Gruene Anleihe

Grüne Bundesanleihe erstmals platziert

Klimapolitik

Anfang September hat der Bund seine erste grüne Bundesanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren begeben und damit 6,5 Milliarden Euro erlöst, angepeilt waren ursprünglich nur 4 Milliarden Euro. Grüne Bundesanleihe? Was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff? Im Unterschied zu herkömmlichen Anleihen sind grüne Anleihen – auch „Green Bonds“ genannt – zweckgebunden: Das Geld, das (in diesem Fall) der Staat damit erlöst, muss für ökologische Vorhaben verwendet werden. Mit den durch die Emission der grünen Anleihen aufgenommenen Mitteln will die Bundesregierung unter anderem den Co2-Ausstoß von Fahrzeugen reduzieren, effizienten Energieverbrauch fördern und nachhaltige Forschung unterstützen. Dies alles steht im Zeichen der Bekämpfung des Klimawandels: Deutschland sieht sich dem Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 verpflichtet, wonach die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad Celsius gehalten werden soll. Zudem bekennt sich die Regierung zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen.

In Europa nicht die ersten

Die erste grüne Anleihe wurde schon im Jahr 2007 herausgegeben, damals von der Europäischen Investitionsbank. Viele Länder sind seither gefolgt, die Bundesregierung zählt eher zu den Nachzüglern, wobei die bundeseigene Förderbank KfW schon länger auf dem grünen Markt aktiv ist. Frankreich hingegen gehört zu den eifrigsten Öko-Schuldnern: Erst im Frühjahr hat die französische Regierung einen Green Bond für 2,6 Milliarden Euro herausgegeben. Auch Belgien, Irland, die Niederlande und Polen haben schon erfolgreich grüne Staatsanleihen platziert. Die Bundesregierung ist das Thema erst nach der letzten Bundestagswahl mit dem Klimaschutzprogramm 2030 angegangen.

Dass der Bund seine erste Öko-Anleihe so lange vorbereiten musste, liegt auch an der komplexen Ausgestaltung über eine Zwillingsanleihe. Zu jedem grünen Titel gibt es eine konventionelle Anleihe mit gleicher Laufzeit, einen Zwilling also. Das bedeutet, dass große Investoren die grünen Titel jederzeit in konventionelle umtauschen können, womit die hohe Liquidität der Bundesanleihen auch im nachhaltigen Segment gewährleistet werden soll. Mit der Emittierung neuer Anleihen soll es nun rasch weitergehen: Schon für das vierte Quartal ist eine grüne Bundesobligation samt Zwilling mit einer Laufzeit von fünf Jahren geplant. Und so wird es fortgeführt – jedes Jahr neue nachhaltige Bundeswertpapiere und ein höheres Emissionsvolumen. Perspektivisch soll dies dahin führen, dass es Wertpapiere für alle klassischen Laufzeiten von zwei, fünf, zehn und dreißig Jahren gibt.

Mit der Ausgabe grüner Bonds ist stets die Frage verbunden, ob damit auch wirklich „grüne“ Vorhaben finanziert werden. In der Vergangenheit wurde viele Öko-Anleihen von ihren Emittenten grüner gemacht, als sie wirklich waren. „Greenwashing“ nennt man das. Die Mittel aus der grünen Bundesanleihe fließen tatsächlich in ökologische Projekte, allerdings werden nur in der Vergangenheit getätigte Ausgaben refinanziert. Die Koalition hat deswegen das zurückliegende Haushaltsjahr 2019 durchforstet und in Frage kommende Ausgaben in Höhe von 12,7 Milliarden Euro gefunden. Kritiker monieren daher, dass die Investition in die neue grüne Bundesanleihe für die Umwelt keinen direkten, positiven Mehrwert liefere, der ohne diese Green-Bond-Emission nicht trotzdem stattgefunden hätte.

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