Bye-bye, Bargeld? Asiens Sprung in die Zukunft

In unserer neuen Serie beleuchten wir das bargeld- und kontaktlose Zahlen auf der ganzen Welt. Während schwedische Kirchen ihre Kollekten per Kreditkarte sammeln, setzen Bettler in China auf Spenden via QR-Code. Teil 2: Asien rüstet sich für das digitale Zahlen. 

In einigen asiatischen Ländern ist Zahlen ohne Bargeld längst im Alltag der Menschen angekommen. Im August 2017 haben die beiden in China führenden Dienstleister für kontaktloses Zahlen eine große Werbekampagne aufgefahren. Eine Woche lang lockten Alipay und WeChat mit diversen Rabatten für alle, die mit der jeweiligen App bezahlten. Die Aktion führte offenbar dazu, dass eine Lebensmittelkette sogar die Annahme von Bargeld verweigerte. Man solle doch bitte die App herunterladen und damit zahlen. Die Supermarktkette gehört zum selben Mutterkonzern wie der Bezahldienst Alipay, nämlich zum Alibaba-Konzern. 

Die chinesische Regierung befürwortet zwar Fortschritte beim kontaktlosen Zahlen; dennoch erklärte die Zentralbank, dass der Renminbi weiterhin offizielles Zahlungsmittel sei und dieser in den Geschäften auch angenommen werden müsse. Ein Zwang zum bargeld- und kontaktlosen Zahlen könne den chinesischen Geldkreislauf stören. Doch der Trend ist deutlich: China liegt weltweit an der Spitze beim Mobile Payment. Allein 2017 zahlten die Bürger umgerechnet rund 109 Milliarden Euro via Smartphone. Zum Vergleich: Die USA folgen mit 65 Milliarden Euro auf Rang 2. Die Bezahl-App Alipay verzeichnet bereits 400 Millionen Nutzer, Konkurrent WeChat sogar rund 600 Millionen. Kurios: Angeblich haben sogar chinesische Obdachlose schon via QR-Code um Almosen gebeten. Am Münchner Flughafen kann man übrigens seit November 2017 auch via WeChat Pay bezahlen; Alipay gibt es sogar schon seit 2015 am Frankfurter Flughafen. Angeboten wird der Service vom deutschen Zahlungsdienstleister Wirecard.

Doch wie funktioniert eigentlich das kontaktlose Zahlen? Die asiatischen Dienstleister nutzen vor allem den QR-Code. Am Ende des Einkaufs wird der zu zahlende Betrag anhand eines QR-Codes angezeigt. Mit der richtigen App auf dem Smartphone muss der Kunde den Code nur noch scannen und die Zahlung auf dem Handy bestätigen. 

In China testet Alipay noch eine andere Methode: „Smile to Pay“. Hier erfolgt die Bezahlung über einen Gesichtsscan am Smartphone. Zuvor muss eine Telefonnummer zur Authentifizierung angegeben werden. Für die Scan-Technik arbeitet der Konzern mit einer 3D-Kamera, die sich an der Augenfarbe, Augengröße und weiteren biometrischen Daten orientiert – und das Gesicht auch dann erkennt, wenn es stark geschminkt ist. Erste Geschäfte akzeptieren die neue Zahlweise bereits testweise.

Südkorea will bis 2020 Münzgeld abschaffen

Auch andere asiatische Länder haben große Pläne. So arbeitet etwa Südkorea an der Abschaffung seiner Münzen. Bis 2020 will das Land das Hartgeld weitestgehend aus dem Verkehr ziehen. Kein unrealistisches Ziel, denn schon jetzt zahlt die Mehrheit der Bevölkerung komplett elektronisch. Ihr Wechsel(bar)geld können sich Südkoreaner fortan auf einer Geldkarte gutschreiben lassen, die sie bereits für den öffentlichen Verkehr nutzen. Alternativ können den Betrag direkt auf ihr Bankkonto überweisen lassen. Allerdings ist ein vollständiger Verzicht auf Münzen schwierig, denn welches Wechselgeld soll man etwa Touristen geben, die mit einem Schein bezahlen?  

Indien zwingt Bürger zum bargeldlosen Zahlen

Die indische Regierung hat im Herbst 2016 überraschend die beiden höchsten Banknoten für ungültig erklärt, den 500- und den 1.000-Rupien-Schein. Damit wurden auf einen Schlag 86 Prozent des Geldes wertlos, das sich im Umlauf befand. Die Inder konnten bis zu 4.000 Rupien (rund 52 Euro) in neue gültige Scheine umtauschen. Das restliche Kapital mussten sie jedoch auf ein Bankkonto einzahlen. Ansonsten hätte es seine Gültigkeit verloren. 

Indiens Regierung begründet diesen Schritt mit dem Kampf gegen Korruption, Schattenwirtschaft und Steuerhinterziehung. Darum will sie den Anteil des Bargelds äußerst gering halten. Doch Indien steht damit vor einem neuen Problem: Bargeldmangel. Während die Besserverdienenden sowieso bereits hauptsächlich mit Kreditkarte oder Smartphone zahlen, leiden die Armen. Vielen ist der Zugang zum digitalen Finanzsystem verwehrt: Sie haben weder Konto noch Smartphone. In manchen Dörfern tauschen die Bewohner darum wieder direkt ihre Naturalien. 

Ob das Prestigeprojekt von Premierminister Narendra Modi erfolgreich endet und Indien in der digitalen Welt voranbringt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Immerhin hat das Land nach Schweden und Norwegen den geringsten Anteil des im Umlauf befindlichen Bargelds an der Wirtschaftsleistung. Der liegt nämlich bei gerade einmal 1,71 Prozent des Bruttoinlandsprodukts; in der Eurozone sind es dagegen mehr als zehn Prozent.

Japan führt eigene digitale Währung ein

Japan arbeitet ebenfalls an der Reduzierung des Bargelds. Rund 70 Prozent der Umsätze werden in Japan noch immer mit Bargeld getätigt – mehr als in jedem anderen Industrieland. Denn die Nutzung von Kreditkarten kostet die Ladenbesitzer zusätzliche Gebühren. Daher wird kaum irgendwo Kartenzahlung angeboten. Mehrere japanische Banken haben sich nun zusammengeschlossen und wollen pünktlich zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio eine digitale Währung auf den Markt bringen: den „J Coin“

Wer mit dem „J Coin“ zahlen will, benötigt ein Smartphone und die dazugehörige App. Für den Zahlvorgang muss im Geschäft nur noch der Barcode mit dem Handy gescannt werden. Anders als bei den Kartenzahlungen fallen hier keine zusätzlichen Kosten an. Dafür können die Banken auf die gesammelten Daten der App zugreifen. 

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