Eine Frage des Alters: Digital Divide beim Online-Banking

Das Alter ist entscheidender Faktor für Digital Divide beim Online-Banking. Eine aktuelle Studie des Bankenverbands zeigt: Die Zahl „Online-Banker“ wächst zwar, der Anteil unter den 40- bis 50-Jährigen sogar auf knapp 70%; doch bei den Senioren stagniert der Anteil bei nur 23 Prozent.

03.07.2018

von Christian Jung

Online-Banking ist in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Nach einer repräsentativen Erhebung des Bankenverbands von Ende Mai erledigt die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung ihre Bankgeschäfte auf diese Weise; im vergangenen Jahr lag der Anteil noch bei 45 Prozent. Doch es zeigt sich: Ältere Menschen nutzen die digitalen Kanäle weiterhin erheblich seltener. 

Rund 70 Prozent der unter 50-Jährigen, aber nur 23 Prozent der über 60-Jährigen betreiben Online-Banking. Das verdeutlicht den digitalen Graben, der sich zwischen Jung und Alt durchs Land zieht. Der Zuwachs der Nutzer gegenüber dem vergangenen Jahr geht im Wesentlichen auf eine Zunahme unter den 40- bis 50-Jährigen zurück. Mit nun 69 Prozent schließen sie damit weitgehend zu den jüngeren Altersgruppen auf. Der Anteil unter den Senioren ab 60 Jahren verharrt hingegen mit weniger als einem Viertel auf niedrigem Niveau.

Offenbar halten Sicherheitsbedenken viele Menschen noch von der Nutzung des Online-Banking ab. Insgesamt meint zwar knapp die Hälfte der Deutschen, das Verfahren sei sicher, etwas mehr als ein Drittel (37%) glaubt jedoch „nicht so sicher“ und rund jeder Siebte (15%) „gar nicht sicher“. Bei näherem Hinsehen zeigt sich allerdings: Auch die Wahrnehmung der Sicherheit ist klar eine Frage des Alters. In den Altersgruppen bis 50 Jahren sind weit über 60 Prozent der Befragten von der Sicherheit des Verfahrens überzeugt, bei den über 60-Jährigen jedoch weniger als ein Drittel (28%). Letzteres zieht den Durchschnitt gewaltig nach unten. 

Ältere Menschen bei Digitalisierung mitnehmen

Ob nun höhere Sicherheitsbedenken Senioren vom Online-Banking abhalten oder umgekehrt ein grundsätzliches Unbehagen älterer Menschen gegenüber modernen Technologien die Ängste und Befürchtungen erst erzeugen, sei dahingestellt. Für Banken ist der Befund eines altersbedingten Digital Divide beim Online-Banking in jedem Fall eine herausfordernde Botschaft. Senioren sind schließlich in unserer Gesellschaft heute bei Leibe keine kleine Randgruppe, sondern machen mehr als ein Drittel der Bevölkerung aus. Daher empfiehlt es sich nicht nur aus geschäftspolitischen Gründen, sondern erscheint aus gesellschaftlichen Gründen auch geboten, ihre Belange ebenso zu berücksichtigen und sie behutsam auf dem Weg der Digitalisierung mitzunehmen. 

Technische Innovationen brauchen immer ihre Zeit, bis sie gänzlich in der Gesellschaft angekommen sind. Das zeigt sich übrigens auch beim Mobile Banking: Drei Viertel der Deutschen, die Online-Banking nutzen, tun das vorwiegend noch von einem stationären PC aus, lediglich ein Viertel nutzt Mobile-Banking über ein Smartphone oder Tablet. Wieder ist das Alter ein entscheidender Faktor: Unter den 18- bis 29-Jährigen, der jüngsten befragten Altersgruppe, nutzen immerhin 42 Prozent mobile Geräte fürs Banking, bei den über 60-Jährigen aber nur fünf Prozent. 

Und dennoch bahnt sich auch das Mobile Banking langsam aber sicher seinen Weg über die natürliche Alterspyramide hinauf in breitere Gesellschaftsschichten. Die grundsätzlich positive Nachricht lautet: Auch wenn heutige Senioren Online- und Mobil-Banking noch zurückhaltend gegenüberstehen, auf die künftigen Senioren wird das immer seltener zutreffen.

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