Dombrovskis wünscht sich vielfältigen Bankensektor

6. April 2017, 10 Uhr

Impuls und Diskussion

Ein Binnenmarkt, auf dem sowohl kleine als auch große Banken EU-weit Projekte finanzieren und unterhalten können, und der einheitliche Regeln zum Schutz von Sparern und Steuerzahlern gewährleistet – so umschrieb EU-Kommissions-Vizepräsident Valdis Dombrovskis beim 21. Deutschen Bankentag in Berlin die Vision der Kommission für den gemeinsamen Finanzbinnenmarkt.

Die Kommission wünsche sich einen vielfältigen Bankensektor. Einerseits mit internationalen Großbanken, die sich auf Augenhöhe mit den weltweit tätigen europäischen Unternehmen befinden. Andererseits mit Geschäftsbanken, die kleinen und mittleren Unternehmen sowie Bürgern Zugang zu Finanzierungslösungen ermöglichen. Die Bankenunion, so Dombrovskis, sei ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Die Bildung eines gemeinsamen Finanzbinnenmarktes wäre Dombrovskis eine weitere Stärkung des Bankensektors. "Integriertere, dynamischere und vielfältigere Finanzmärkte würden Europas Stabilität und Widerstandsfähigkeit stärken anstatt sie zu untergraben", so Dombrovskis.

Bei der anschließenden Diskussionsrunde mit dem Titel „Auf dem Weg zum europäischen Finanzbinnenmarkt – Anspruch und Realität“, betonte John Cryan, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bank, dass auf globaler Ebene ein europäisches Gegengewicht zur amerikanischen Präsenz auf den Kapitalmärkten wichtig sei. Auch für die Wirtschaft seien gemeinsame europäische Regeln und Ziele von vitaler Bedeutung. "Wenn wir dafür sorgen, dass der europäische Kapitalmarkt besonders kleinen und mittleren Unternehmen nützt, und damit langfristig auch der Realwirtschaft insgesamt, dann verbessern wir damit unsere Ausgangssituation im Hinblick auf die Konkurrenz aus Amerika."

Wie die äußerst erfolgreich umgesetzte Bankenunion werde auch die Kapitalmarktunion eine Reihe von Herausforderung bei der Harmonisierung von steuerlichen und juristischen Fragen mit sich bringen, so Cryan weiter. „Das soll uns aber nicht daran hindern, das Projekt voranzutreiben.“ Zur Umsetzung müssten neben der EU-Kommission auch der Bankensektor, Investmentfirmen, die Versicherungsbranche sowie die Politik beitragen.

Jan Pieter Krahnen, Professor für Kreditwirtschaft und Finanzierung an der Goethe-Universität Frankfurt, bezeichnete den Finanzbinnenmarkt als große europäische Vision. In der Realität verortet Krahnen derzeit allerdings eher gegenläufige Tendenzen. „An vielen Stellen sehen wir Renationalisierungsbestrebungen, die von den Entwicklungen der vergangenen Jahre getrieben werden.“ Die Bankenkrise habe gezeigt, dass eher auf nationaler Ebene nach Lösungen gesucht werde anstatt auf internationaler Ebene. Um die gemeinsame Vision umzusetzen, bedürfe es einer neuerlichen Anstrengung. Dabei sieht Krahnen vor allem die nationalen Gesetzgeber in der Pflicht. Auf europäischer Ebene gebe es bereits politische und regulatorische Ansätze. Aber: "Wie bei einem Marathon ist die letzte Meile die schwierigste", so Krahnen. "Wir müssen akzeptieren, dass die nationale Politik nicht über der europäischen Idee stehen darf."

Moderator Sven Afhüppe, Chefredakteur des Handelsblatts, griff die Sorgen kleiner und mittelständischer Unternehmen in Deutschland, Spanien oder Italien auf, die sich vor allem mit Hilfe von Banken finanzieren. „Spricht man mit Unternehmen in Deutschland, so fragen sie, warum man einen stärkeren Kreditmarkt brauche, wenn es dafür doch Banken gebe“, sagte Afhüppe, und gab die Frage an Dombrovskis weiter.

Der europäische Finanzbinnenmarkt solle den Bankensektor nicht ersetzen sondern ihn ergänzen, antwortete der Kommissionsvizepräsidenten. Darüber hinaus solle er es Wirtschaftsunternehmen erleichtern, die nach Ansicht der Kommission immer noch zu wenig genutzten Möglichkeiten zur Kapitalisierung an den Märkten wahrzunehmen und Ungleichheiten in der EU auszugleichen. In Deutschland seien Bankkredite für kleine und mittlere Unternehmen verhältnismäßig leicht zugänglich. „Doch die Situation in anderen Mitgliedsländern ist anders, und das müssen wir ändern, unter anderem durch alternative Finanzierungsmethoden“, betonte Dombrovskis.

Dass kleine und mittlere Unternehmen in einigen europäischen Ländern Schwierigkeiten haben, sich Geld zu leihen, bestätigte auch Elke König. Der Vorsitzenden des Single Resolution Board zufolge ist dafür vor allem ein mangelndes Angebot verantwortlich, für das sie auch die Nachwirkungen der Finanzkrise verantwortlich macht. Als Konsequenz müsse man vor allem die zugrundeliegenden Ursachen ansprechen. „In einigen Märkten sind das Overbanking und die Ineffizienz von Banken", sagte König. Als logische und unbequeme Folge müsse die Frage nach dem nächsten logischen Schritt gestellt werden. Insgesamt seien die europäischen Banken allerdings weniger gefährdet als noch vor einigen Jahren. "Seit der Finanzkrise ist viel passiert", sagte König abschließend.

 

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