Peters: „In der Bankenwelt ist eigentlich kein Stein auf dem anderen geblieben“

Pressegespräch

6. April, 8:00 Uhr

Nicht nur in Redebeiträgen und Podiumsdiskussionen sondern auch in zahlreichen persönlichen Gesprächen zwischen einzelnen Teilnehmern geht es beim 21. Deutschen Bankentag in Berlin immer wieder um das Thema Europa, sagte Hans-Walter Peters, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken und Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter der Privatbank Berenberg heute in Berlin vor Journalisten.

Dabei machte Peters große Unsicherheiten beim Thema Brexit aus. Vor allem bei der Frage, welche Bedingungen bis zum Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) in knapp zwei Jahren umgesetzt werden müssen. Von vielen Auslandsbanken erwartet Peters, dass sie einen Verbleib in London nicht riskieren wollen und stattdessen in einem der übrigen 27 Mitgliedstaaten Vollbanklizenzen beantragen werden.

Trotz allem unterstrich Peters das Bekenntnis der Banken zu Europa. „Das Geschäft in der Europäischen Union ist natürlich wesentlich einfacher, als in einer Kleinstaaterei, das werden wir in England merken.“

Zusätzliche Sorgen, nicht zuletzt wegen der damit verbundenen Kosten, bereitet dem Bankenverband das Thema Regulierung. Auf der einen Seite stehe Peters zufolge die kostspielige Umsetzung von Maßnahmen wie MiFID II. Auf der anderen Seite drohten die aktuellen politischen Entwicklungen in Großbritannien und den USA, vieles durcheinanderzubringen: „Wir wollen natürlich nicht, dass wir in eine weltweite Deregulierungsschraube gehen“, betonte Peters. „Für uns ist es wichtig, dass wir weiterhin international abgestimmt Regulierung betreiben.“ Das betreffe auch Basel III und Basel IV.

Den vielen Herausforderungen stehen laut Peters diverse positive Entwicklungen gegenüber, die die deutschen Privatbanken in den zehn Jahren seit der Finanzkrise angestoßen haben. Dazu gehörten die Bildung von Kapital, die Änderung von Vergütungsstrukturen sowie die Überarbeitung von Risikomodellen. „In der Bankenwelt ist in zehn Jahren viel passiert – eigentlich ist kein Stein auf dem anderen geblieben.“

Auch im Hinblick auf die Bundestagswahl steht das Thema Regulierung bei den deutschen Privatbanken auf der Tagesordnung, sagte Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken. „Wir setzen uns dafür ein, dass die Regulierung maßvoll bleibt, insbesondere auch, was das Thema Datenanforderungen betrifft.“ Das sei auch eine Kostenfrage. So seien Regulierungsmaßnahmen vor allem im IT-Bereich sehr teuer. Zwar seien die Kosten auf seriöse Weise nicht zu quantifizieren, so Kemmer. „Die Kosten sind extrem hoch, und sie haben auch das Problem, dass sie häufig die Banken daran hindern, Investitionen in anderen, kundennahen Bereichen zu tätigen, in denen es notwendig wäre.“

Darüber hinaus setzt sich der Verband Kemmer zufolge im Bundestagswahlkampf für das Fortbestehen marktwirtschaftlicher Grundsätze ein. Dazu gehörten auch systematische Steuerregeln wie beispielsweise die steuerliche Abzugsfähigkeit der Bankenabgabe. „Es ist ein Unding und ein Systembruch, dass die Bankenabgabe nicht steuerlich abzugsfähig ist“, sagte Kemmer. „Das werden wir sicherlich auch vorbringen.“

 

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