Britische Notenbank: Erste Zinserhöhung seit langem

Die britische Notenbank hat Anfang November zum ersten Mal seit zehn Jahren den Leitzins wieder erhöht. Auch andere Zentralbanken haben einen Kurswechsel eingeleitet.

Mehrfach hatte der britische Notenbankchef Mark Carney seit seinem Amtsantritt 2013 eine Zinserhöhung signalisiert, Anfang November nun hat die von ihm geführte Bank of England diesen Worten Taten folgen lassen und den britischen Leitzins das erste Mal seit 3.773 Tagen angehoben – von 0,25 Prozent auf 0,5 Prozent. Für die kommenden drei Jahre stellte Carney zwei weitere Zinsschritte von je 0,25 Prozent in Aussicht. Mit der Zinsanhebung, so das Ziel der Notenbank, soll die Inflation, die im Oktober auf 3,2 Prozent gestiegen ist, zurück auf den Zielwert von zwei Prozent gedrückt werden. Die Anhebung des Leitzinses fand allerdings zu einem Zeitpunkt statt, da das Vereinigte Königreich aufgrund des bevorstehenden Brexits unsicheren wirtschaftlichen Zeiten entgegensieht. Gerade wegen dieser Unsicherheit ist der Geldentscheid der britischen Notenbank bei nicht wenigen Beobachtern auf Kritik gestoßen. Viele Anleger bezweifeln, dass die Zinswende nachhaltig ist.

Trend zu sinkenden Zinsen vorbei?
Mit ihrem Schritt gehört die Bank of England zu den Vorreitern unter den westlichen Notenbanken. Am selben Tag wie sie hob auch die tschechische Notenbank zum zweiten Mal in diesem Jahr den Zins an – ebenfalls von 0,25 auf 0,5 Prozent. Die amerikanische Notenbank Fed hat bereits 2015 den Schalter umgelegt, der US-Leitzins liegt inzwischen bei einer Spanne von 1,00 bis 1,25 Prozent. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat kürzlich eine Anpassung vorgenommen: Sie hat zwar nicht die Zinsen erhöht, aber ihre Anleihekäufe zurückgefahren. Die jüngste Phase der zunehmend expansiven Geldpolitik scheint vorbei, sagen Ökonomen. Allerdings sei unklar, ob zugleich auch der längerfristige Trend zu sinkenden Zinsen und expansiver Geldpolitik, der seit 20 Jahren anhält, beendet ist.

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