Kohlekraftwerk

CO₂-Emissionen: Wohin steuert die Welt?

Klimawandel

14.12.2020

Vor fast genau fünf Jahren, am 12. Dezember 2015, haben sich knapp 190 Staaten auf den Abschluss des Pariser Klimaabkommens verständigt. Kern des Abkommens ist die Verpflichtung der teilnehmenden Länder, den Temperaturanstieg auf der Welt zu begrenzen – nach Möglichkeit auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Emissionen klimaschädlicher Gase (vor allem CO₂) drastisch verringert werden. In regelmäßig vorzulegenden nationalen Aktionsplänen für eine schnellere CO₂-Verringerung sollen die Unterzeichnerstaaten darlegen, welche Maßnahmen sie wann umsetzen wollen, wobei jeder neue Plan ehrgeiziger sein muss als der zuvor.

Eine objektive Bilanz nach fünf Jahren Paris zu ziehen, ist nicht unbedingt einfach, viele Beobachter und Experten aber sind enttäuscht über das seitdem Erreichte. Fakt ist, dass die CO₂-Emissionen seit 2015 weiterhin gestiegen sind. Hinzu kommt: Die übergroße Mehrheit der Unterzeichnerstaaten hat zwar nationale Aktionspläne vorgelegt, diese aber nicht weiter nachgeschärft, was eigentlich vereinbart war. Außerdem sind wichtige Details zu dem Vertragswerk weiterhin ungeklärt. Anhaltender Streitpunkt ist beispielsweise die Frage, ob und wie sich die (Industrie-) Staaten Minderungsprojekte in Schwellen- und Entwicklungsländern auf ihre Reduktionsziele anrechnen lassen können.

Hoffnungsvolles 2020?

Dessen ungeachtet ist das Jahr 2020 möglicherweise ein vielversprechendes Jahr für den Klimaschutz. Mit der Wahl Joe Bidens zum US-Präsidenten verknüpfen sich zumindest die Hoffnungen, dass die USA nicht nur zum Pariser Klimaabkommen zurückkehren (das hat Joe Biden bereits fest in Aussicht gestellt), sondern der Bekämpfung des Klimawandels insgesamt einen großen Stellenwert beimessen werden. Der künftige Präsident hat schon angekündigt, sein Land solle bis 2050 CO₂-neutral wirtschaften. Rund ein Siebtel aller Treibhausgase, die Jahr für Jahr in die Atmosphäre gelangen, stammen gegenwärtig aus den USA. Die Europäische Union wiederum hat sich im Rahmen des Corona-Wiederaufbaufonds und des „Mehrjährigen Finanzrahmens“ vorgenommen, erhebliche Summen in den Klimaschutz zu investieren. Zugleich hat man sich gerade erst – im Einklang mit dem Green New Deal der Kommission – auf ehrgeizigere Reduktionsziele bis 2030 verpflichtet. Und die Volksrepublik China, der größte Produzent von Treibhausgasen weltweit, will die Klimaneutralität bis zum Jahr 2060 verwirklichen. Der Emissionsanstieg von China war in vergangenen Jahren ein Haupttreiber des Klimawandels.

Studie der EU-Kommission: Wachstums entkoppelt

Wie genau sieht es in Europa aus? Laut einer Studie zu globalen Treibhausgasemissionen der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission, die vor einigen Wochen veröffentlicht wurde, ist es der EU gelungen, das Wirtschaftswachstum von klimaschädlichen Emissionen abzukoppeln. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts haben die globalen Treibhausgasemissionen zwar stetig zugenommen. Die EU-Mitgliedstaaten und das Vereinigte Königreich konnten sich jedoch gegen den Trend stemmen, da ihre CO₂-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe während dieses Zeitraums zurückgingen, zuletzt (2019) um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt liegen die fossilen CO₂-Emissionen der EU und Großbritanniens um fast ein Viertel unter dem Niveau von 1990. Grundlage für diese Reduktionen sind Erfolge bei der Dekarbonisierung der Energieversorgung sowie des Industrie- und des Bausektors. Ob die bisherigen und bislang für die kommenden Jahre ins Auge gefassten Maßnahmen ausreichen, die eigenen Ziele (Klimaneutralität bis 2050) zu erreichen, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Die diesjährige BP-Analyse „Statistical Review of World Energy 2020“ (die Reihe wird seit 1952 publiziert) attestiert der Weltgemeinschaft unterdessen eine insgesamt gute Tendenz beim Klimaschutz. Der CO₂-Ausstoß erhöhte sich demzufolge 2019 zwar um 0,5 Prozent. Damit konnte der ungewöhnlich starke Anstieg im Vorjahr von 2,1 Prozent aber deutlich gedrosselt werden. Das Plus 2019 betrug zudem weniger als die Hälfte des zehnjährigen Mittelwerts von plus 1,6 Prozent pro Jahr. Derweil haben Klimaforscher für das erste Halbjahr 2020 weltweit einen „beispiellosen Rückgang der CO₂-Emissionen“ festgestellt. Ursächlich hierfür ist der wirtschaftliche Einbruch infolge der Corona-Pandemie. Dennoch wird der coronabedingte Rückgang des globalen Treibhausgasausstoßes am Klima wohl fast spurlos vorübergehen. Nach Zahlen des UN-Umweltprogramms dürften zwar die Emissionen 2020 um 7 Prozent sinken. Auf den Anstieg der Erdtemperatur habe das aber kaum Einfluss.

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