Frauen in Vorständen noch immer eine Seltenheit

Frauen in Vorständen noch immer eine Seltenheit

Gleichberechtigung

18.02.2019

Das aktuelle Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) spricht eine deutliche Sprache: Während 2018 der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 100 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland auf 28,4 Prozent gestiegen ist, beträgt der Anteil der weiblichen Führungskräfte in den Vorständen gerade einmal 10 Prozent. Wieso diese unterschiedlichen Zahlen? Die Erklärung ist einfach: Seit 2016 müssen börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen (Unternehmen, in denen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gleichen Teilen in den Kontrollgremien vertreten sind) auf mindestens 30 Prozent Frauen in ihren Aufsichtsräten kommen. Dass das gelungen ist, zeigt sich an den insgesamt 104 Unternehmen, die Ende 2018 unter diese Regelung fielen. Dort lag der Frauenanteil in den Aufsichtsräten am Jahresende bei knapp 33 Prozent, etwa drei Prozent höher als im Vorjahr. Die Dax-30-Konzerne kamen ebenfalls auf einen Frauenanteil von einem Drittel. Die Frauenquote für die Aufsichtsräte wirkt also – wobei der Frauenanteil nicht mehr sonderlich stark steigt, wenn die Quote erst einmal erfüllt ist.

Wenige Frauen im Vorstand

Eine Quote für weibliche Vorstandsmitglieder gibt es nicht; aktuell haben Unternehmen, die börsennotiert oder mitbestimmungspflichtig sind, lediglich die Pflicht, sich eine feste Zielgröße in Sachen Frauen im Vorstand zu setzen. Nach Angaben der Bundesregierung hätten sich 70 Prozent dieser Firmen allerdings für die Zielgröße „Null“ entschieden. Auch die Hoffnung, dass mehr Frauen in den Aufsichtsräten mehr Frauen in den Vorständen nach sich ziehen, hat sich bislang nicht erfüllt: In den Vorständen der Firmen, die unter die Aufsichtsratsquote fallen, saßen im vergangenen Jahr nur 8,5 Prozent Frauen, gerade einmal 0,6 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Insgesamt gibt es nur in jedem dritten dieser Unternehmen überhaupt eine Frau im Vorstand – und den Vorsitz hat nur in zwei Firmen eine Frau inne. Etwas besser sieht es in der Gruppe der größten 100 Unternehmen in Deutschland aus; in diesen hat der Frauenanteil in den Vorständen erstmals die Zehn-Prozent-Marke erreicht. Allerdings gibt es auch dort in fast 60 Prozent der Vorstände überhaupt kein weibliches Mitglied.

Auch der Staat geht nur bedingt mit gutem Beispiel voran. In den 60 Beteiligungsunternehmen des Bundes sitzt nur in jedem dritten eine Frau im Vorstand. Der Frauenanteil liegt mit 14 Prozent zwar über dem der großen Privatunternehmen. Ein Jahr zuvor aber waren es noch 18 Prozent gewesen. Eine Regierungssprecherin sagte, die Koalition habe sich für den öffentlichen Dienst bis 2025 eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in allen Führungspositionen vorgenommen.

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