Der Euro soll an Bedeutung hinzugewinnen

Währungssystem

Die EU-Kommission will erreichen, dass der Euro die Dominanz des US-Dollar auf den Finanzmärkten bricht und zur neuen Leitwährung wird. Was bedeutet das und welche Folgen hätte dies?

Der Euro ist stabil, er ist international anerkannt und nicht zuletzt ist er die Währung des zweitgrößten Wirtschaftsraumes der Welt. Und dennoch hat er dem US-Dollar die Spitzenposition als Leitwährung bislang nicht streitig machen können. Gerade einmal 20,1 Prozent aller internationalen Devisenreserven lauten nach Erhebungen der Europäischen Zentralbank (EZB) auf Euro, der Anteil des Dollar beläuft sich auf 62,7 Prozent. Nur etwa die Hälfte aller Warenimporte der Mitgliedsländer der Währungsunion wird in der eigenen Währung abgerechnet, in den USA sind es mehr als 90 Prozent der Einfuhren. Besonders eklatant ist das Missverhältnis bei Rohstoffen: Fast immer werden Lieferverträge in amerikanischer Währung abgeschlossen. Etwa 80 Prozent aller europäischen Energieeinfuhren werden in Dollar bezahlt, obwohl nur ungefähr 2 Prozent der aus dem Ausland eingeführten Energie aus den USA bezogen werden.

Europa soll unabhängiger werden

Lange war dies in Europa kein großes Thema, doch inzwischen hat die Europäische Kommission deutlich gemacht, sie wolle, dass der Euro den amerikanischen Dollar auf den internationalen Finanzmärkten herausfordere und an Bedeutung signifikant hinzugewinne. Hintergrund: In Zeiten wachsender Irritationen und Spannungen im transatlantischen Verhältnis soll Europa in währungspolitischer Hinsicht unabhängiger von den USA werden. Gerade im Streit um das iranische Atomabkommen, das US-Präsident Trump aufgekündigt hat, ist deutlich geworden, dass die USA den Dollar als Waffe für ihre Interessen einsetzen können. Europäische Banken müssen befürchten, dass sie den Zugang zum amerikanischen Kapitalmarkt verlieren, wenn sie sich weiter im Iran engagieren.

Die Stärkung des Euro werde diese Abhängigkeit verringern, so hofft man in Brüssel. Die Kommission hat deshalb eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die ausloten soll, wie das internationale Gewicht des Euro gestärkt werden kann. Unter anderem soll es darum gehen, Lieferverträge für Öl und Gas auf den Euro umzustellen. Die EZB selbst unterstützt den Vorstoß der Kommission. Bislang hatte sie sich in Währungsfragen ein Neutralitätsgebot auferlegt. Für denkbar aber hält sie beispielsweise, es ausländischen Banken zu erleichtern, sich mit Euro einzudecken und den europäischen Kapitalmarkt zu stärken.

Exporte könnten teurer werden

Sollte sich der Euro allerdings tatsächlich als Leitwährung durchsetzen und Investoren ihr Kapital vermehrt in Europa anlegen, dann würde der Euro wegen der größeren Nachfrage aus dem Ausland an Wert gewinnen. Das wiederum wäre ein Problem für die europäische Exportwirtschaft, deren Waren sich durch die Aufwertung im Ausland verteuerten. Unter Währungsexperten ist deshalb durchaus umstritten, ob es für ein Land, rein ökonomisch betrachtet, überhaupt von Vorteil ist, die Leitwährung herauszugeben.

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