Weidmann: Hohes Eigenkapital ist wie eine Schutzimpfung

6. April 2017, 11:40 Uhr

Niedrigzinsen, Digitalisierung und die strengere Regulierung seien die großen Herausforderungen, denen sich Banken und Sparkassen zurzeit gegenübersehen. Das sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann heute auf dem 21. Deutschen Bankentag in Berlin. Er sieht auch eine Mitverantwortung der Zentralbanken an der schwierigen Ertragslage der Branche. „Die Erträge der Banken sind aus ganz unterschiedlichen Gründen unter Druck und wir Notenbanken sind daran nicht ganz unschuldig“, sagte er. „Je länger die Niedrigzinsphase anhält, desto größer dürfte die Belastung werden.“

Die schwache Ertragslage deutscher Banken werde aktuell maßgeblich durch den sinkenden Zinsüberschuss getrieben. „Die Ertragsschwäche ist aber grundsätzlich struktureller Natur“, betonte Weidmann. „So wenden Banken in Deutschland etwa zehn Cent mehr für einen Euro Ertrag auf als Banken im europäischen Durchschnitt.“ Der Notenbank-Chef warnte vor den Folgen einer zu rasch ausgeführten Zinswende. Eine lang anhaltende Niedrigzinsphase, die durch eine schnelle Zinswende beendet würde, wäre besonders ertragsbelastend für die Banken. „Umso wichtiger ist es deshalb, dass sich die Banken mit dem Thema Zinsänderungsrisiko auseinandersetzen und eine entsprechende Vorsorge treffen“, betonte Weidmann. Dies werde auch Thema beim diesjährigen Stresstest der europäischen Bankenaufsicht. „Der Zinsrisikokoeffizient lag Ende 2016 in Deutschland im Mittel bei 18,4 Prozent. Einen Wert über 20 Prozent der als 'erhöht' gilt, weisen immerhin 44 Prozent der deutschen Institute aus, wobei sich die Lage im Jahr 2016 immerhin leicht verbessert hat.“

Was aber kann die Geldhäuser aus der schwachen Ertragssituation herausholen? Weidmann riet den Banken, „ihre Geschäftsmodelle auf den Prüfstand zu stellen und neue Geschäftsfelder zu erschließen“. Er hob vor allem die Möglichkeit hervor, durch die Digitalisierung Kosten zu sparen, denn sie erlaube es, Prozesse zu automatisieren und effizienter zu gestalten. Doch zunächst bedeute dies auch Ausgaben, denn "aufsichtliche Überprüfungen von IT-Systemen zeigen jedenfalls, dass es hier erheblichen Nachhol-, sprich Investitionsbedarf gibt", erklärte Weidmann. Investitionen in die IT-Infrastruktur dienten aber nicht nur der Wettbewerbsfähigkeit der Banken, sie dienten auch der IT-Sicherheit.

Beim Thema Digitalisierung verwies der Bundesbank-Präsident auch auf die aufstrebenden Fintech-Unternehmen, "die das innovative Potenzial zu nutzen wissen". Und selbst wenn diese den traditionellen Geldhäusern nicht in der Breite das Geschäft streitig machten, „können sie doch für eine zusätzliche Margenkompression sorgen und damit die Ertragssituation der Banken weiter belasten“, sagte Weidmann.

Als dritte aktuelle Herausforderung für die Finanzbranche nannte Weidmann die Regulierung. „Für die Banken stellt das zunächst einmal eine zusätzliche Belastung dar, weshalb es verständlich ist, dass es mitunter auch Klagen darüber gibt. Mir ist dabei bewusst, dass die gestiegenen Regulierungsanforderungen gerade die kleinen und mittleren Banken belasten“, sagte Weidmann. Für diese könne er sich jedoch Entlastungen vorstellen: „Ich denke dabei zum Beispiel an die Einführung von Bagatellgrenzen bei Offenlegungs- und Meldepflichten, unterhalb derer vereinfachte Regeln gelten oder manche Anforderungen ganz entfallen.“ Eine klare Absage erteilte er hingegen Überlegungen, die Kapitalanforderungen zu senken. „Denn strengere Kapitalvorschriften stellen ja eine zentrale Antwort auf die Krise dar.“

Letztere haben auch dazu beigetragen, „dass deutsche Banken heute wesentlich mehr und sehr viel hochwertigeres Kapital vorhalten als noch vor wenigen Jahren". So verbesserte sich die durchschnittliche Kernkapitalquote der großen deutschen Institute von 5,4 Prozent im Jahr 2011 auf 12,1 Prozent Mitte letzten Jahres. „Eine gute Eigenkapital- und Liquiditätsausstattung von Banken wirkt wie eine Schutzimpfung, mit der nicht nur das Risiko sinkt, selbst zu erkranken, sondern mit der auch das Risiko abnimmt, andere anzustecken. Das globale Impfprogramm für Banken trägt den Namen Basel III.“

Eingedenk all der genannten Herausforderungen könne man nach Weidmanns Ansicht schon sagen, dass die Banken derzeit mehr Gegenwind als Rückenwind haben. „Doch wie sagte schon Aristoteles: Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel anders setzen. Und die Segler unter Ihnen werden wissen, dass man Ziele auch gegen den Wind erreichen kann.“

 

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