Buy now, pay later – eine Schuldenfalle?

Buy now, pay later – eine Schuldenfalle?

03.11.2022

Ein Klick und schon liegen die neuen Schuhe oder der schicke Mantel im Warenkorb. Onlineshopping erfreut sich insbesondere in Zeiten der Pandemie großer und zunehmender Beliebtheit. Nicht zuletzt im Modebereich verzeichnet der Onlinehandel rasant steigende Zahlen. Die einschlägigen E-Commerce-Anbieter bieten dabei immer häufiger die Möglichkeit, auf Rechnung einzukaufen. Mit einem Umsatzanteil von 30,4 Prozent (Quelle EHI) ist die Bezahlung nach Erhalt der Ware das liebste Zahlungsmittel der Deutschen im Netz.

Zahlung auf Rechnung ist einfach

Die Vorteile eines Kaufs auf Rechnung liegen zunächst auf der Hand. Zögert der Kunde zwischen zwei Größen, kann er beide bestellen und muss nur die Ware bezahlen, die er auch tatsächlich behält. Folglich muss er nicht auf die Rückerstattung der bereits bezahlten, aber doch retournierten Ware warten und belastet seinen Geldbeutel entsprechend weniger. 

Der Kauf auf Rechnung im Onlinehandel ist einfach gestaltet. Durch wenige Klicks und die Angabe des Geburtsdatums ist der Rechnungskauf abgeschlossen. In der Regel wird der Betrag innerhalb der nächsten zwei Wochen fällig, wobei das Zahlungsziel häufig noch einmal verschoben werden kann. Sollte dann nicht gezahlt werden, muss der Kunde mit Mahnungen und der Weitergabe des Falls an ein Inkassounternehmen rechnen. Immer häufiger wird aber auch angeboten, die Waren auf Raten mit entsprechenden Zinsen (als Ratenkredit) zu bezahlen.

Überschuldung droht

Schattenseite der Möglichkeit des Verschiebens der Zahlung: Die Verlockung, Waren zu erwerben, die sich der Verbraucher oder die Verbraucherin nicht leisten kann, ist groß. Gerade das Angebot, die Begleichung der Rechnung via eines einfachen Mausklicks nochmals zu verschieben, ermöglicht es, die Fälligkeit fürs Erste auszublenden. Für den einen oder die andere kann sich das zur Konsumfalle entwickeln. Zwar handelt es sich beim Onlineshopping häufig eher um kleinere Rechnungen; diese können sich allerdings leicht zu größeren Beträgen addieren. 

Was man wissen sollte: Der Kauf auf Rechnung wird von den meisten E-Commerce-Anbietern nicht selbst angeboten, sondern läuft über Drittanbieter, die gleich schon mit dem Kauf einen Kredit anbieten. Ansprechende Webseiten mit direkter Einbindung von Werbung für große E-Commerce-Geschäfte sind das Markenzeichen dieser Betreiber. Die angesprochene Zielgruppe ist jung und Lifestyle-affin. 

In den sozialen Medien gibt es mittlerweile spezielle Hashtags, unter denen junge Menschen ihre Schulden aus „Buy now, pay later“ thematisieren und innerhalb ihrer Community um Hilfe bitten. Doch soweit muss es erst gar nicht kommen! Denn bei allen Verlockungen sollten einige Grundsätze immer gelten:

Bleiben Sie innerhalb Ihrer finanziellen Möglichkeiten

Sie sollten Ihren Kontostand, Ihre monatlichen Fixkosten und Ihre sonstigen üblichen Ausgaben fest im Blick haben. So können Sie beurteilen, wieviel Geld für Konsum und Freizeit tatsächlich zur Verfügung steht, und laufen nicht Gefahr, offene Rechnungen anzusammeln, die Ihre Möglichkeiten übersteigen. 

Bezahlen Sie spätestens bei Fälligkeit

Verzugszinsen, Mahngebühren und Kosten für das Inkasso können hoch sein. Versuchen Sie, diese durch rechtzeitige Zahlung zu vermeiden.

Es kann helfen, Einnahmen und Ausgaben sowie Fälligkeitsdaten in einem (digitalen) Haushaltsbuch zu notieren. Kostenlose Vorlagen dazu finden Sie beispielsweise online bei den Verbraucherzentralen.

Vergleichen Sie nicht nur die Warenpreise, sondern auch die Finanzierungskosten 

Sollten Sie sich doch für einen Konsumkredit entscheiden, dann nehmen Sie nicht automatisch den Kredit, der Ihnen beim Kauf direkt angeboten wird, sondern analysieren Sie auch andere Angebote gründlich. Vergleichen Sie hierbei den effektiven Jahreszins für die Laufzeit des Kredits. Dieser wird von allen Anbietern nach derselben Formel errechnet. Die Preisunterschiede können beträchtlich ausfallen. 

Behalten Sie die Gesamtsumme im Blick

Lassen Sie sich nicht von niedrigen Raten blenden, sondern schauen Sie auf den Gesamtbetrag (Barzahlungspreis der Ware zuzüglich Finanzierungskosten), den Sie insgesamt zahlen müssen. 

Vorsicht bei Zusatzprodukten

Seien Sie kritisch, wenn Ihnen mit der kreditbasierten Zahlart Finanzierungsmöglichkeiten angeboten werden, die über Ihren aktuellen Bedarf hinausgehen, wie beispielsweise eine Kreditkarte. Machen Sie sich vor einem eventuellen Einsatz mit Nutzungsbedingungen, Zinsen und Kosten vertraut.

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Kontakt

Sylvie Ernoult

Bundesverband deutscher Banken e.V.

Pressesprecherin

Tel. +49 30 1663-1210

sylvie.ernoult@bdb.de

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