Generation Z: Beim Wirtschaftswissen ist der Wille da, das Wissen weniger

10.08.2018

von inter/esse-Redaktion

Dass von der Jugend Wohl und Wehe eines Landes abhängt, ist vielleicht etwas übertrieben, aber andererseits auch nicht ganz falsch. Wie es um die junge Generation steht, welche Interessen und Präferenzen, aber auch welche Befürchtungen sie hat, sollte die Gesellschaft jedenfalls nicht nur anlässlich des Internationalen Tags der Jugend an diesem Sonntag interessieren. Die aktuelle Jugendstudie des Bankenverbands wirft einige Schlaglichter auf Befindlichkeiten der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland, ihre ökonomischen Kenntnisse und ihre Einstellungen zu Banken und Finanzen. 

Ein ambivalentes Ergebnis sticht sofort ins Auge: Den jungen Menschen in Deutschland geht es materiell immer besser, aber sie nehmen das keineswegs auch so wahr. Durchschnittlich verfügen die befragten 14- bis 24-Jährigen nach ihren eigenen Angaben über 731 € monatlich – und damit über rund 20 Prozent mehr Geld als vor drei Jahren, als der Mittelwert noch 607 € betrug. Gleichzeitig bezeichnen aber aktuell ihre wirtschaftliche Lage nur noch 47 Prozent der jungen Leute als „gut“, bei der letzten Jugendstudie waren es noch 60 Prozent gewesen.

Verunsicherung trotz finanziell guter Ausstattung

Trotz der finanziell besseren Ausstattung scheint in der jüngeren Generation damit eine gewisse Verunsicherung spürbar, die sich auch bei Lebenszufriedenheit und Zukunftsoptimismus widerspiegelt. So ist der Anteil der jungen Leute, die mit ihrem Leben eher „zufrieden“ sind, im selben Zeitraum von 93 auf aktuell 85 Prozent gesunken. Ein ähnlicher Befund beim Zukunftsoptimismus: Optimistisch in die Zukunft blicken ebenfalls noch 85 Prozent der jungen Leute, nach 90 Prozent vor drei Jahren; der Anteil der pessimistisch Gestimmten hat von 9 auf 15 Prozent zugenommen.

Das sind noch keine dramatischen Befunde, zumal sich der Rückgang der positiven Einschätzungen von einem hohen Ausgangsniveau vollzieht. Der Trend überrascht aber angesichts der ökonomischen Prosperität, die Deutschland in den letzten Jahren zu verzeichnen ist. Auch die beruflichen Perspektiven der jungen Generation haben sich auf dem Arbeitsmarkt seitdem noch verbessert.

Die Jugend ist digital unterwegs – und wird dabei unvorsichtiger

Was wäre die junge Generation heute ohne Internet? Es wird von ihr intensiv genutzt – zur Unterhaltung, für soziale Kontakte, zur Informationsgewinnung oder zum Shoppen oder Online-Banking. Letzteres verzeichnet sogar den größten Zuwachs: von 35 Prozent auf 70 Prozent ist der Anteil der Online-Banker unter den jungen Leuten in den letzten drei Jahren nach oben geklettert.

Gerade für die Jugend spielen die Sozialen Medien eine herausragende Rolle. Zwei Drittel nutzen sie mehrfach täglich, ein weiteres Viertel mindestens einmal am Tag. Hoch im Kurs stehen vor allem WhatsApp (95 Prozent), Facebook (71 Prozent), Instagram (68 Prozent) und Snapchat (46 Prozent).

Bei ihren Aktivitäten im Netz ist den Jugendlichen die Sicherheit ihrer persönlichen Daten zwar weiterhin wichtig, die Unbekümmertheit hat in dieser Hinsicht gegenüber 2015 allerdings deutlich zugenommen. So haben inzwischen weniger Jugendliche ein „ungutes Gefühl“, wenn sie persönliche Daten im Internet angeben. Der entsprechende Anteil ist von 63 Prozent 2015 auf heute 45 Prozent gesunken. Umgekehrt ist der Anteil, derjenigen, die „kein Problem“ in der Angabe solcher Daten sieht, von 37 auf 54 Prozent gestiegen!

Junge Leute wollen mehr zu Wirtschaft wissen 

Erschreckend genug: 71 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sagen, dass sie in der Schule nicht viel bis gar nichts über Wirtschaft lernen bzw. gelernt haben. Dabei wollen sie genau das! 84 Prozent wünschen sich mehr Informationen über wirtschaftliche Zusammenhänge in der Schule. Zwei Drittel fordern sogar die Einführung eines eigenen Schulfachs „Wirtschaft“. Ein klarer Appell an die Politik, auf diesem Feld schneller voranzuschreiten. Denn beim Schulfach Wirtschaft gibt es zwar Fortschritte in einzelnen Bundesländern, ein flächendeckendes, eigenständiges Schulfach gibt es bisher aber noch nicht.

Obwohl sich das Wirtschafts- und Finanzwissen der Jugend seit 2015 leicht verbessert hat, zeigt die repräsentative Umfrage noch weiterhin große Lücken auf: 82 Prozent der Befragten wissen nicht, wie hoch zurzeit ungefähr die Inflationsrate in Deutschland ist. 53 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen können nicht erklären, was „Rendite“ bedeutet. 67 Prozent geben an, keine Ahnung davon zu haben, was an der Börse passiert. Wie entsteht wirtschaftlicher Gewinn? Bei dieser einfachen Frage lag, trotz drei vorgegebenen Antwortmöglichkeiten, mehr als ein Fünftel der Befragten glatt daneben. Bei schwierigeren Fragen, zum Beispiel was ein Investmentfonds ist, müssen sieben von zehn Befragten passen.

Die meisten Jugendlichen kommen mit ihrem Geld über die Runden.

Mit dem Geld, das die Jugendlichen und jungen Erwachsenen für sich zur Verfügung haben, kommen die meisten aus. Bei 42 Prozent bleibt nach eigenen Angaben regelmäßig etwas übrig, 43 Prozent kommen gerade so über die Runden, bei 15 Prozent reicht das Geld aber oft nicht.

Fast die Hälfte (48 Prozent) der jungen Leute spart regelmäßig, weitere 40 Prozent immerhin ab und zu: Der durchschnittliche monatliche Sparbetrag liegt bei den 14- bis 17-Jährigen bei 83 Euro, bei den 18- bis 24-Jährigen über 200 Euro. Dabei haben die Sparbeträge in den jüngeren Altersgruppen gegenüber 2015 deutlich zugelegt, über alle Altersgruppen hinweg stieg der durchschnittliche monatliche Sparbetrag von 132 auf 179 Euro. Überschuldung ist bei den Befragten im Alter von 14 bis 24 Jahren zum Glück kein häufiges Problem. Lediglich acht Prozent der Befragten sagen, dass sie überhaupt Schulden haben. Dabei haben sich die meisten bei ihren Eltern, Verwandten oder bei Freunden geringere Geldbeträge geliehen.

Banken haben bei jungen Menschen positives Image

Erfreulich: Zwei Drittel (69 Prozent) der jungen Generation haben von Banken allgemein eine positive Meinung; erstmals seit der Finanzkrise ist damit zudem wieder ein leicht positiver Trend zu beobachten. Die Zufriedenheit mit den konkreten Leistungen der eigenen Bank ist mit 84 Prozent sogar noch höher. Allerdings ist dieser Wert im Vergleich zu 2015 etwas zurückgegangen („sehr zufrieden“ von 36 auf 26 Prozent, „zufrieden“ von 50 auf 58 Prozent gestiegen).

Das muss für die Banken Ansporn sein, den hohen Erwartungen ihrer jungen Kunden künftig noch besser gerecht zu werden. Dabei geht es nicht nur darum, dass Bankdienstleistungen heute einfach, schnell und „convenient“ sein müssen. Die jungen Menschen legen auch großen Wert auf eine sichere Geld- und Sparanlage, ein günstiges Girokonto und – inzwischen für zwei Drittel sogar „sehr wichtig“ – auf sicheres Online-Banking.

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