Bremerhaven – wo die Deutsche Mark an Land ging

Bremerhaven – wo die Deutsche Mark an Land ging

Geldreise durch Deutschland

70 Jahre ist es her, dass die Deutsche Mark erstmals gedruckt wurde – in New York. In einer geheimen Operation verschifften die USA die wertvolle Fracht und schickten sie auf den Weg nach Europa: sechs Milliarden DM als Startkapital des deutschen Wirtschaftswunders. In Bremerhaven wurde das Geld an Land gebracht. Lesen Sie mehr im neuen Teil unserer „Geldreise durch Deutschland“.

Von der Banknotendruckerei in Leipzig über die Börse in Frankfurt hin zur FinTech-Hauptstadt Berlin: Einige Städte spiel(t)en eine zentrale Rolle im deutschen Finanzwesen. Wir stellen in dieser Serie bedeutende Schauplätze vor. Heute: Bremerhaven – die Stadt, in der einst die Deutsche Mark an Land ging.

„Türknäufe aus Barcelona“, das war offiziell der Inhalt der 23.000 Kisten, die im Jahr 1948 auf Frachtschiffen in Bremerhaven ankamen. Doch weder stammte die Ware aus Spanien, noch befand sich auch nur ein einziger Türknauf darin. 

Tatsächlich lieferten die Frachtschiffe, die da am Bremerhavener Columbuskaje anlegten, eine geheime und äußerst wertvolle Ware: die Deutsche Mark. In mehreren Raten schickten die USA knapp sechs Milliarden D-Mark über den Atlantik. Es war das „Startkapital“ des deutschen Wirtschaftswunders. Das Gesamtgewicht der Scheine (Münzen gab es zunächst nicht) betrug mehr als 1.000 Tonnen, so schwer wie 200 Elefanten.

US-Dollar als Designvorbild der D-Mark

Bereits im Frühjahr 1947 begann die US-Regierung die Operation „Bird Dog“. Die Alliierten – mit Ausnahme der Sowjetunion – einigten sich auf eine dringend notwendige Währungsreform für Deutschland. Im Herbst begann die American Note Company in New York City mit dem Druck der neuen (west-)deutschen Währung. Unter strengster Geheimhaltung.

Beim Design der D-Mark-Scheine orientierten sich die Amerikaner stark an den eigenen Dollarnoten. Die abgebildeten Zahnräder, Marmorsockel und Frauengestalten erinnerten außerdem an das Layout US-amerikanischer Eisenbahnaktien. Dass es sich um eine deutsche Währung handelt, erkannte man vor allem am Schriftzug „Banknote, Deutsche Mark, Serie 1948“. Ausgabebehörde, Ausgabeort und Unterschrift fehlten jedoch. 

Bremerhaven war bei den Amerikanern ähnlich beliebt wie Berlin

Von Bremerhaven aus gelangte die geheime Lieferung mit dem Zug nach Frankfurt am Main. Dort wurden die Milliarden im Keller des alten Reichsbankgebäudes in der Taunusanlage gebunkert. Erst im Juni 1948 brachten rund 800 Lastwagen und mehrere Spezialzüge die neue Währung in alle Besatzungszonen Westdeutschlands. Verteilt wurde das Geld an den Ausgabestellen für Lebensmittelkarten. Für 40 Reichs- erhielten die Menschen zunächst 40 D-Mark, später konnten sie nochmals 20 Reichsmark gegen die 20 D-Mark eintauschen.

Bremerhaven war bei den Amerikanern übrigens äußerst beliebt. Während der Besatzung etablierte sich eine rege Club- und Barszene in der Hafenstadt an der Nordseeküste. Die dort stationierten Soldaten machten die Lokale zu ihren Treffpunkten im American Style. Später stießen die vielen Seeleute der US-Frachter dazu und verbrachten ihre freien Stunden in den angesagten Locations der Stadt. Noch heute bringt man legendäre Barnamen wie „Chico’s Place“, „Texas Club“ oder „Bahamas“ mit den Amerikanern in Verbindung. Die Blütezeit der Amüsier- und Vergnügungskultur dauerte in Bremerhaven bis in die 90er Jahre. Mitunter hatte die Stadt eine Kneipendichte wie West-Berlin.

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