Großbritannien: Finanzmarktkrise hat Spuren hinterlassen

Großbritannien: Finanzmarktkrise hat Spuren hinterlassen

Europa

Zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzmarktkrise spürt Großbritannien noch immer die ökonomischen Folgen. Keine andere Rezession in den vergangenen hundert Jahren hat vergleichbare Nachwirkungen gehabt.

In Großbritannien folgte der Finanzmarktkrise von 2008 die härteste Rezession seit fast 90 Jahren: In den sechs Quartalen nach Beginn des Abschwungs schrumpfte die britische Wirtschaft um insgesamt 7 Prozent. Kaum ein anderes großes Industrieland stürzte in diesem Zeitraum so tief ab wie das Vereinigte Königreich. Hinzu kam ein zweiter, noch gravierenderer Punkt: In den Jahren seit der Rezession bremste eine im internationalen Vergleich extrem schwache Produktivitätsentwicklung die Erholung der britischen Arbeitnehmereinkommen. Folglich liegen die inflationsbereinigten Arbeitseinkommen in Großbritannien im Mittel noch immer um mehr als 3 Prozent unter dem Niveau von 2008; besonders groß sind die Einbußen für die Generation der Dreißig- bis Vierzigjährigen. Angesichts dieser langen Durststrecke sprechen die Ökonomen der Londoner Denkfabrik Institute for Fiscal Studies, die diese Zahlen errechnet haben, von einem „erstaunlichen Jahrzehnt“.

Erste Spuren des Brexit

Zwar herrscht heute in Großbritannien Rekordbeschäftigung, aber aufgrund der vergleichsweise niedrigen Arbeitsproduktivität müssten die Briten sehr viel mehr arbeiten, um ein ähnliches Einkommen wie Deutsche und Franzosen zu erzielen, bilanzierte schon 2016 die britische Denkfabrik Centre for European Reform. In den vergangenen beiden Jahren verstärkte dann noch der bevorstehende Brexit die Probleme: Volkswirte der Großbank UBS schätzen, dass die britische Wirtschaft schon heute 2 Prozent kleiner ist als ohne das Austrittsvotum, da Unternehmen verunsichert und die Inflationszahlen nach oben getrieben wurden.

Auch die öffentlichen Finanzen stehen noch unter dem Eindruck der Krise von vor zehn Jahren: Mit rund 1,8 Billionen Pfund sind die britischen Staatsschulden heute fast dreimal so hoch wie 2008 – und das obgleich die damalige Regierung eine Radikalsanierung einleiten musste und die massivsten Ausgabenkürzungen seit dem Zweiten Weltkrieg ins Werk setzte. Bis 2017 schmolz die Regierung das jährliche Haushaltsdefizit gegenüber 2009 um 118 Milliarden Pfund zusammen. In Relation zum Bruttoinlandsprodukt sank es von 10 auf 2 Prozent. Das Land, monieren Kritiker, habe allerdings einen hohen Preis für die Haushaltssanierung bezahlt: Nahezu alle Bereiche des öffentlichen Sektors seien unterfinanziert und deswegen in keinem guten Zustand.

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