Folgen der Regulierung für die Unternehmensfinanzierung

Veranstaltung am 18. März 2013

Welche Finanzierungsleistungen erwarten Unternehmen von ihrer Bank? Welche Veränderungen lösen die verschiedenen Banken- und Finanzmarktregulierungen für die deutsche Wirtschaft aus? Welche Rolle spielt hier das Investmentbanking, und was für Auswirkungen hätte in der Praxis eine Trennung des Kreditgeschäfts vom Handelsgeschäft – Stichwort Trennbanken – für die Unternehmen? Inwiefern wird sich das Verhältnis von Banken und Unternehmen in Zukunft verändern, und wie sollten sich beide Seiten schon heute darauf vorbereiten?

Diese Fragen wurden wir bei einem „Gespräch in der Burgstraße“ mit Markus Beumer, Mitglied des Vorstands der Commerzbank AG, und Ralf Brunkow, Senior Vice President Corporate Treasury, Nordzucker AG, unter der Moderation von Bastian Frien, Chefredakteur von FINANCE, diskutiert.

Begrüßung

Andreas Krautscheid, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes deutscher Banken, Staatsminister a. D.

Einführung

Markus Beumer, Mitglied des Vorstands der Commerzbank AG

Erwiderung

Ralf Brunkow, Senior Vice President Corporate Treasury, Nordzucker AG

Diskussion

Moderation: Bastian Frien, Chefredakteur von FINANCE

Schlusswort

Dr. Alexander Schumann, Chefvolkswirt und Leiter des Bereichs Wirtschaftspolitik, Mittelstand und Innovation, Deutscher Industrie- und Handelskammertag

 

 


Knapp 70 Gäste aus dem Bundestag, aus Ministerien, Verbänden, Kammern und Unternehmen folgten der Einladung des DIHK und des Bankenverbandes zum „Gespräch in der Burgstrasse“ am 18. März 2013. Bastian Frien, Chefredakteur von FINANCE, moderierte die Diskussion zwischen Markus Beumer, Vorstand der Commerzbank AG für die Mittelstandsbank, und Ralf Brunkow, Leiter der Treasury der Nordzucker AG, über die „Folgen der Finanzmarktregulierung für die Unternehmensfinanzierung“.

Angesichts der Regulierungsmaßnahmen, die seit dem Ausbruch der Finanzkrise in Angriff genommen und vielfach schon umgesetzt wurden, könne – hier waren sich Banken- und Unternehmerseite einig – keine Rede davon sein, dass seither „nichts passiert“ sei. Viele der Regulierungsschritte – insbesondere Basel III – seien sinnvoll und notwendig. Mittlerweile drohe aber angesichts vielfältiger Aktivitäten geradezu eine „Regulierungsblase“. Sowohl für Banken als auch für den Mittelstand seien die Konsistenz und Berechenbarkeit der Vorgaben und damit die Planbarkeit entscheidend.

Entscheidend für eine erfolgreiche gesetzliche Regulierung und Aufsicht der Finanzmärkte seien daher die Abstimmung der verschiedenen Maßnahmen aufeinander und die Berücksichtigung der faktischen Auswirkungen auf Banken und Finanzmarkstabilität, aber eben auch auf die Realwirtschaft. Von der Politik forderten beide Seiten eine entsprechende Auswirkungsstudie.

Die Regulierung werde sich – auch hier bestand grundsätzlich Konsens – auch im Mittelstand bemerkbar machen. Die aktuelle Lage der Unternehmensfinanzierung sei zwar weiterhin sehr gut. Auch seien die Unternehmen sehr gut aufgestellt, da sie in den vergangenen Jahren ihre Effizienz (beispielsweise im Cash-Management) sowie ihre Eigenkapitalquoten deutlich erhöht hätten. In zentralen Bereichen der Finanzierung sei aber mit Veränderungen zu rechnen, hier müsse allerdings nach Unternehmensgröße unterschieden werden.

Für die sogenannten KMUs – die kleinen und mittelständischen Unternehmen – würden aufgrund der von der Kommission vorgesehenen Sonderregelung (pauschale Reduzierung des Risikogewichtes) die Eigenkapitalkosten der Banken pro vergebenen Kredit nicht steigen. Zwar weise diese Unternehmensgruppe regelmäßig schwächere Ratings auf. Für die Bank sei aber gerade auch ein Unternehmen mit einer mittleren Bonität ein sehr interessanter Kunde, der auch in Zukunft Zugang zu Kredit erhalte.

Bei größeren Unternehmen (ab etwa 50 Mio. Umsatz), die – über den Kredit hinaus – häufig Leistungen wie Risikomanagement und Kapitalmarktfinanzierung in Anspruch nehmen, würden sich die Folgen der Regulierung deutlicher abzeichnen. Die Komplexität der Finanzierung nehme zu, die Kosten stiegen, einige Leistungen würden aufgrund regulatorischer Vorgaben eingeschränkt oder ganz eingestellt. Dies gelte vor allem für die nicht-standardisierten Derivate (OTC), die ein Unternehmen zur Absicherung von Marktschwankungen nutze.

Deutliche Konsequenzen seien von den neuen Liquiditätsvorgaben zu erwarten. Langfristige Finanzierungen würden dadurch eingeschränkt oder teurer. Eine fristenkongruente Finanzierung über 10-15 Jahre sei heute von einer Bank kaum darstellbar. Dies werde sich beispielsweise bei der Finanzierung der Energiewende niederschlagen: Leistungen, die den Banken verboten würden, könnten sie dann nicht erbringen. Die Langfristfinanzierungen durch Förderbanken würden daher vermutlich zunehmen. Konkret werde die Net Stable Funding Ratio (NSFR) mit dem CRD-IV-Paket zwar zunächst nur als Beobachtungswert eingeführt – die Bank müsse aber damit rechnen, dass diese künftig verbindlich werde. Daher müsse sie sich schon jetzt danach richten.

Die Unternehmerseite brachte ihre Sorge vor zunehmenden Schwierigkeiten in der Unternehmensfinanzierung zum Ausdruck: Insbesondere wenn bei einem höheren Leitzins die Kreditzinsen wieder stiegen oder die – zurzeit geringe – Nachfrage nach Krediten im nächsten Konjunkturhoch wieder deutlich zunehme, werde sich zeigen, ob und wenn ja in welchem Maße die neuen Regulierungen spürbare negative Auswirkungen auf die Kreditfinanzierung haben.

Von Bankenseite war die Sorge geringer: Der Mittelstand sei für die Banken zentral, die Kunden würden umworben, gerade das breite Leistungsangebot, das die Kunden in Anspruch nähmen, sorge für Kontinuität auch in schwierigen Zeiten. Auch für eine steigende Nachfrage seien die Banken gewappnet. Sollte es allerdings zu einem Engpass an den Finanzmärkten kommen, würde es schwierig, die Kapitalmarktfinanzierung der Unternehmen in größerem Umfang durch Kredite zu ersetzen.

Wiederum einig waren sich beide Seiten über den Erhalt des Universalbankensystems. Mit einer Abtrennung des Handelsgeschäfts würden Dienstleistungen, die dem Investmentbanking zuzurechnen sind, teurer. Außerdem würde sich für das Unternehmen der Koordinierungsaufwand erhöhen, da es vermutlich die Zahl seiner Hausbanken erhöhen müsste, um weiterhin auf ein umfassendes Leistungsangebot zurückgreifen zu können. Das Universalbankensystem habe sich in Deutschland gerade für die so genannte Realwirtschaft, aber auch für Versicherungen und Pensionsfonds, bewährt. Der Kunde – vor allem der global orientierte Mittelstand – brauche Leistungen aus einer Hand, d.h. von einer Hausbank, die ihn ins Ausland begleiten könne.

 

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