiligen Kriterien vorliegen, sollten auch keine voreiligen Änderungen in Bezug auf Sustainable Finance, zum Beispiel bei MiFID II oder der Benchmark-Verordnung, in Angriff genommen werden. 

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